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Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber · 04.07.2015

„Das Grundmotiv ist brandaktuell“

Das Kulturgespräch: Ingo Sika spielt in „Der Sindelfinger Jedermann“, dem Herzstück der Biennale, die Hauptfigur Sindhold / Premiere am Freitag, 10. Juli

In „Sindolfs Traum“, dem Open-Air-Spektakel des Sindelfinger Stadtjubiläums vor zwei Jahren, gab Dr. Ingo Sika den Alemannen Sindolf. Ab Freitag, 10. Juli, wird der 42-Jährige als Chorherr Sindhold die Open-Air-Bühne vor der Martinskirche bespielen.

Über seine Rolle hat sich die SZ/BZ mit dem hauptberuflich als Zahnarzt arbeitenden Hauptdarsteller des Biennale-Theaterstücks unterhalten.

Vor zwei Jahren waren Sie Sindolf. Jetzt treten Sie zwölfmal als Sindhold vors Publikum. Kommt man da nicht durcheinander?

Ingo Sika: „In der Tat wurde meine Figur während der Proben oft mit Sindolf angesprochen. Der ähnliche Klang des Namens ist kein Zufall, sondern soll an „Sindolfs Traum“ erinnern: Die Biennale Sindelfingen knüpft bewusst ans Stadtjubiläum an und soll dessen Impulse verstetigen. Beide Figuren tragen Bart, inhaltlich hat Sindhold jedoch nichts mit Sindolf zu tun: Es sind zwei völlig unterschiedliche Figuren.“

Was sind die grundsätzlichen Unterschiede zwischen dem Gründer Sindelfingens, Sindolf, und dem Chorherren Sindhold?

Sindhold macht im Lauf des Stücks eine unglaubliche Entwicklung durch

Ingo Sika: „Bei Sindolf handelte es sich um eine humoristisch angelegte Figur, die einen Blick in die Sindelfinger Geschichte mit viel Augenzwinkern erlaubte. Es gibt zwar auch in „Der Sindelfinger Jedermann“ einige komische Momente. Aber grundsätzlich ist das Stück wesentlich ernster. Dennoch ist „Der Sindelfinger Jedermann“ extrem kurzweilig, was mir entgegen kommt: Meiner Meinung nach sollte Theater immer auch unterhalten.“

Was ist Sindhold für ein Charakter?

Ingo Sika: „Ein Chorherr im Sindelfingen des 11. Jahrhunderts, der sich vor allem durch seinen religiösen Eifer und seine Obrigkeitshörigkeit auszeichnet. Diese zwei Eigenschaften werden Sindhold zum Verhängnis: Das herrschende Regelsystem verlangt von Sindhold, seine Freunde zu verraten, was zu einem inneren Konflikt führt, der seine Seele fast auseinander reißt. Dieser Konflikt führt zur Einsicht, dass Regeln keine menschliche Empathie ersetzen können. Dafür landet Sindhold fast auf dem Scheiterhaufen.“

Eine Botschaft aus dem Mittelalter?

Ingos Sika: Nein. „Der Sindelfinger Jedermann verhandelt Themen im historischen Gewand, die allesamt auf heute übertragbar sind. Das Grundmotiv, dass Regeln nicht einmal von denjenigen Menschen befolgt werden, die diese Regeln machen, ist brandaktuell. Genauso wie der kritische Blick, der in „Der Sindelfinger Jedermann“ auf die Religion geworfen wird.“

Gefällt Ihnen die Rolle des Sindhold?

Ingo Sika: „Sindhold macht im Laufe des Stücks eine unglaubliche Entwicklung durch, was mir als Darsteller sehr viele Facetten abverlangt. Eine tolle Herausforderung, die richtig viel Spaß macht.“

Wie arbeitet es sich mit Frank Martin Widmaier, Regisseur von „Der Sindelfinger Jedermann“ und künstlerischer Leiter der Biennale Sindelfingen?

Ingo Sika: „Frank Martin Widmaier arbeitet sehr akribisch, was ich sehr schätze. Für einige Darsteller, die zum ersten Mal mit ihm zusammenarbeiten, war es allerdings zunächst ein Schock, was für Ansprüche im Rahmen von „Der Sindelfinger Jedermann“ an Amateurdarsteller gestellt werden. Manche Mitwirkende mussten einen Lernprozess durchmachen, was es heißt, in einer solch großen und ambitionierten Produktion mitzuwirken.

Er stellt allerhöchste Ansprüche. Auch an sich selbst.

Ich bewundere an Frank Martin Widmaier, wie es ihm gelingt, aus einem begrenzten Budget das Maximale heraus zu holen. Das geht nur, indem er Aufgaben übernimmt, die man bei einer Theaterproduktion normalerweise delegieren würde. Frank Martin Widmaier stellt allerhöchste Ansprüche auch an sich selbst. Das verdient Respekt.“

Info

Die Premiere von „Der Sindelfinger Jedermann“ am Freitag, 10. Juli, ist bereits ausverkauft. Weitere Aufführungen auf der Open-Air-Bühne vor der Martinskirche gibt es am 11., 12., 18., 19., 24., 25., 26., 30., und 31. Juli sowie am 1. und 2. August. Karten beim i-Punkt unter der Telefonnummer 0 70 31 / 94-325 sowie unter www.easyticket.de im Internet. Ingo Sika ist außerdem am 24. Juli als „Der Tod“ in „Geisterstunde. Lesung und Kunstlied“ zu erleben, wo er zusammen mit Johannes Held (Bariton) und Mario Stallbaumer (Klavier) im Propsteigarten auftritt. Weitere Informationen unter www.biennale-sindelfingen.de im Netz sowie in der SZ/BZ-Sonderbeilage, die dieser Ausgabe beiliegt.