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Von unserer Redakteurin Fariba Sattler · 20.10.2015

Die Erdhebung macht weniger Tempo

Böblingen: Das Landratsamt präsentiert neue Ergebnisse der Satellitenmessung

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>Die Bohrlöcher in der Böblinger Siemensstraße sind dicht, die Erde beruhigt sich. Das zeigen die Satelliten-Messungen. 80 Millimeter ging der Boden in den letzten 20 Monaten im Norden nach oben. Seit Februar verliert die Erdhebung an Tempo. „Das ist für mich der letzte Beweis, dass die Geothermie-Bohrungen die Ursache sind“, sagt Landrat Bernhard.

Rund 200 Häuser in Böblingen haben mit den Folgen mangelhafter Geothermie-Bohrungen zu kämpfen. Der Untergrund quillt auf und drückt die Erde nach oben. Das halten die Häuser nicht aus, Wände reißen. Der Schaden liegt im zweistelligen Millionenbereich (die SZ/BZ berichtete).

Im Januar hat die Sanierungsfirma Keller Grundbau die letzten Meter Zementgemisch in die beiden Erdwärme-Bohrlöcher in der Siemensstraße in Böblingen gepumpt. Seitdem hebt sich die Erde deutlich langsamer als zuvor. Die Experten von „Airbus Defence and Space“ dokumentieren die Bodenentwicklung in Böblingen seit Februar 2014 per Satellit. 47 Mal hat der Satellit 3,7 Millionen-Messpixel im Stadtgebiet erfasst. Von Februar 2014 bis in den Januar 2015 stieg die Erdhebung linear im Gebiet um die Siemensstraße. Etwa 60 Millimeter sind es in dieser Zeitspanne. „Die Sanierung war im Februar 2015 beendet. Man sieht deutlich, wie sich die Geschwindigkeit der Erdhebung drosselt. Das ist der Beweis, dass die Erdhebung mit den Geothermie-Bohrungen zusammenhängt“, sagt Landrat Roland Bernhard. Von Februar bis September hob sich der Boden noch um rund 20 Millimeter. Pro Monat stieg das Erdniveau zuvor um bis zu fünf Millimeter an. Jetzt sind es etwa zwei Millimeter pro Monat. „Das ist ein Abklingprozess und lässt hoffen, dass die Erde ganz zur Ruhe kommt“, sagt Bernhard.

Im Süden sind die Sanierungen noch in vollem Gange. Insgesamt geht es um 15 Bohrlöcher. Acht befinden sich im Heinrich-Heine-Weg und sind seit Juli dicht. Derzeit laufen die Arbeiten im Herdweg. Die Fachleute pumpen momentan in das zweite von drei Bohrlöchern das Zementgemisch. Das dauere noch bis zum Jahresende, so Jochen Weinbrecht vom Amt für Wasserwirtschaft. Danach folgen noch vier Bohrungen im Schliffkopfweg. „Auch im Süden verlangsamt sich die Erdhebung schon“, sagt Roland Bernhard. Die Hebungsrate liegt dort inzwischen bei zwei Millimetern pro Monat statt vorher bei drei Millimetern. Von Februar 2014 bis September 2015 ist das Bodenniveau im südlichen Gebiet insgesamt um 50 Millimeter angestiegen. Seit Anfang Mai verliert die Erdhebung auch hier an Geschwindigkeit. Im Mai 2016 sollen die Sanierungen abgeschlossen sein.

Aktuell sind beinahe zwölf Bohrlöcher saniert, insgesamt haben 26 000 Liter der Füllmasse hineingepasst. „In jeder Sonde gab es Fehlstellen“, sagt Jochen Weinbrecht. Angesichts der neuen Erkenntnisse erwartet Landrat Bernhard, „dass die Versicherungen der Bohrfirma nun zu Potte kommen“. Die Bohrfirma Gungl war nacheinander bei der Württembergischen, der American International Group (AIG) und der Allianz versichert. Ein Schiedsverfahren ist geplant.

Im September hat die Bohrfirma Gungl Insolvenz angemeldet. Das Landratsamt hat im Auftrag des Landes für die Sanierung der 17 Bohrlöcher insgesamt rund fünf Millionen Euro vorgestreckt. „Wir sind mit dem Umweltministerium im Gespräch. Wir wollen mit unseren Forderungen gegen die Bohrfirma im Insolvenzverfahren nicht in Konkurrenz zu den Forderungen der Geschädigten geraten. Das Land hat hier eine Verpflichtung zurückzustehen. Das wäre ein starkes politisches Zeichen“, sagt Landrat Bernhard. (Mehr zum Thema folgt in der Mittwochausgabe).

Das Schaubild ist eine stark vereinfachte Darstellung der Ergebnisse der Satelliten-Messungen im nördlichen Hebungsgebiet in Böblingen. Erst steigt das Bodenniveau geradlinig an. Zum Ende der Sanierung verliert die Erdhebung an Fahrt. Grafik: Erbele