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Von unserem Redakteur Hansjörg Jung · 13.04.2018

Der erste Entwurf für die Seepromenade

Böblingen/Sindelfingen: Böblinger Baugesellschaft investiert auf dem Flugfeld 100 Millionen Euro für Gastronomie, Büroflächen und rund 180 Wohnungen am Seeufer

  • Auf zwei Baufeldern am rechten Seeufer, gleich an der Harfenbrücke, macht die Böblinger Baugesellschaft den Auftakt zur Bebauung der Uferpromenade. Bild: Jung

  • So sollen die BBG-Bauten an der Uferpromenade, die auf der Gemarkungsgrenze stehen, einmal aussehen. Grafik: z

An der Uferpromenade, dem sogenannten Filetstück des Flugfeldes, wird es ernst: Nach einem städtebaulichen Wettbewerb, zu dem die Böblinger Baugesellschaft acht Architekturbüros eingeladen hat, will die Böblinger Baugesellschaft auf ihren beiden Baufeldern 100 Millionen Euro für Gastronomie, Büroflächen und Wohnungen investieren.

Auch wenn es schon relativ spät am Abend war. Als Erstes sagte Gerhard Wittfeld alle Termine für den kommenden Tag ab. Nach Böblingen zu kommen war dem Aachener Architekten wichtiger. Denn dort landete er beim städtebaulichen Einladungs-Wettbewerb, den die Böblinger Baugesellschaft ausgeschrieben hatte, auf dem ersten Platz. Sein Aachener Büro Kadawittfeld hat übrigens auch den Sindelfinger Bitzer-Turm, der gerade gebaut wird, entworfen. Der zweite Platz ging an den Entwurf des Stuttgarter Büros Steinhoff Haehnel Architekten GmbH. Der dritte Platz wurde nicht vergeben.

Links und rechts der Harfenbrücke

Im letzten Jahr hatte die BBG zwei der fünf großen Baufelder an der Uferpromenade auf dem Flugfeld gekauft. Gleich links und rechts der Harfenbrücke. Das Ziel des Wettbewerbs an dieser prominenten Stelle: „Eine hochwertige Architektur und eine gute Mischung in der Nutzung“, sagt die Stuttgarter Städteplanerin Petra Zeese, die den Wettbewerb vorbereitet hatte. Dies sei dem Aachener Architekturbüro Kadawittfeld gelungen. Den ersten Preis, so Petra Zeese, zeichne ein hohes Maß an Qualität aus, vor allem auch im Wohnungsbau.

Der Entwurf der Aachener habe die Jury vor allem durch sein offenes städtebauliches Konzept überzeugt. Der Entwurf sieht vier Baukörper mit Innenhöfen vor und einen Platz an der Harfenbrücke. Durch das „modulare, Setzkasten-ähnliche Fassadensystem“, dem Petra Zeese eine „gute Architektursprache bescheinigt, ergebe sich eine „angenehme Leichtigkeit“. Die Uferpromenade soll auch künftig durchgehend für die Öffentlichkeit begehbar bleiben. Doch das BBG-Projekt ist nun der Auftakt zur Planung, wie die Promenade, aber auch die Außenbereiche rund um die künftige Bebauung gestaltet werden wird. Dies wird nun in der nächsten Zeit mit dem Zweckverband abgestimmt.

Wohnen am Wasser

Das Motto „Wohnen am Wasser“ habe den Entwurf geleitet, sagt der Wettbewerbssieger Gerhard Wittfeld. Durch „pfeilförmige“ Baukörper profitiere ein Großteil der Wohnungen von der Süd- und Seeseite. Das „Setzkastenprinzip“ beziehe sich auf die strukturierten Fassaden mit Auskragungen und Rücksprüngen, Loggien und Balkonen.

180 Wohnungen hat der Architekt in seinem Entwurf geplant. Rund 20 Prozent davon, sagt BBG-Geschäftsführer Rainer Ganske, werden einen Zuschnitt von vier und mehr Zimmern haben. Doch nicht nur Familien mit Kindern möchte die BBG mit der Wohnlage am See ansprechen. Deshalb besteht das Gros der Zuschnitte aus 2- und 3-Zimmer-Wohnungen.

Doch Wohnen ist das eine. Das Parterre, vor allem zur Uferpromenade hin, ist vielfältigen Gastronomie-Konzepten vorbehalten. Vom Japaner bis hin zu einer hippen Bar, so Rainer Ganske – damit würde die neue Gastro-Meile am See auch mit dem Angebot in beiden Städten nicht unbedingt in direkte Konkurrenz treten. Wichtig sei der Mix im Angebot, deshalb würde im Gastrobereich auch nicht mit Spitzen-Mieten kalkuliert. „Sonst gibt es keine Vielfalt und keine Qualität“, sagt Ganske. Zwischen der Gastroebene und den Wohnungen werden Büroflächen entstehen.

Wenn bei der Gastronomie strategisch geringere Mieten verlangt werden, muss beispielsweise das Wohnen etwas teurer sein, um Wirtschaftlichkeit für das Unternehmen zu erreichen. Daraus macht der BBG-Geschäftsführer keinen Hehl. „Sozialwohnungen bauen wir an anderer Stelle. Doch hier verdienen wir die Beträge, die wir in den geförderten Wohnungsbau investieren.“

Verkaufen statt vermieten

Die Böblinger Baugesellschaft wird an dieser Stelle allerdings nicht als Wohnungs-Vermieter auftreten. Die städtische Tochter möchte sich im Gegenteil bald von dem Wohnungsbestand an der Uferpromenade trennen, um zumindest einen Teil des Investitionskapitals wieder zurückfließen zu lassen. Den Invest an der Uferpromenade beziffert der BBG–Geschäftsführer auf 100 Millionen Euro.

Nachdem die Jury am Mittwochabend den Wettbewerbssieger gekürt hat, ist das Programm bis zur Realisierung sportlich. Rainer Ganske gibt den Zeitrahmen für das Baugesuch mit rund einem Jahr an. Danach muss das Baugesuch noch durch die kommunalpolitischen Gremien und die Arbeiten auch noch ausgeschrieben werden. Läuft alles nach Plan, soll im Herbst nächsten Jahres mit den Bauarbeiten begonnen werden.

„Zwölf Jahre nach dem Beginn der Erschließungsarbeiten auf dem Flugfeld gehen dem Zweckverband langsam aber sicher die Grundstücke aus. Auch das Filetstück, die Seepromenade, ist nun angeschnitten“, sagt SZ/BZ-Redakteur Hansjörg Jung.