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12.08.2017

Der Einklang von Text und Musik

Die Musikkritik: Achtes Konzert der Sindelfinger Orgelreihe mit Tenor Stephan Frieß und Organist Jens Wollenschläger

Innehalten vom hektischen Alltag, zur Ruhe kommen und sich besinnen, mit geschlossenen Augen der Musik lauschen und das gesprochene Wort in sich aufgehen lassen – all das steht für die Orgelmusikreihe in der romanischen Martinskirche in Sindelfingen.

Auch das achte Konzert der Reihe lockte wieder viele Besucher in die Martinskirche. Beim Auftritt von Tenor Stephan Frieß und Organist Jens Wollenschläger standen Arien und Rezitative sowie Orgelwerke von Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy im Mittelpunkt. Weitere Kompositionen von Max Reger, Joseph Haydn und Dieterich Buxtehude rundeten das Programm zum Motto „Credo – Ich glaube“ ab. Die Liturgie übernahm Pastoralreferentin Ingrid Wedl aus Sindelfingen.

Raumfüllend, selbstbewusst, mit fein differenzierten Stimmeinsätzen aber auch ganz getragen und sanft ließ der Erste Organist der Tübinger Stiftskirche Jens Wollenschläger die Weigle-Orgel der Martinskirche erklingen. Mit klarer Sprache und ebenso raumfüllendem Volumen fügte sich die Stimme von Tenor Stephan Frieß mit dem Klang der Orgel zu einem harmonischen Ganzen.

Neben seiner Lehramtstätigkeit ist Stephan Frieß als Oratorien- und Konzertsänger im süddeutschen Raum aktiv. Vor allem Oratorien, Kantaten und Messen vom Barock bis zur Romantik zählen zu seinem Repertoire. Der Organist Jens Wollenschläger spielte rund 80 CDs ein und ist sowohl national als auch international tätig. Der studierte Kirchenmusiker arbeitet außerdem mit Orchestern, Künstlern, Komponisten und Dirigenten zusammen.

Mit Mendelssohn Bartholdys Rezitativ „Zerreisset eure Herzen“ sowie der Arie „So ihr mich von ganzem Herzen suchet“ standen zwei Nummern aus dem Oratorium „Elias“ auf dem Programm. Der „Elias“ gilt als Meilenstein von Mendelssohns kompositorischem Schaffen und als Höhepunkt der Oratorienliteratur des 19. Jahrhunderts. Dass Tenor Stephan Frieß auf Oratorien spezialisiert ist, zeigte sich auch hier wieder eindrucksvoll.

Ausdrucksstark und dynamisch gestaltete er die verschiedenen Rezitative von Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy, während die Arien mit ihrem sanglichen und gefühlvollen Charakter und zahlreichen Melismen bestachen.

Als Orchester- und Basso-Continuo-Begleitung fungierte Jens Wollenschläger an der Orgel, der es verstand, die klangstarke Weigle-Orgel hierfür auch sanft aber dennoch facettenreich einzusetzen. Im deutlichen Kontrast dazu stand Johann Sebastian Bachs Choralbearbeitung „Wir glauben all an einen Gott“ (BWV 680) aus dem „Dritten Theil der Clavierübung“. Bewegt und selbstbewusst gestaltete der Organist Jens Wollenschläger die auf dem Manual zu spielende Fuge, die Bach über die erste Choralzeile komponierte. Dazu mischte sich eindrucksvoll das ostinate Thema im Pedal.

Mit ihren Lesungen gab Pastoralreferentin Ingrid Wedl aus Sindelfingen dem Publikum zwei Sätze über den Glauben und das damit verbundene Vertrauen zu Gott mit auf den Weg. Die Lebenserfahrung eines Bauers aus einer chinesischen Geschichte in Anthony de Mellos „Weisheit für die Seele“ lautet etwa: „Glück oder Pech, wer weiß das schon.“ Hier zeigt sich, dass einiges im Leben sich im Nachhinein als Glück oder Pech entpuppen kann, wichtig sei dabei stets auf Gott zu vertrauen, ihm die Entscheidung zu überlassen, so die Moral der Geschichte.

Der zweite Satz, den Ingrid Wedl dem Publikum ans Herz legte, stammt aus dem Film „Joseph – König der Träume“. „Du weißt es besser als ich“, heißt es dort. „Nicht alles selber machen, sondern Gott vertrauen und zu sagen, ist eine Befreiung, es nimmt die Last für alles selbst zuständig zu sein“, so Ingrid Wedl. „Ich denke, dass an Gott zu glauben heißt, zu Gott zu sagen: Du weißt es besser als ich.“ Von diesem Vertrauen und Glauben an den Schöpfer handelten auch einige der Rezitative und Arien, welche die beiden Musiker für ihr Programm ausgewählt hatten und brachten den Einklang von Texten und Musik deutlich zum Ausdruck.

Der Organist Jens Wollenschläger gestaltete gemeinsam mit dem Tenor Stephan Frieß das achte Orgelkonzert in diesem Jahr in der Sindelfinger Martinskirche. Bild: z