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Von unserem Mitarbeiter Frank Müller · 18.01.2018

„Das ist sehr, sehr ärgerlich“

Weil im Schönbuch/Holzgerlingen: Gespräch zur Lösung der anhaltenden Probleme im Schülerverkehr wurde verschoben

Seit dem 10. Dezember geht’s im Schülerverkehr aus Richtung Weil im Schönbuch zum Schönbuchgymnasium und nach Böblingen drunter und drüber. Lösungen sollte eigentlich ein Gesprächstermin im Landratsamt bringen, doch das wurde kurzfristig abgesagt. Die Elternvertreterin des Schönbuchgymnasiums, Anastasia Gigi-Müller, findet das „sehr, sehr ärgerlich“.

Über die überraschende Verschiebung auf kommenden Freitag ist Gigi-Müller schwer verärgert. Es habe auch, so berichtet sie, etliche Beschwerdeschreiben an das Landratsamt gegeben, unter anderem auch vom Weilemer Bürgermeister Wolfgang Lahl direkt an den Landrat Roland Bernhard. Das Landratsamt hatte das Treffen am Vorabend per E-Mail abgesagt, weil der Vertreter des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) den Termin wegen Krankheit abgesagt habe.

So richtig verstehen kann Gigi-Müller die Begründung der Absage nicht, denn für den ÖPNV und den Schülerverkehr sei nun mal das Landratsamt zuständig. Bei dem Treffen hätten Lösungen der drängenden Probleme diskutiert werden sollen, und „dazu braucht es den VVS nicht“. Die Elternvertreterin glaubt: „Das war nur vorgeschoben.“

Das Landratsamt sieht das völlig anders. Pressesprecher Dusan Minic, erklärt gegenüber der SZ/BZ, es sei schon richtig, dass der Landkreis Träger des ÖPNV sei. Minic weiter: „Der VVS ist unser Partner, der für uns Linien und Busumläufe plant und Fahrpläne erstellt. Dafür haben wir schlicht nicht die Kapazitäten hier im Haus, deshalb macht es der VVS für uns. Das ist auch in anderen Landkreisen so üblich.“ Daher sei es wichtig, die Experten dabei zu haben, etwa um realistisch einschätzen zu können, ob etwaige Lösungsvorschläge überhaupt durchgeführt werden können.

Allerdings hat auch Gigi-Müller schon so ihre Erfahrungen mit den VVS-Vertretern gemacht. Bereits im Oktober, als sie im Verkehrsausschuss erst mal auf die Probleme bei der Umstellung des Fahrplans am 10. Dezember aufmerksam gemacht habe, sei der Beauftragte des Verkehrsverbundes nicht anwesend gewesen. Sie ärgere sich daher sehr, dass man der Elternvertretung nun vorwerfe, die Probleme damals verschlafen zu haben.

Allem Ärger zum Trotz richten sich nun alle Blicke auf das neu anberaumte Treffen im Landratsamt am Freitagmorgen. Gigi-Müller ist allerdings nicht sicher ob alle, die sich den ersten Gesprächstermin freigeschaufelt hatten, nun bei dem verschobenen Termin dabei sein können. Immerhin habe man zwei Tage vor dem ersten Termin aufseiten des Landratsamtes dem Druck nachgegeben und nicht nur, wie zunächst geplant, die Schul-Träger und -Vertretungen aus Weil eingeladen, sondern auch die aus Holzgerlingen. Allerdings nur, um am Folgetag die gesamte Veranstaltung abzublasen.

Immerhin: Jetzt sind sie wieder mit eingeladen. Inhaltlich sind sich Bürgermeister Lahl und Elternvertreterin Gigi-Müller in ihrer Forderung einig: „Wir wollen den Status Quo von vor dem 10. Dezember wiederhaben.“ Das betreffe auch die Heimfahrt. Im Moment würden die Abfahrtszeiten der Busse nie mit dem Unterrichtsende zusammenpassen. Man könnte natürlich überlegen, die Unterrichtszeiten anzupassen. Doch das sei nicht so einfach, schließlich gebe es ja auch noch Schüler aus andern Gemeinden, dann würden deren Fahrpläne nicht mehr passen und müssten ebenfalls angepasst werden.

Und auch, wenn die betroffenen Lehrer, Eltern und Schüler aufgebracht sind, ist Landkreis-Pressesprecher Dusan Minic um Glättung der Wogen bemüht. Immerhin habe das Landratsamt nach den Protesten im Dezember relativ schnell reagiert: Der Landkreis habe den „ebenfalls hier im Haus angesiedelten Zweckverband“ als Betreiber gebeten morgens einen dritten Wagen an die Schönbuchbahn anzuhängen, um die durch den Bus-Ausfall entstandene drangvolle Enge zu mildern. Das habe zwar wegen technischer Probleme zweimal nicht geklappt, inzwischen laufe das aber routinemäßig so. Innerhalb Holzgerlingens, würden auf Betreiben des Landkreises jetzt Zubringerbusse eingesetzt, damit sich die Schüler den Fußmarsch vom Bahnhof zu den Schulen sparen.

Mittlerweile wird allerdings schon beobachtet, dass die Zahl der busfahrenden Schüler abnimmt, wohl, weil von fünf Buslinien, die bis zur Fahrplan-Umstellung zur Verfügung standen, nur noch eine übrig ist. Es ist zu vermuten, dass die betroffenen Eltern wohl immer mehr Fahrgemeinschaften organisieren. Dass das nicht die Lösung sein kann, darauf hatte Elternvertreterin Gigi-Müller schon im Dezember hingewiesen: „Wozu erziehen wir denn unserer Kinder?“ fragt sie, „statt ihnen den ÖPNV nahezubringen, erreicht man das genaue Gegenteil!“

Im Dezember begann der Ärger: Viele Schüler mussten in Holzgerlingen zu Fuß zur Schule gehen. Bilder: Archiv