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Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert · 19.02.2018

Dätzinger Kuppe soll entschärft werden

Aidlingen/Grafenau: Über das Wie streiten sich die Grünen und das Landratsamt / Die Behörde plant eine Umfahrung und will die K 1063 weiter in Richtung Mitte des Tales legen

Ein gutes Dutzend Aidlinger und Grafenauer stapfte am Sonntagmorgen durch den Schnee. Die beiden Ortsverbände von Bündnis 90/Die Grünen hatten zur Besichtigung der Kreisstraße 1063 (Teil III) eingeladen. Die K 1063 verbindet die beiden Gemeinden. Die wichtigste Botschaft: Die Dätzinger Kuppe soll entschärft werden.

Über das Wie sind sich die Grünen und das Landratsamt jedoch nicht einig, wie bei so vielem, wenn es um die Ausbaupläne für diese Straße geht.

„Wir sind nicht gegen den Ausbau“, stellten Rita Graf (Gemeinderätin in Grafenau) und Frank Hagel (Gemeinderat in Aidlingen) klar. Dass die Straße nicht bleiben kann, wie sie ist – teilweise nur 4,5 Meter breit und ziemlich löchrig –, ist unbestritten.

An der Kuppe möchte der Landkreis die Straße bis zu 19 Meter talwärts verschwenken. Dort ist der Hügel flacher. In der Senke nach der Kuppe (aus Richtung Dätzingen gesehen) soll die Straße auf einem Damm verlaufen. „Der wird 3 Meter hoch“, sagt Margarete Ruoff vom BUND Aidlingen, die die Pläne kennt, weil der Landesnaturschutzverband um eine Stellungnahme gebeten wurde.

Der Haken an der Sache: Die Straße führt durch die Wasserschutzzone 1. Das ist auch jetzt schon so, doch durch den Schwenk würde die Straße noch näher an die Grafenauer Trinkwasserquellen Ried/Binn heranrücken. Die Wasserschutzzone 1 ist normalerweise eingezäunt und darf nicht betreten, geschweige denn befahren werden. In den Plänen der Straßenbauer sind übrigens gar nicht alle Trinkwasserfassungen eingezeichnet.

Hauptstreitpunkt zwischen dem Landratsamt und den Grünen ist jedoch die künftige Fahrbahnbreite. Beim ersten Besichtigungstermin vor zwei Wochen (die SZ/BZ berichtete) zitierte Aidlingens Bürgermeister Ekkehard Fauth aus einem Schreiben von Verkehrsminister Winfried Hermann an den Leonberger Landtagsabgeordneten Dr. Bernd Murschel (beide von den Grünen), dass eine bloße Sanierung nicht nach dem Landesgemeindefinanzierungsgesetz (LGVFG) gefördert werden könne.

Um beim Zuschuss auf der sicheren Seite zu sein, plant der Landkreis mit 7 Metern Breite. Bei einer Versammlung der Freien Wähler für den Kreistagswahlbezirk Aidlingen-Ehningen-Gärtringen-Grafenau sprachen sich diese mit Fauth und Grafenaus Bürgermeister Martin Thüringer an der Spitze ebenfalls für diese Breite aus (die SZ/BZ berichtete), denn ohne den Landeszuschuss könne der Kreis nicht bauen. Der Neubau der Straße kostet schätzungsweise 8 Millionen Euro. Über LGVFG-Mittel könnte die Hälfte davon vom Land kommen.

In dem von Fauth zitierten Brief an Dr. Murschel schreibt Verkehrsminister Hermann freilich nichts von einer Mindestausbaubreite, sondern: „Nach Paragraf 3 des LGVFG ist die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse eine zwingende Voraussetzung der Förderung.“ Das Schreiben liegt der SZ/BZ-Redaktion vor.

Diese Verbesserung, so Frank Hagel, ergäbe sich aber auch bei einer Verbreiterung der Straße auf 6 Meter. Für Straßen wie zwischen Aidlingen und Deufringen oder Aidlingen und Gärtringen würden diese schließlich auch ausreichen: „2 Lastwagen oder 2 Busse können sich da problemlos begegnen.“

Mit 6 statt 7 Meter Breite, sagt Hagel, könne man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die schmälere Variante verlange keinen so großen Einschnitt in die Natur, sie locke – etwa wenn A 81 und B 464 blockiert sind – weniger überregionalen Verkehr an und sie sei schließlich in der Herstellung billiger. Bei 6 Metern könne man zudem eher das Verbot für Lastwagen aufrechterhalten.

Im Verkehrsausschuss des Kreistags soll der Ausbau der K 1063 am 30. April behandelt werden, im Aidlinger Gemeinderat am 3. Mai.

Karlheinz Reichert findet, dass die Beteiligten bis zu diesen Sitzungen noch ein paar Hausaufgaben machen sollten. Hilfreich wären Antworten auf die Fragen, ob es bei 6 Metern den Landeszuschuss sicher gibt und wie hoch die zusätzliche Umweltbelastung ist, wenn ein Lastwagen nicht direkt von Aidlingen nach Dätzingen fahren kann, sondern – wie seit Jahren schon – den Umweg über Darmsheim nehmen muss.

Die Kuppe bei Dätzingen: Der Landkreis möchte die Straße nach links verschwenken. Die Grünen würden sie auf der bestehenden Trasse tiefer legen.