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Von unserem Mitarbeiter Peter Maier · 12.01.2018

Der Pleitegeier kreist seltener

Kreis Böblingen: 2016 gab es kreisweit 53 Unternehmenspleiten / Vor allem jüngere Firmen sind betroffen

In Baden-Württemberg gab es weniger Unternehmenspleiten, im Kreis Böblingen auch: Hier notierten die Gerichte im Jahr 2016 insgesamt 53 Insolvenzanträge. Ein Jahr zuvor waren es noch 58 gewesen.

Die schlechte Nachricht für die Gläubiger: Gegen die Unternehmen, die ihre Zahlungsunfähigkeit feststellen lassen wollten, bestanden Forderungen von 8,941 Millionen Euro. Geld, das wohl größtenteils verloren ist. Im sechsten Jahr in Folge ging deutschlandweit die Zahl der Firmeninsolvenzen zurück.

Rund 21 500 Firmenpleiten registrierte das Statistische Bundesamt im Jahr 2016 – so wenige wie noch nie seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999. Allerdings schlitterten zuletzt wieder mehr größere Firmen in die Zahlungsunfähigkeit, sodass der finanzielle Schaden höher ausfiel. Die Amtsgerichte bezifferten die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger auf rund 27,4 Milliarden Euro (2015: 17,5 Milliarden Euro).

Mehr als jeder zweite Insolvenzfall betraf junge Unternehmen (bis zehn Jahre), stellte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform fest. Doch auch etablierte Unternehmen, die 20 Jahre und älter sind, müssen sich vorsehen: Ihr Anteil unter den registrierten Insolvenzfällen kletterte zuletzt auf rund ein Sechstel. In Baden-Württemberg ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zuletzt um 197 gesunken. So meldeten hier landesweit 1672 Unternehmen und Unternehmer Insolvenz an. Bei 550 davon klappten die Insolvenzrichter den Aktendeckel aber rasch wieder zu: Diese Verfahren wurden mangels Masse abgewiesen.

Im Kreis Böblingen betraf das übrigens 12 Unternehmen. „Mangels Masse“ heißt es im Amtsdeutsch, wenn nicht genug Geld da ist, um die voraussichtlichen Kosten des Verfahrens zu bezahlen, denn die Insolvenzrichter und Insolvenzverwalter arbeiten nicht zum Nulltarif. Bei 41 Unternehmen im Kreis Böblingen wurde das Verfahren schließlich eingeleitet, es kam also zur „geordneten Insolvenz“.

Überprüft wird in diesem Verfahren im Wesentlichen, ob „Zahlungsunfähigkeit“ und/oder „Überschuldung“ vorliegt. Gemäß § 17, Abs.2 der Insolvenzordnung ist der Schuldner zahlungsunfähig, wenn er nicht in der Lage ist, seine fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen. Und nach § 19 Abs.2 InsO liegt Überschuldung vor, wenn das Vermögen des Schuldners die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt.

Dabei spielt immer auch eine Rolle, wie groß der Schaden für die Gläubiger ist, denn häufig kommt es durch hohe Insolvenzschäden zu Folgepleiten. Landesweit geht es bei den Verbindlichkeiten der betroffenen Firmen um rund 1,22 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,34 Milliarden Euro). Die hiesigen Insolvenzen sind daran mit 8,941 Millionen Euro (Vorjahr: 20,811 Millionen Euro) beteiligt. Das sind also im Vergleich 11,870 Millionen Euro weniger Forderungen als im Vorjahr, was für die Wirtschaft bereits als gute Nachricht zählt.

Neben den Existenzen von Unternehmen und Unternehmern und den Verlusten für die Gläubiger geht es aber nicht zuletzt auch um Arbeitsplätze und Existenzen von Beschäftigten. Im Kreis Böblingen waren 2016 insgesamt 223 Arbeitsplätze von Insolvenzverfahren betroffen, 136 mehr als im Jahr davor. Landesweit betraf es 9908 Beschäftigte (Vorjahr: 12 827).

Pleiten und Arbeitsplatzverluste im Kreis Böblingen. Bild: z