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Von unserem Redakteur Jürgen Wegner · 14.02.2014

Der Schock sitzt noch immer tief

Maichingen: Am Tag nach dem zweiten Überfall auf die Esso-Tankstelle innerhalb von 74 Stunden liegen die Nerven blank

Nicht helfen wird dabei die in der Tankstelle installierte Video-Anlage. Diese war beim zweiten Überfall am Mittwochnachmittag noch nicht in Betrieb. Die Polizei hatte eben erst die Bilder von Sonntag auf ihre Rechner gezogen. Die Kamera war zwar wieder vor Ort, lief aber noch nicht.

Das zeigt, in welcher Ausnahmesituation sich der Tankwart befand. Zwar hatte am Sonntag eine Kollegin an der Kasse gesessen, trotzdem hing auch ihm bereits der erste Überfall in den Kleidern: Um 14.51 Uhr bedrohte ein Mann die 63-jährige Angestellte mit einem Messer. Die Frau öffnete die Kasse. Weil das dem Tankstellenräuber zu lange dauerte, griff er selbst zu, verstaute mehrere Hundert Euro Beute in einer schwarzen Tasche und rannte Richtung Bahnunterführung. Hier verliert sich die Spur. Die Kleidung: dunkelblaue Jacke mit hellblauen Applikationen im vorderen Schulterbereich, blaue Jeans und beigefarbene Wollmütze.

Dass fast auf die Minute genau 74 Stunden später dieselbe Tankstelle erneut überfallen wurde, setzt Tobias Keller mächtig zu: „Ich bin seit anderthalb Jahren selbstständig, arbeite mit Unterbrechungen seit zwölf Jahren in diesem Geschäft. In all den Jahren habe ich keinen einzigen Überfall erlebt.“ Dieses Mal saß ein anderer Mitarbeiter an der Kasse, als um 16.51 Uhr ein Mann mit grauer Lederjacke, schwarzem Motorradhelm, dunkler Sonnenbrille und Strickhandschuhen den Verkaufsraum stürmte. Mit der Pistole in der Hand schrie er „Geld her“, kassierte ab, rannte aus dem Kassenraum, sprang auf seinen Motorroller und entkam in Richtung Sindelfingen.

Minuten später war der Polizeihubschrauber in der Luft. Dazu hefteten sich 15 Streifenwagen an die Fersen des Räubers. Bei der Kontrolle von verdächtigen Personen soll es dabei zum Teil auch ruppig zugegangen sein. Auf der Facebookseite der SZ/BZ berichten Augenzeugen, dass sie den Fahrer eines Motorrollers bei einer Kontrolle auf dem Boden liegen sahen. Polizeisprecher Peter Widenhorn: „Wenn eine Schusswaffe im Spiel ist, kann es nicht immer die ganz sanfte Tour sein.“

Bedrohlich. Dieses Wort beschreibt nur unzulänglich die Situation, der die Angestellten ausgesetzt waren. Deshalb war es keine Frage, dass sich der Pächter am Donnerstag erst einmal selbst an die Kasse setzte: „Auch wenn die beiden heute sowieso frei gehabt hätten, wollte ich ihnen das ersparen“, sagt Peter Keller. Dabei war es auch für ihn gestern kein Tag wie jeder andere: „Ich schaue mir jetzt jeden Einzelnen, der den Raum betritt, ganz genau an.“ Am Mittwochabend habe der 29-Jährige sogar mit dem Gedanken gespielt, die Tankstelle vorübergehend zu schließen: „Die Sache geht an unseren Nerven.“

Die Fahndung läuft derweil weiter. Ob es sich um einen oder zwei verschiedene Täter handelt, ist völlig offen. „Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass es zwei verschiedene Masken gab“, sagt Tobias Keller. Auch die Polizei hat noch „keinerlei Zusammenhänge entdeckt“, so Peter Widenhorn. Auch nicht bei den Personenbeschreibungen. Der Täter von Sonntag soll etwa 25 bis 30 Jahre alt, zwischen 1,75 und 1,80 Meter groß und kräftig sein, einen hellen Teint und blaue Augen haben. Zu Statur und Aussehen des Täters von Mittwoch beschränken sich die Angaben auf „etwa 1,80 Meter groß“. Weitere Details gibt es dagegen zum Motorroller aus dem zweiten Fall. Bei diesem soll das Frontschild außen rot und innen weiß lackiert sein. Es könnte sich um einen Roller der Marke Peugeot handeln.

Die Kriminalpolizei bittet unter der Telefonnummer 0 70 31 / 13 00 um Hinweise.

Die Esso-Tankstelle in der Danziger Straße in Maichingen. Bild: Wegner