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Von Dirk Hamann 
und Daniel Krauter · 18.03.2020

Corona: „Ein unternehmerischer Alptraum“

Sindelfingen/Böblingen: Die Einzelhändler stehen vor einer ungewissen Zukunft

  • Hinweis bei Mode Klein in der Sindelfinger Planiestraße. Bilder: Krauter

  • Ein ungewohntes Bild: Die menschenleere Einkaufspassage im Breuningerland Sindelfingen.

  • Die meisten Geschäfte in den Böblinger Mercaden haben geschlossen.

Seit Mittwoch müssen nach Anordnung der Landesregierung die meisten 
Geschäfte geschlossen haben, um die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus weiter einzudämmen. Die SZ/BZ hörte sich bei Einzelhändlern in Sindelfingen und Böblingen um.

Robert Klotz, Inhaber von Intersport Klotz in der Sindelfinger Wettbachstraße 4, hat absolutes Verständnis für den Beschluss der Landesregierung, dass die meisten Läden geschlossen werden müssen: „Hier geht es um den Schutz der Kunden und auch der Mitarbeiter. Die Gesundheit steht schließlich an allererster Stelle.“


Robert Klotz hat hat seine Mitarbeiter (8 Festangestellte, 2 Azubis, 2 Aushilfen) am Dienstag informiert: „Wir werden Kurzarbeit beantragen. Nun hoffe ich auf die zugesagte unbürokratische Unterstützung der Bundesregierung. Hier geht es schließlich um viele Existenzen und die Finanzkassen des Bundes sind laut Aussage der Politiker prall gefüllt“, so Robert Klotz.



Auch Carola Klein, Inhaberin von Mode Klein in der Sindelfinger Planiestraße 6, ist betroffen: „Ich habe natürlich Verständnis für die getroffenen Maßnahmen. Die Gesundheit, vor allem der Älteren und Kranken, geht vor. Für mich als Einzelhändlerin ist es allerdings gerade ein unternehmerischer Alptraum“, sagt Carola Klein, Inhaberin von Mode Klein in der Sindelfinger Planiestraße 6.


Ralf Maurers hauptsächliche Beschäftigung in diesen Tagen ist telefonieren und Krisenbewältigung betreiben. Der Inhaber von Leder Maurer, ein klassischer Einzelhändler mit einem Stammhaus in der Sindelfinger Straße in Böblingen, zwei Filialen im Breuningerland Sindelfingen und einer in den Böblinger Mercaden, versucht seit Tagen, alles in seiner Macht stehende zu unternehmen, um möglichst viel Schaden von seinem Unternehmen abzuwenden. Also spricht er, in einer Zeit, in der eigentlich das Ostergeschäft anrollt und die alljährliche Groß-Nachfrage nach Schulranzen richtig ins Rollen kommen sollte, mit seiner Bank, seinem Steuerberater, mit anderen Verbandskollegen. „Meine Hauptaufgabe ist jetzt Krisen- und Finanzmanagement“, sagt Ralf Maurer, der auch mit seinen besorgten Mitarbeitern mitfühlt. Und trotz allem Engagement, das er an den Tag legt, fühlt er sich dennoch ein wenig machtlos.


Das Lager ist voll


„Das Schlimme ist die Ungewissheit“, sagt er. „Man selbst kann nur einen ganz kleinen Teil beitragen, man muss hoffen, dass die Politik richtige Entscheidungen trifft. Und diese möglichst schnell.“ Denn klar ist: Zurzeit wird munter Ware angeliefert, die bezahlt werden muss. Das Lager ist voll. Dazu kommen Fixkosten wie Mieten und Personal, die weiterlaufen. Und auf der Einnahmenseite dürfte sich bis auf weiteres kaum etwas bis nichts tun – auch wenn Ralf Maurer ganz spontan einen Abhol- und Lieferservice eingerichtet hat.