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Von unserer Mitarbeiterin Thekla Dörler · 14.09.2018

Die Amazone nimmt die Hand vom Gas

Das Sportgespräch: Alte Verletzungen und Brüche lassen die 25-jährige Gechingerin Carolin Fitus vom Motocross-Sport zurücktreten – aber sie geht nicht so ganz

Mit Bildern wie diesen und starken Leistungen auf der Cross-Strecke wurde die Gechingerin Carolin Fitus zu einem prägenden Gesicht der Motocross-Szene. Bild: z

Erst Stabhochsprung, dann Motocross, und wenn beides nicht mehr geht, dann eben Klettern, Radfahren oder Modeln. Die Gechingerin Carolin Fitus ist – was den Leistungssport angeht – ein bisschen vom Pech verfolgt. Da man sich nach fünf Jahren Motocross aber mit dem Hinfallen und wieder Aufstehen bestens auskennt, spricht sie im Interview ganz offen über sportliche Enttäuschungen und Trennungsschmerz und bleibt dabei auch noch erfrischend optimistisch.

Die SZ/BZ hat sich mit der 25-Jährigen unterhalten.

Wann wurde es eigentlich Ernst mit dem Sport?

Carolin Fitus: „Angefangen habe ich als Kind mit Leichtathletik und bin dann mit 15 zum Stabhochsprung gekommen. Das habe ich mehrere Jahre als Leistungssport betrieben, war im Landeskader nominiert, habe sechs Mal die Woche trainiert und mein ganzes Leben danach ausgerichtet. Dann habe ich mich im Training am Rücken verletzt und das nie wirklich in den Griff bekommen. Nach zwei Jahren, in denen ich immer Schmerzen hatte, habe ich es dann irgendwann schweren Herzens aufgegeben.“

Wie kamst du zum Motocross?

Carolin Fitus: „Das war eher Zufall. Als ich 19 war, hat mich mein Bruder zum Endurofahren nach Belgien mitgenommen – ein Freund von ihm war spontan abgesprungen. Da ich mit 16 schon einen 125er-Führerschein gemacht hatte, konnte ich Motorrad fahren. Aber ‚Off Road‘ war ich bis dahin noch nie unterwegs. Es hat mir gleich total viel Spaß gemacht und auch sehr gut geklappt, also hab ich beschlossen, mir auch eine Enduro zu kaufen. Kurz darauf, im Juli 2013, hat mich mein damaliger Freund zum ersten Mal mit auf eine Motocross-Strecke genommen. Zwei Monate später bin ich mein erstes Rennen gefahren. Ich fand es toll, dass ich etwas gefunden hatte, wo ich wieder mein ganzes Herzblut reinstecken konnte.“

Was gefällt dir an der Motocross-Szene?

Carolin Fitus: „Bei Randsportarten steckt einfach immer besonders viel Leidenschaft dahinter. Jeder in der Szene nimmt viel auf sich, allein an Zeit und Geld. Oft sind da ganze Familien unterwegs und die Kinder wachsen da schon von klein auf rein. Man trifft auf den Veranstaltungen immer die gleichen Leute, jeder kennt jeden und man wird selbst untereinander zu einer Art Familie. Das kann man nur nachvollziehen, wenn man’s selber mal erlebt hat.“

Die letzten fünf Jahre waren also eine gute Zeit?

Carolin Fitus: „Ja, auf jeden Fall. Auch wenn sie nicht immer einfach waren.“

Was waren die Schwierigkeiten?

Carolin Fitus: „Vor allem die Verletzungen. 2015 habe ich mir die Hand geprellt und konnte die Saison nicht zu Ende fahren, 2016 habe ich mir drei Tage vor dem ersten Rennen die Elle gebrochen, da war die Saison vorbei, bevor sie angefangen hat, letztes Jahr im Sommer war es wieder die Hand. Das ist alles noch vergleichsweise harmlos, aber ich muss ja auch nebenher noch irgendwie mein Geld verdienen. Und die Stürze haben sich bei mir dann irgendwann schon summiert.“

Das Risiko fährt also immer mit?

Carolin Fitus: „Ich bin halt ziemlich schnell schnell geworden. Mit meinem Trainer Marco Dorsch habe ich zwar viel gearbeitet und hatte auch eine wirklich gute Technik, aber die Erfahrung, die andere von klein auf haben, die holt man nicht so leicht auf. Außerdem passieren auch Sachen, für die man wirklich nichts kann – einmal lag zum Beispiel ein Motorrad da, vor meiner Landung. Da weißt du dann schon in der Luft ‚Jetzt tut’s gleich richtig weh‘. Aber das gehört dazu. Jeder, der diesen Sport ausübt, weiß, dass Unfälle – auch schlimme Unfälle – passieren können, und nimmt das irgendwie in Kauf.“

Als würde sich mein Körper gegen den Leistungssport wehren

Die Stürze waren also nicht der alleinige Grund, weshalb du im Sommer beschlossen hast, den professionellen Motocross an den Nagel zu hängen?

Carolin Fitus: „Ja, zu den Verletzungen kam mein altes Rückenleiden und dann auch noch Hüftprobleme. Im April bin ich noch beim Ladys Cup gefahren, musste dann aber aufhören, weil ich solche Schmerzen hatte. Ich habe eine Spritze gegen die Entzündung bekommen, aber das Problem besteht nach wie vor. Es ist im Prinzip so, als würde sich mein Körper gegen Leistungssport wehren. So viel Leidenschaft auch dahintersteckt – wenn man ständig verletzt ist, nie das Ergebnis holt, das man sich wünscht und sich immer entschuldigt dafür, wie’s gelaufen ist, dann ist das irgendwann nur noch ermüdend und frustrierend. Also habe ich Ende Juni meinem Sponsor das Motorrad zurückgebracht und verkaufe jetzt noch das letzte Zubehör.“

Wie fühlt sich das an, wenn man zum zweiten Mal die große Leidenschaft hinter sich lassen muss?

Carolin Fitus: „Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Es ist schon ein heftiger Trennungsschmerz. Auf der anderen Seite sehe ich aber auch, was ich dadurch gewinne. Letztes Jahr steckte ich mitten im Dualen Studium, bin jeden Freitag durch ganz Deutschland gefahren und habe das ganze Wochenende auf der Strecke verbracht. Sonntags kam ich erst mitten in der Nacht zurück nach Hause, um am Montag wieder in der Uni oder bei der Arbeit zu sitzen. Dann muss man noch das Motorrad pflegen und reparieren und zwischendurch trainieren – da bleibt wenig Zeit für anderes. Seine Freunde findet man im Sport selbst und auch ich habe natürlich viele, ganz tolle Leute kennengelernt. Das bleibt ja zum Glück auch.“

Wie waren die Reaktionen?

Carolin Fitus: „Überwiegend positiv. Meine Sponsoren haben mich ohnehin immer sehr unterstützt und es war mir niemand böse. Auch aus der Szene habe ich viel Unterstützung und sehr viele liebe Worte und positives Feedback bekommen. Dafür möchte ich mich auch noch mal herzlich bedanken, das war schon teilweise sehr rührend. Man ist sich ja manchmal gar nicht bewusst, wie genau die Leute hinschauen und was man bei einigen Menschen auslöst. Die Resonanz – auch auf Instagram und Facebook – war schon toll. Und von den vielen Kontakten, die ich durch den Sport in den letzten Jahren knüpfen konnte, profitiere ich auch heute noch.“

Das heißt, du wirst der Szene weiterhin treu bleiben?

Carolin Fitus: „Viele haben mir schon prophezeit, dass man von der Leidenschaft Motocross nie so ganz loskommt. Mal sehen, wie das bei mir wird. Es stehen in nächster Zeit schon noch ein paar Dinge an, die mit dem Motorsport zu tun haben. Da ich Mitglied in der KFV Kalteneck bin, werde ich zum Beispiel nächste Woche bei den ADAC MX Masters in Holzgerlingen dabei sein und dort bei der Organisation helfen. Außerdem habe ich ein Fotoshooting für den Louis-Bekleidungskatalog, das ist auch ziemlich cool.“

Was hast du sonst für Pläne?

Carolin Fitus: „Ehrlich gesagt, genieße ich es jetzt erst mal, keine konkreten Pläne zu haben. Ich treffe mich oft mit Freunden, fahre viel Fahrrad, gehe Bouldern oder Beachvolleyball spielen. Und wenn ich abends mal ein Bier trinken oder einfach mal gar nichts tun möchte, dann mach ich das. So doof das klingt, aber wenn man das nie kannte, weiß man das plötzlich sehr zu schätzen. Nach wie vor bin ich aber auch viel unterwegs, durch meinen Job und weil es mir einfach Spaß macht.“

Facebook und Instagram

Wer Carolin Fitus virtuell begleiten möchte, kann das auf Facebook und Instagram jeweils unter fitus137 tun.