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Von unserem Redakteur Hansjörg Jung · 23.11.2017

Die BBG kauft das Citycenter

Böblingen: Die Böblinger Baugesellschaft will spätestens in zweieinhalb Jahren das leer stehende Einkaufszentrum abreißen / Bis zu 400 neue Wohnungen in der Unterstadt

„Wir haben eine relativ interessante Meldung“ – so eröffnete Böblingens OB Wolfgang Lützner eine gemeinsame Pressekonferenz mit der Böblinger Baugesellschaft (BBG). Das war relativ untertrieben. Die Baugesellschaft hat einen Kaufvertrag für das Citycenter unterzeichnet.

„Über die Details des Vertrags haben wir mit den Eigentümern Stillschweigen vereinbart“, sagt BBG-Geschäftsführer Rainer Ganske. Nur so viel: Bis spätestens 31. Juli 2020 muss der letzte Mieter ausgezogen sein. Denn die BBG übernimmt das aus der Mode gekommene Einkaufszentrum nur ohne Mieter. Bei der Übernahme dürfte dann auch eine letzte Rate des Kaufpreises fällig werden. Doch wie gesagt: Über Details zum Preis und den Zahlungsmodalitäten schweigen die Vertragspartner.

Doch Rainer Ganske legt Wert darauf, dass der Juli-Termin in gut zweieinhalb Jahren Ultimo für die Spielothek, die letzte Mieterin im Citycenter, ist. Er geht davon aus, dass die holländische Fondsgesellschaft, der das Haus gehört, großes Interesse daran haben wird, das ehemalige Einkaufszentrum früher zu räumen. Denn auch ein Leerstand kostet Geld.

Sobald die BBG über den Gebäudekomplex verfügen kann, soll mit dem Abbruch begonnen werden. Ein schwieriges Unterfangen, denn die Betonburg muss zwischen Kreissparkasse und der Ara-Passage der Württembergischen Lebensversicherung herausgetrennt werden, dazu geht es mit der maroden Tiefgarage tief in den feuchten Untergrund. Deshalb rechnet der BBG-Geschäftsführer mit einer Abbruchdauer von drei bis sechs Monaten. Derzeit sitzen die Projektentwickler der BBG schon an der Planung des Abbruchs, anschließend folgen vertiefende Überlegungen zum Neubau. Das Ziel: Wohnraum und Gewerbeflächen mit rund 20 000 Quadratmetern Wohn- und Nutzfläche zu schaffen.

„Das ist ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung der Unterstadt“, sagt Böblingen OB Wolfgang Lützner. Sichtbar erleichtert, dass das alte Citycenter als Klotz am Bein der Stadtentwicklung, in absehbarer Zeit Vergangenheit sein wird. Schließlich sei das sichtbar sanierungsbedürftige Gebäude an der Wolfgang-Brumme-Allee alles andere als ein wünschenswertes Aushängeschild Böblingens am Stadteingang.

So vollzieht die Böblinger Baugesellschaft den Schritt zum Projektentwickler, der sich mehr um städtebauliche Aufgaben kümmert, anstatt um Einzelprojekte. Diesen Umbau der städtischen Tochter hatte Geschäftsführer Rainer Ganske schon vor geraumer Zeit angekündigt und mit neuen Mitarbeitern die dazu notwendige Expertise ins Haus geholt. Bei dieser Ausrichtung bleibt wenig Platz für gewerbliche Immobilien, von denen sich die BBG trennen will. Nicht zuletzt auch, um die Kapitaldecke für die neuen und größeren Projekte aufzupolstern.

Doch neue Wohnungen und Geschäftsräume anstelle des Citycenters sind nicht die einzigen Punkte auf der Agenda der BBG in der Böblinger Unterstadt. Mit dem Seecarré und dem ehemaligen Postamt gegenüber dem Bahnhof hat die Baugesellschaft weitere Eisen im Feuer. Dies soll vor allem dem Bau von günstigen Wohnungen zugutekommen. So sprach Rainer Ganske von 300 bis 400 Wohnungen, die in diesem Zuge zwischen Herrnberger Straße, Talstraße und Wolfgang-Brumme-Allee gebaut werden können. „Damit werden wir der Stadt Stuttgart davonziehen“, sagt Wolfgang Lützner mit Genugtuung, nachdem zuletzt von seinem Amtskollegen Fritz Kuhn kritische Worte aus der Landeshauptstadt gekommen waren, die Städte und Gemeinden im Umland täten zu wenig für den Wohnungsbau.

Am weitesten gediehen sind die Pläne der BBG für das Seecarré. Neben Büro- und Gewerbeflächen sollen hier rund 100 bis 120 Wohnungen gebaut werden sowohl kostengünstige Mietwohnungen – gefördert und freifinanzierte, als auch Eigentumswohnungen. Derzeit ist die BBG in der Abstimmungsphase mit der städtischen Bauverwaltung, um die Planungen reif für ein Baugesuch zu entwickeln.

Größeres haben OB Wolfgang Lützner und die BBG mit dem ehemaligen Hauptpostamt vor – dort läuft der Mietvertrag allerdings erst im Juni 2023 aus. Genügend zeit also, um Pläne zu schmieden, was der Neubau außer Wohnungen – günstige Mietwohnung sind auch hier gesetzt – und Gewerbeflächen bieten soll. Dem Projekt hat der OB schon mal die Überschrift „Stadthaus für Bürger und Kultur“ gegeben. Dazu will er noch in diesem Jahr eine „Zukunftswerkstatt“ ins Leben rufen. Darin sollen sich Verwaltung, Gemeinderat und Bürger über Bedürfnisse und die Chancen, die ein solches Stadthaus bieten kann, Gedanken machen. Wolfgang Lützner hat schon ein paar Ideen. Nachdem die Musikschule in absehbarer Zeit ein neues Quartier brauchen könnte, wäre der Standort gegenüber des Bahnhofs nicht schlecht. Hier wäre die Schule gut angebunden, zumal ab 2019 der 15-Minuten-Takt gilt. Im obersten Stock könnte die städtische Galerie einen für Böblingen „angemessenen“ Platz finden – will heißen: nicht zu groß und nicht zu opulent in der Ausstattung. Außerdem sieht der OB hier auch die Chance, der Raumnot im Rathaus zu begegnen und hier im Erdgeschoss ein Bürgerbüro oder auch einen i-Punkt zu schaffen.

SZ/BZ-Redakteur Hansjörg Jung verfolgt die Entwicklung in der Böblinger Unterstadt schon seit 30 Jahren. Zum Verkauf des Citycenters sagt er dennoch: „Für mich ist das die Überraschung des Monats.“

Die Wohnungsbau-Offensive der Böblinger Baugesellschaft: Im Seecarré, im ehemaligen Hauptpostamt und auf dem Gelände des City-Centers sollen bis zu 400 Wohnungen gebaut werden. Bilder: z/Montage: Erbele