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Von unserem Redaktionsmitglied Daniel Bilaniuk · 13.01.2018

Die Bezirksnotare sind jetzt Freiberufler

Sindelfingen: Im Zuge der Notariatsreform arbeiten Notare seit dem 1. Januar selbstständig / Sandra Waiblinger und Christoph Hey’l haben ihr Büro jetzt in der Wettbachstraße

Der Weg zum Notar führte in Sindelfingen viele Jahre lang ins Bezirksnotariat in der Vaihinger Straße 11. Das Haus wurde wegen seiner früheren lila Farbe auch Milka-Haus genannt. Jetzt werden die notariellen Verträge in der Wettbachstraße im Calwer Carrée abgeschlossen. Nach der Notariatsreform arbeiten Sandra Waiblinger und Christoph Hey’l künftig als freiberufliche Notare.

Die Inneneinrichtung im dritten Obergeschoss im Kaufland-Gebäude in der Sindelfinger Wettbachstraße ist brandneu. Wo früher eine EDV-Firma ihre Büros hatte, empfangen seit dem 2. Januar die Notare Sandra Waiblinger und Christoph Hey’l ihre Kunden. „Am 29. Dezember hatten wir hier alles fertig, das war am Ende schon ein bisschen stressig“, sagt Sandra Waiblinger.

Notwendig wurde der Ortswechsel vom Bezirksnotariat in der Vaihinger Straße in die Räume in der Wettbachstraße durch die von der Landesregierung groß angelegte Notariatsreform. Dabei wurden alle 300 staatlichen Bezirksnotariate in Baden-Württemberg zum Jahresende aufgelöst. Die Beurkundung von Kaufverträgen oder Testamenten wird seit dem 1. Januar 2018 ausschließlich von freiberuflich tätigen Notaren vorgenommen. Damit passt man sich im Land an die anderen Bundesländer an, wo notarielle Aufgaben bereits von selbstständigen Notaren vorgenommen werden.

Die Bezirksnotare und Notarvertreter konnten sich im Zuge der Reform auf freiberufliche Notarstellen bewerben und wurden nach erfolgreicher Bewerbung auf ihren Antrag hin zum 31. Dezember 2017 aus dem Landesdienst entlassen, um in den Status des selbstständigen Notars zu wechseln.

Notaren, die sich entschieden hatten, im Landesdienst zu bleiben, wurde eine neue Aufgabe angeboten. Sie werden künftig als Beamte an Amtsgerichten beschäftigt und sind dort als Nachlass- und Betreuungsrichter sowie als Grundbuchbeamte tätig. Einige ältere Notare gingen in Pension.

In Sindelfingen gibt es seit dem 1. Januar statt bisher sechs mit Sandra Waiblinger und Christoph Hey’l nur noch zwei Notare. „Von den etwa 900 staatlichen Notaren gibt es im Land jetzt noch rund 250 Freiberufler an knapp 140 Standorten“, sagt Christoph Hey’l. Aufgegangen ist die Zahl der angebotenen Stellen und die der Bewerber ziemlich genau. „Jeder, der freiberuflicher Notar werden wollte, hat eine Stelle bekommen. Allerdings nicht immer an seinem Wunschort“, so Christoph Hey’l, der gemeinsam mit seiner Kollegin Sandra Waiblinger in den neuen Büroräumen acht Mitarbeiter beschäftigt. „Für mich und Frau Waiblinger war klar, dass wir uns für eine freiberufliche Stelle bewerben. Das Notargeschäft macht großen Spaß“, sagt Christoph Hey’l.

Für die Kunden der Notare ändert sich nach der Reform in vielen Bereichen nichts. „Die Gebühren für die verschiedenen Notardienste bleiben gleich“, sagt Sandra Waiblinger. Auch auf laufende Vorgänge hat die Reform keinen Einfluss. „Die Anliegen, die bisher von uns betreut wurden, bearbeiten wir nahtlos weiter. Zu uns kann jeder kommen, egal ob er in Sindelfingen oder woanders wohnt. Man hat da keinen Ortszwang“, sagt die Notarin.

Für Nachlass-, Betreuungs- und Grundbuchangelegenheiten sind jetzt allerdings nicht mehr die Notare, sondern das Böblinger Amtsgericht zuständig. „Es ist schade, dass wir den Kunden hier nicht mehr helfen können. Da war das Bezirksnotariat eine gute Sache. Man ist hierher gekommen und konnte alles erledigen“, sagt Sandra Waiblinger. Die beiden Notare versuchen daher, für die Kunden weiter eine Schnittstelle zu anderen Behörden zu sein.

Die 800 Quadratmeter großen Räumlichkeiten in der Wettbachstraße hatten Sandra Waiblinger und Christoph Hey’l schon seit Frühjahr 2016 im Blick gehabt. „Hier haben wir genug Platz, um nach und nach mehr Mitarbeiter einstellen zu können“, sagt Sandra Waiblinger.

Froh, dass es im neuen Umfeld jetzt richtig losgehen kann, sind die beiden Notare vor allem deshalb, weil die letzten Wochen voller Stress waren. „Wir haben an drei Fronten gekämpft. Wir hatten an unserem alten Standort in der Vaihinger Straße einiges abzuwickeln, um eine saubere Übergabe machen zu können, und wir mussten in den neuen Räumen regelmäßig schauen, dass die Umbauarbeiten planmäßig verlaufen und dass wir Ende Dezember rechtzeitig fertig sind. Außerdem mussten wir in dieser Phase darauf achten, dass wir für unsere Kunden wie gewohnt erreichbar sind“, sagt Sandra Waiblinger. „14-Stunden-Tage oder die eine oder andere Wochenend-Schicht waren da nichts Ungewöhnliches“, ergänzt Christoph Hey’l.

Daniel Bilaniuk hat von der geplanten Notariatsreform schon vor einigen Jahren gehört. In seiner Familie gibt es eine Notarin.

Info

In Böblingen sind die Notare Thorsten Neubert und Thomas Veil aus dem Bezirksnotariat in der Unterstadt aufs Flugfeld in die Konrad-Zuse-Straße 12 gezogen. Weitere Informationen zur Notariatsreform findet man im Internet auf der Seite www.notariatsreform.de.

Seit Anfang des Jahres beraten die jetzt freiberuflichen Notare Sandra Waiblinger und Christoph Hey’l die Kunden in neuen Büroräumen im Calwer Carrée an der Wettbachstraße. Das Bezirksnotariat im ehemaligen sogenannten Milka-Haus gegenüber dem Rathaus (Bild rechts) wurde nach der Notariatsreform aufgelöst. Bilder: Bilaniuk