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Von unserer Mitarbeiterin Rebekka Groß · 14.02.2018

Die große Chance zur Besinnung

Fasten und Verzicht: Der Alltag ist von Gewohnheiten geprägt, ohne die man auch auskommen kann

Unser Alltag ist oft von Gewohnheiten geprägt. Der bewusste Verzicht auf eine oder mehrere davon fällt daher nicht immer leicht. Sei es das ständige Verlangen etwa nach Süßigkeiten oder Nikotin, das Konsumieren von Alkohol, die Bequemlichkeit, die einen auf Fast-Food-Gerichte oder aber auch das Auto für die kurze Strecke zum Supermarkt zurückgreifen lässt, oder der Drang, ständig auf das Smartphone zu schauen, um auch ja keinen Anruf, keine Mail oder Neuigkeiten auf den Social-Media-Kanälen zu verpassen.

Die Liste der Gewohnheiten ist lang. Grund für viele, die Fastenzeit vom heutigen Aschermittwoch bis Karsamstag auf verschiedene Art und Weise zu nutzen, um aus diesen festgefahrenen Gewohnheiten auszubrechen und den Alltag neu zu gestalten.

In der christlichen Religion hat das Fasten eine lange Tradition. Sehen mittelalterliche Fastenregeln nur eine Mahlzeit am Tag vor und verbieten den Verzehr von Fleisch, Eiern, sämtlichen Milchprodukten und Alkohol, hat sich das Fasten mit der Reformation zu einem freiwilligen Verzicht entwickelt.

„Im Mittelalter war Fasten eine vorgeschriebene Buße. Die Kirchen der Reformation haben dagegen immer großen Wert auf die Freiwilligkeit des Fastens gelegt. Jeder, der will, sollte für sich überlegen, wo der Alltag ihn gleichsam ‚auffrisst‘, sodass eine Veränderung – und sei sie auch nur zeitlich begrenzt – nötig und hilfreich sein könnte“, so Pfarrerin Dr. Inken Rühle von der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Böblingen, die zurzeit auch die Vertretung des Pfarramts „Martinskirche Nord“ in Sindelfingen ausübt.

Statt „Fastenzeit“ ist in der evangelischen Kirche der Begriff „Passionszeit“ für die Wochen vor Ostern gebräuchlicher. „Indem wir als Christen uns während der Passionszeit an den Leidensweg Jesu erinnern, machen wir deutlich: Es geht nicht bloß um mich, sondern ganz entscheidend auch um meinen Nächsten, besonders wenn es diesem schlecht geht und ich vielleicht helfen kann“, so Pfarrerin Dr. Inken Rühle.

Den Anstoß für Veränderungen und ein bewussteres Leben hat auch die „7 Wochen ohne“-Fastenaktion der evangelischen Kirche als Ziel. Von anfänglich 70 Teilnehmern im Entstehungsjahr 1983 nehmen mittlerweile mehrere Millionen Menschen in Deutschland an der Fastenaktion teil. In diesem Jahr lautet das Motto „Zeig Dich! 7 Wochen ohne Kneifen“.

Durch den bewussten Verzicht etwa auf Alkohol, Nikotin, Süßigkeiten oder auch Fernsehkonsum und Internet und dem Ausbrechen aus Gewohnheiten entsteht im Alltag Platz für Veränderung und die Möglichkeit zur Entwicklung neuer Perspektiven.

„Der bewusste Verzicht kann helfen, sich auf die wichtigen Dinge im eigenen Leben zu besinnen. Fasten gemeinsam mit anderen kann Gemeinschaft fördern. Leben wir bewusster, nehmen wir uns vielleicht auch wieder mehr Zeit zum echten Gespräch: mit anderen Menschen und mit Gott“, so Pfarrerin Dr. Inken Rühle.

„Ich persönlich bemühe mich zwar darum, sehr bewusst mit meiner Zeit umzugehen. Doch das gelingt mir leider nicht immer. Manchmal braucht es einfach einen Anstoß von außen, um aus dem eigenen Trott heraus zu kommen.“