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Von Chefredakteur Jürgen Haar · 19.06.2018

Die Grünen ziehen „andere Schlüsse“

Sindelfingen: Sitzungsmarathon vor der Entscheidung über das Kultur- und Bürgerzentrum / Florian Leebmann steht Rede und Antwort

Revitalisierung für das Domo oder ein Neubau auf dem Grundstück der Alten AOK? In einer Woche entscheiden die Sindelfinger Stadträte über das Kultur- und Bürgerzentrum. Bild: Bausch

Alte AOK oder Domo Novo? In einer Woche entscheidet der Sindelfinger Gemeinderat über den Standort für Kultur- und Bürgerzentrum. Heute und morgen werden bereits die Weichen gestellt.

Einen Sitzungsmarathon haben Stadträte und sachkundige Einwohner letzte Woche schon hinter sich, mit zwei gemeinsamen Sitzungen von Verwaltungs- und Technischem Ausschuss geht es in dieser Woche weiter. Aufgalopp für die Sitzungswoche mit umfangreichen Tagesordnungen war gestern Nachmittag der nicht öffentliche Auftritt von Florian Leebmann in der Lenkungsgruppe für das Kultur- und Bürgerzentrum. Der Unternehmer aus Bayern, der unter anderem auch Reha-Zentren und Hotel-Kliniken betreibt, ist Besitzer der gewerblichen Flächen im Domo und damit die Schlüsselfigur für die mögliche Revitalisierung des ehemaligen Kaufhauses.

„Drei Nummer zu groß“

Während der Domo-Novo-Verein das Domo als idealen Platz für ein Kultur- und Bürgerzentrum sieht, positioniert sich die Sindelfinger Stadtverwaltung für den Standort der Alten AOK an der Hanns-Martin-Schleyer-Straße. Für die Stadt sind die Unwägbarkeiten beim Domo mit einer Immobilie, die mehreren Eigentümern gehört, nicht kalkulierbar, die finanzielle Dimension „nicht darstellbar“ und insgesamt ist das Projekt für Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer „drei Nummern zu groß“.

Während mieten oder kaufen aus finanziellen Gründen für die Stadt keine Option ist, sieht der Domo-Novo-Verein mit dem Kultur- und Bürgerzentrum die große Chance, den unteren Etagen des Domo endlich wieder Leben einzuhauchen und das Gebäude insgesamt attraktiver zu machen. Dagegen haben auch Wohnungsbesitzer und Mieter, die im Domo leben, nichts einzuwenden, doch viele sehen die Diskussion mit gemischten Gefühlen.

Dass das Gebäude in Leserbriefen und in der Öffentlichkeit als „Ruine“ und „Schandfleck“ bezeichnet wird, schmerzt sie. „Wir leben schon lange und gerne hier“, sagt ein SZ/BZ-Leser. Was durch ein Kultur- und Bürgerzentrum auf sie zukommen könnte, ist ein weiteres Fragezeichen. Diesen Punkt nennt die Stadt als weiteren Nachteil des Standorts Domo: „Das Baurecht schließt derzeit eine kulturelle Nutzung aus.“

„Risiko lässt sich mindern“

In der Sitzung des Jugend- und Sozialausschusses prallten die Positionen noch einmal aufeinander. Die Grünen ziehen aus der Standortanalyse „andere Schlüsse“, sagt Stadträtin Sabine Mundle. Das finanzielle Risiko lässt sich aus Sicht der Grünen mindern – zum Beispiel durch den Verkauf der Alten AOK. Diesem Plan rechnet Baubürgermeisterin Dr. Corinna Clemens dagegen, dass nach Abzug der Abrisskosten aus dem Grundstücksverkauf weniger Geld in der städtischen Kasse landet, als von den Grünen erhofft.

Die Grünen sprechen sich insgesamt gegen die Alte AOK als Standort für ein Kultur- und Bürgerzentrum aus. „Das ist kein Ort, wo man hingehen will“, sagt Sabine Mundle über den Standort zwischen Stern-Center und Bahnhof. Für diese Position gibt es in der Sitzung überraschend Unterstützung von Adelheid Schlegel. Die Geschäftsführerin des Stadtjugendrings (SJR) beklagte in einem längeren Beitrag die mangelnde Einbindung des Stadtjugendrings und die Reduzierung auf zwei Standorte.

Vom Standort an der Schleyer-Straße, wo der Stadtjugendring schon lange seinen Sitz und seine Geschäftsstelle und mehrere Vereine ihre Räumlichkeiten haben, ist die Stadtjugendring-Geschäftsführerin nicht überzeugt. „Auch mit einem Neubau ist fraglich, ob der Hinterhof-Charakter wegkommt. Wir können uns noch nicht für die Alte AOK als Standort aussprechen“, sagte Adelheid Schlegel. Auf Nachfrage von CDU-Stadträtin Maike Stahl räumte die SJR-Geschäftsführerin ein, dass sie ohne Mandat der Mitgliedsvereine, aber nach einem Gespräch mit einem Vorstandsmitglied diese Stellungnahme abgegeben hat.

Den Vorhalt, dass die Vereine nicht eingebunden sind, weist Kulturamtsleiter Horst Zecha zurück. Aus der Umfrage unter den Vereinen habe sich in der Standortanalyse unter anderem ja der Platzbedarf ergeben. Und über Interimslösungen während der Bauphase werde mit einzelnen Vereinen bereits gesprochen, so Hans-Georg Burr, der Leiter des Amts für Soziales.