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Von unserem Redakteur Tim Schweiker · 07.05.2016

„Dann ging das Kopfkino los“

SZ/BZ-Kulturgespräch: Der Sindelfinger Buchhändler Andreas Heßelmann über sein Krimi-Debüt „Der Tote unter der Explanada“

Es geht Schlag auf Schlag: Wenige Wochen, nachdem Andreas Heßelmann mit der Erzählung „Bender – Sechs Wochen“ sein Buchdebüt gefeiert hat, ist schon das nächste Werk des Sindelfingers auf dem Markt. Der Krimi „Der Tote unter der Explanada“ spielt im spanischen Alicante.

Die SZ/BZ hat sich mit Andreas Heßelmann, 57, Buchhändler bei der Sindelfinger Buchhandlung Röhm, über den Krimi, das Interesse an Spanien und über das Schreiben unterhalten.

„Der Tote unter der Explanada“ – Da macht ja schon der Titel neugierig.

Andreas Heßelmann: „Das hoffe ich doch. Man muss ja nur mal im Internet schauen, wie viele Buchtitel mit „Der Tote im ...“ oder ähnlich heißen. „Der Tote unter ...“ ist dagegen ganz selten.“

Worum geht’s?

Andreas Heßelmann: „Es sind nur noch wenige Tage bis zur Johannisnacht, den Hogueras de San Juan, eines der größten und buntesten Feste in Spanien. Doch ein grausamer Fund unter den Steinen der Flaniermeile Explanada de España in Alicante bedroht das Fest. So geht’s los.“

Der Tote in Ihrem Roman stammt aus Afrika, die Handlung spielt vor der Hintergrund der Flüchtlingskrise. Warum?

Andreas Heßelmann: „Bei einem unserer Besuche in Alicante sind meine Frau und ich über die Explanada, die Strandpromenade, spaziert. Dort stehen die Puestos, Verkaufsbuden, die aussehen wie weiße Weihnachtsmarktstände. Neben einem solchen Puesto war eine Baustelle, der Boden war aufgegraben. Ich habe gesehen, wer in den Puestos arbeitet und dann ging das Kopfkino schon los. Ich hatte eine Idee und die hat mich dann nicht mehr losgelassen.“

Der Krimi spielt in Alicante. Wie das?

Andreas Heßelmann: „Ich fahre seit den 80er Jahren immer wieder nach Spanien. Ich mag die Seele der Spanier, ihre Melancholie, die unaufgesetzte Herzlichkeit. Alicante ist ähnlich: eine schöne Stadt und dabei vollkommen unprätentiös. Eine Stadt, die mit ihrer Geschichte, mit ihrer Rolle im spanischen Bürgerkrieg, sehr offen umgeht. Das gefällt mir.“

Sie erzählen die Geschichte aus der Perspektive des Ermittlers, Inspector Xarneracomte . Was ist das für ein Typ?

Andreas Heßelmann: „Er ist ein wenig linkisch, macht zu wenig Sport, trinkt ein bisschen zu viel Bier und ist schon ziemlich lange allein. Ein ganz normaler Typ, mit dem man sich, glaube ich, gut identifizieren kann. Aber auch ein guter Polizist, der seinen Job gut macht.“

Nicht jedem Krimiautor geht es darum, nahe an der Realität zu sein. Ihnen schon?

Andreas Heßelmann: „Ja, mir geht es darum, dass eine Geschichte Relevanz haben muss. Das Flüchtlingsthema ist in Spanien schon viel länger Teil des täglichen Lebens als bei uns. Die Beschäftigung damit hat sich aufgedrängt. Man kommt nicht daran vorbei.“

Was macht aus Ihrer Sicht einen guten Krimi aus?

Andreas Heßelmann: „Der Plot muss stimmen. Der erste Satz ist wichtig, von dem aus sich die Geschichte entwickelt. Und ich kenne auch immer den Schluss bevor ich anfange, die Details auszuarbeiten. Damit diese Details stimmen, braucht es eine sorgfältige Recherche. Vor allem aber braucht man authentische Figuren.“

Sie mögen Ihre Figuren?

Andreas Heßelmann: „Es ist wie im richtigen Leben: die einen mehr, die anderen weniger. Aber ich entwickle beim Schreiben zu allen ein sehr intensives Verhältnis. Menschen, wie sie im Buch vorkommen, habe ich so oder ähnlich alle in Alicante beobachtet oder kennengelernt. Wenn man nicht nur einmal auf einen Platz oder in eine Kneipe geht, sondern immer wieder, dann bekommt man ein Gespür für die Menschen in einer Stadt. Wenn ich eine Geschichte schreibe, beginnen die Figuren an einem gewissen Punkt ein Eigenleben zu führen. Dann wird es spannend.“

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Andreas Heßelmann: „Das ging in der Schulzeit los. Damals habe ich schlechte Kurzgeschichten und leidlich gute Gedichte geschrieben. In der Buchhändler-Schule hatten wir dann einen Lehrer, der uns gesagt hat, dass jeder schreiben könne. Wenn er Papier, Ausdauer und eine gute Idee hat. Das habe ich ausprobiert.“

Ich kann mir ein Leben ohne Schreiben nicht vorstellen

Wie lief es?

Andreas Heßelmann: „Ein Gedicht von Erich Fried, der in den achtziger Jahren Gast bei den Literaturtagen in Sindelfingen war, wurde zum Ausgangspunkt für einen ersten Paris-Roman. Ich habe mir an der Tankstelle zwei Dosen Bier gekauft und am selben Abend angefangen zu schreiben. Drei Monate später war die Geschichte fertig. 118 Din-A-4-Seiten. Das Schreiben hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich danach angefangen habe, für meinen großen Spanien-Roman zu recherchieren. Auf insgesamt 1000 Seiten geht es darin um die spanische Geschichte. Und um Liebe.“

Moment. Wir dachten, als nächstes ist jetzt ein Mallorca-Krimi dran?

Andreas Heßelmann: „Das ist auch so. Der Mallorca-Krimi kommt im Herbst heraus. Aber dann soll es ja weiter gehen. Es liegen noch 14 weitere Manuskripte in der Schublade, darunter allein sechs Krimis. Und ich schreibe weiter. Ich kann mir ein Leben ohne Schreiben schon lange nicht mehr vorstellen.“

Info

Am Dienstag, 10. Mai, 19.30 Uhr liest Andreas Heßelmann im Sindelfinger Café Paletti aus seinem Krimi „Der Tote unter der Explanada“. Das Buch ist bei Twentysix erschienen, ISBN 9783740711252.

Andreas Heßelmann mit seinem Kriminalroman „Der Tote unter der Explanada“, aus dem er am Dienstag, 10. Mai im Café Paletti liest. Bild: Schweiker