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31.12.2013

Der Landkreis versinkt im Hochwasser

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ong>Der 23. Juli war nur der Vorbote. Erst öffneten sich die Schleusen, dann war in etlichen Gemeinden im Kreis Böblingen Land unter. Wegen starker Regenfälle rückten die Feuerwehren 133 Mal aus. Sechs Tage später kam es aus den Wolken noch dicker.

23. Juli

Um 11.45 Uhr nimmt die Alarmierungswelle Fahrt auf. Erst ist nur die Neckarstraße in Oberjesingen überflutet, Minuten später stehen die Hauptstraße in Nufringen und die Stuttgarter Straße in Gärtringen unter Wasser. Hochwasser wird auch auf der Magstadter Ortsumfahrung und in der Bachstraße gemeldet. Die Feuerwehr ist im Dauerstress, Schwerpunkte liegen in Aidlingen, Magstadt, Sindelfingen, Böblingen, Ehningen, Gärtringen, Herrenberg und Nufringen.

Vor allem im Grünäcker in Maichingen sind Straßen überflutet und Keller vollgelaufen. In der Konrad-Adenauer-Straße zwischen dem Sindelfinger Stadtteil Hinterweil und dem Grünäcker rettet die Feuerwehr zwei Menschen mit Leitern, die vor dem Hochwasser auf das Dach ihres Lastwagen flüchten.

Am Böblinger Baumoval drückt das Wasser besonders stark aus den Gullydeckeln und steht 50 Zentimeter hoch. Die Polizei sperrt die Straße. In der Elsa-Brandström-Straße in Böblingen stürzt ein Baum auf die Fahrbahn. Aus der Böblinger Reußensteinstraße meldete sich ein SZ/BZ-Leser, dessen Haus nun in kurzer Zeit zum zweiten Mal vollgelaufen war. Offenbar kamen die Wassermassen vom Tannenberg herab, und die Gärten der tiefer liegenden Häuser stellen eine Art Auffangbecken dar.

Kleinere Erdrutsche gibt es auf Höhe der Böblinger Schickardstraße an der Autobahn 81 und an der B464 zwischen Döffingen und Darmsheim. Die Autobahnpolizei sperrt die rechte Spur. Auf der Bundesstraße kommt es beinahe zur Katastrophe. Die Renningerin Elke Walker ist Augenzeugin: „Direkt vor mir fuhr ein Auto mit Anhänger in den Schlamm und kam in Schwierigkeiten. Ein Gefahrgut-Laster vor mir konnte gerade noch ausweichen. Auch ich kam gerade so vorbei. Hinter mir merkte ein Schwertransporter im strömenden Regen nicht, was gerade los war.“ Der Truckerfahrer tritt hupend in die Eisen. Minuten später ist die B464 gesperrt.

Auch in Magstadt steht das Wasser in den Kellern. Die Feuerwehr ruft das Katastrophenschutzteam zusammen und stockt die Besatzung in der Leitstelle auf fünf Mann auf. Kreisbrandmeister Guido Plischek bricht seinen Urlaub ab. Um 15.30 Uhr entspannte sich die Lage wieder.

29. Juli

Die Schäden sind noch lange nicht beseitigt, da öffnen sich die Schleusen erneut. Die SZ/BZ schreibt: „So etwas kennt man nur aus den Hochwassergebieten der großen Flüsse: Nach mehrstündigem Dauerregen laufen vor allem in Sindelfingen, Böblingen und Magstadt Hunderte von Kellern und Garagen voll. In Sindelfingen baut die Feuerwehr aus großen Sandsäcken einen Damm, um die Häuser in der Burghaldenstraße vor Hochwasser aus dem Klostersee zu schützen.“

Viele Sindelfinger erinnerten sich an den Himmelfahrtstag 1984. Innerhalb kurzer Zeit sorgten damals sintflutartige Regenfälle für Hochwasser in der Innenstadt und den Randbezirken. Am 29. Juli das gleiche Bild. Es regnet nur am Nachmittag, das aber äußerst heftig: Die Sindelfinger Feuerwehr stabilisiert mit Sandsäcken einen Damm am Goldbach. Dramatisch wird die Lage am Klostersee. Enorme Wassermengen kommen aus dem Sommerhofental. In der Senke an der Hohenzollernstraße meldet die Polizei einen Pegelstand von einem Meter.

Die Wassermassen suchen sich ihren Weg durch das ehemalige Landesgartenschaugelände, die Feuerwehr muss zwei geparkte Autos mit Seilen sichern. Der Klostersee läuft über, die Feuerwehr sichert den Straßenrand mit Sandsäcken. Um die Häuser in der Burghaldenstraße zu schützen, wird mithilfe der Firma Walker und großen Sandsäcken ein Damm gebaut. In der Ernst-Barlach-Straße säuft der Treff Viehweide ab. Das THW rückt an und startet ihre großen Pumpen.

An der Tank- und Rastanlage Sindelfinger Wald droht, dass sich die Wassermassen mit Öl und Benzin mischen. In Böblingen ist erneut der Bereich um die Achalm- und Schönaicher Straße betroffen. Tiefgaragen und eine Fußgängerunterführung müssen ausgepumpt werden. Mehrere Straßen werden gesperrt. Die Magstadter Feuerwehr arbeitet über 80 Meldungen ab, pumpt immer wieder Keller leer. Der Gesamtschaden ist bis heute nicht klar. Jürgen Wegner