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Von Marc Schieferecke · 19.02.2020

Der Täter trug Stahlhelm

Böblingen/Stuttgart: Angeklagter fühlt sich von Spionen verfolgt – und verletzt zwei Polizisten teils schwer

Bild: SDMG/Dettenmeyer

Womöglich war der Auslöser schlicht ein Irrtum. Am Polizeinotruf waren mehrere Meldungen eingegangen, eine über laute Musik, Ruhestörung, eine über einen Mann, der vor dem Haus brüllte. Dessen Schwester hatte sich mehrfach gemeldet, nicht, um die Polizei zu rufen, sondern um zu warnen. Ihr Bruder wüte, er sei leicht schizophren, sie werde womöglich erneut anrufen müssen. Nebenan feierten die Gäste einer Gartenparty, bei lauter Musik.

Es war der 4. Juli 2019, ein Donnerstag. Kurz vor Mitternacht fuhr eine Streife los. Eine 28-jährige Polizistin und ihr  Kollege, 21 Jahre jung, noch in der Ausbildung, sollten sich um beide Fälle kümmern. Sie klingelten, eine ältere Frau öffnete. Die Polizistin sagte, sie seien wegen der Ruhestörung hier.  Sekunden später steckte ein Messer in ihrem Hals. Zugestochen hatte der 24-jährige Sohn der Frau. Er trug eine schusssichere Weste und einen Stahlhelm, war offenkundig im Wahn und stach immer wieder zu. Die Polizisten schossen. Im Gemenge traf der 21-Jährige seine Kollegin und sie sich sogar selbst ins Bein. Der Angeklagte wurde ebenfalls mit mehreren Schüssen lebensgefährlich verletzt.

 

Der 24-Jährige ist vor dem Landgericht Stuttgart angeklagt. Er hat  gestanden, aber strafrechtlich wird er nicht zu belangen sein. Auch  Staatsanwalt Peter Kraft geht davon aus, dass der Angeklagte die Tat in einem schizophrenen Wahn begangen hat. Er hält den Mann  für schuldunfähig, aber für gemeingefährlich. Kommt das Gericht  zum gleichen Schluss, wird das Urteil eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie sein. Seit der Tatnacht ist der Angeklagte bereits in Therapie.

 

 

Der komplette Artikel steht am Donnerstag in der SZ/BZ und auf www.szbz.de