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Von unserem Redakteur Daniel Krauter · 16.04.2018

Der Landrat ist der böse Bube

Magstadt: Roland Bernhard und Renningen bekommen beim SZ/BZ-Stammtisch ihr Fett weg / Kontroverse Diskussion über Verkehrssituation

  • Volles Haus beim SZ/BZ-Stammtisch am Freitagabend im Gasthaus Sonne in Magstadt. Bild: Krauter

Über den Lückenschluss B 295/464 herrschte beim SZ/BZ-Stammtisch Konsens, bei der Ihinger- und der Hölzertalstraße gingen die Meinungen auseinander. 30 Magstadter diskutierten mit Redakteur Karlheinz Reichert in der Gaststätte Sonne.

Seit einem Treffen im Verkehrsministerium Anfang Februar ist klar, dass der Bau des Lückenschlusses B 295/464 erst beginnen kann, wenn der sechsstreifige Ausbau der A 81 zwischen Böblingen-Hulb und dem Kreuz Stuttgart abgeschlossen ist. Vor 2026 ist also nicht mit einem Baubeginn zu rechnen. „In diesen sauren Apfel müssen wir leider beißen. Da sind uns die Hände gebunden“, sagte die CDU-Fraktionsvorsitzende Claudia Fleischmann.

Darüber ist auch die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Brigitte Armbruster, nicht glücklich: „Acht bis zehn weitere Jahre ohne Lückenschluss sind eine Zumutung. Während des A 81-Ausbaus bekommen wir in Magstadt Umleitungsverkehr ohne Ende.“ Wegen Personalengpässen beim Regierungspräsidium dauert es viel zu lange, die Planungen voranzutreiben. Zu früheren Planungszeiträumen habe man auch die Verkehrslage unterschätzt, warf Magstadts Bürgermeister Florian Glock in die Runde.

„Zäh wie Kaugummi“

Gerhard Wolbold befasst sich schon lange mit dem Thema: „Ich habe bereits 1997 die ersten Pläne zum Lückenschluss gesehen. Momentan befindet man sich immer noch im Status der Vorausplanungen. Es ist wirklich nicht zu glauben, wie lange diese Thematik dauert.“ Dass sich der Bau des Lückenschlusses wie Kaugummi hinziehe, liege auch an den Renninger Interessen.

„Dort wird das Thema ausgesessen. Mit dieser Kirchturmpolitik kommt man nicht weiter“, sagte Rudolf Franko. „Wir würden uns da schon mehr Zusammenarbeit wünschen. Das ist mit den Renningern leider nicht möglich“, so der SPD-Fraktionsvorsitzende. „Die Planungen ziehen sich so lange hin, weil sich die Beteiligten nicht einig sind und es zu viele verschiedene Interessen gibt“, sagte Gabriele Vorreiter (SPD).

Dieter Beuter ist der Meinung, dass es nichts bringe, auf die anderen zu schimpfen, wenn man im Magstadter Gemeinderat nicht mit einer Stimme spreche. Der Vorsitzende von Lebens-Wertes Magstadt stellte ebenso wie Moderator Karlheinz Reichert die Möglichkeit eines interfraktionellen Antrags des Gemeinderats in den Raum, um die Planungen voranzutreiben.

Diese Option wurde von den anwesenden Gemeinderatsmitgliedern positiv gesehen. „Mir ist es ein Dorn im Auge, wenn immer behauptet wird, dass wir im Gemeinderat nur streiten würden. Bei 90 Prozent der Beschlüsse herrscht Einstimmigkeit“, so Andrea Garschke, Fraktionsvorsitzende der Freien Liste Magstadt.

Am meisten Sinn mache es, wenn sich alle Parteien, also Magstadt, Renningen, Leonberg, Landkreis, Regierungspräsidium und das Land an einen Tisch setzen würden, um über den Sachverhalt zu diskutieren, schlug Claudia Fleischmann vor. Brigitte Armbruster und Gabriele Vorreiter entgegneten, dass es bereits Gespräche zwischen den verschiedenen Interessensgruppen gegeben habe und man weiter im Austausch sei.

Ein weiterer Zankapfel ist die Kreisstraße 1006 – Ihinger Straße. Dort ist aus Sicht vieler Magstadter Landrat Roland Bernhard der böse Bube. Angesichts der Tatsache, dass der Lückenschluss bei Renningen in naher Zukunft nicht realisiert werde, sehe er die Notwendigkeit, so wenig Einschnitte wie möglich im bestehenden Straßennetz vorzunehmen, erklärte Roland Bernhard im Kreistagsausschuss. Deshalb solle die Straße von Magstadt zum Ihinger Hof und weiter Richtung Weil der Stadt nicht zurückgebaut werden.

„Taschenspielertrick vom Landrat“

Hans-Ulrich Protzer (CDU) bezeichnete das Ja des Kreistags damals als Unverfrorenheit und steht heute noch zu seiner Meinung. „Das war ein Taschenspielertrick vom Landrat auf Magstadter Kosten. Da braucht man sich nicht über die Politikverdrossenheit bei den Bürgern zu wundern, wenn Beschlüsse auf einmal keine Gültigkeit mehr haben. Das Vertrauen in den Landrat ist in Magstadt momentan nicht gerade groß“, sagte Rudolf Franko.

Drehen und wenden

Es könne nicht sein, dass man das Recht drehen und wenden kann wie man will, so Gabriele Vorreiter. Das Verkehrskonzept von Magstadt baue unter anderem auf der Annahme auf, dass die Ihinger Straße zu einem Wirtschaftsweg umfunktioniert wird, so Brigitte Armbruster. „Wir müssen den Verkehr bündeln und nicht über die Feldwege verteilen“, so die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler.

„Mit dem Bau neuer Straßen werden die alten nicht überflüssig. Das wissen alle weitsichtigen Verkehrslenker der Region und verzichten deshalb auf den Rückbau von alten Straßen“, machte Walter Moser (CDU) deutlich. In der heutigen Zeit, bei dem erhöhten Verkehrsaufkommen, sei es Unsinn, bestehende zurückzubauen bauen, so Hartmut Fleischmann.

Über die Sinnhaftigkeit der Osttangente herrschte beim SZ/BZ-Stammtisch Einigkeit. Die Schließung der Hölzertalstraße erregte einmal mehr die Gemüter. „Ich verstehe einfach nicht, warum man eine Straße, die die direkte Verbindung nach Stuttgart ist, schließt“, sagte Susanne Wolbold.

Für diese Aussage hatte Corinna Huber überhaupt kein Verständnis: „Denken Sie doch einmal an die Menschen, die entlang der Neuen Stuttgarter Straße wohnen. Das Problem ist nicht der Quellverkehr aus Magstadt, sondern die vielen Calwer und andere, die hier entlang fahren und die Luft verpesten.“ Für Winfried Göbel zählt das Argument mit der direkten Verbindung nicht. „Nach der Schließung wird die Strecke zwar länger, doch haben die Bürger einiges davon, weil die Verkehrsbelastung im Ort abnimmt.“ Wenn man manche so höre, dann müsste man meinen, alle Magstadter arbeiteten in Stuttgart, so Frank Schulze.

Magstadts Bürgermeister Florian Glock zog ein positives Fazit zum SZ/BZ-Stammtisch: „Es war eine angeregte Diskussion, die mir sehr gut gefallen hat. Jeder konnte seine Argumente vortragen. Trotz der kontroversen Ansichten ist alles sachlich geblieben.“