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Von unserer Mitarbeiterin Annette Nüßle · 02.08.2018

Chefcoach am anderen Ende der Welt

Faustball: Thomas Helber geht als Nationaltrainer nach Down Under, um seinen Sport auf dem fünften Kontinent bekannt zu machen

Der Keplerstädter Thomas Helber nimmt unbezahlten Urlaub, um die Australier fit im Faustball zu machen. Am 31. August geht es auf dem fünften Kontinent los. Bild: Nüßle

Einmal nach Australien reisen, das ist nicht nur für Thomas Helber ein Traum. Dass sich dieser für den Weil der Städter verwirklicht und er dabei noch Nationaltrainer der Faustballmannschaft Australiens wird, daran hätte er im Traum nicht gedacht.

Im Grunde war die erfolgreiche Faustballerkarriere von Thomas Helber mit seinem Wegzug aus Weil der Stadt abgeschlossen. „In Bonn war mein Fokus auf andere Dinge gerichtet“, sagt der Faustballer aus Leidenschaft. Als er über einen Freund die Ausschreibung zur Trainersuche für die australische Nationalmannschaft erhielt, da war sie wieder da, die Freude am Faustball. „Etwas von meinem Wissen aus der aktiven Zeit und Trainerzeit weiterzugeben und noch dazu an eine Nationalmannschaft, das sei schon eine besondere Ehre“, sagt Tommy Helber.

Faustball ist in Australien noch eine ganz junge Sportart und wurde von den sportbegeisterten Australiern erst 2013 entdeckt. Die Entwicklung erinnert etwas an die Jamaikaner, die unbedingt mit einem Bob an den Olympischen Spielen 1988 teilnahmen und von allen belächelt wurden. „Sie wollen mit dabei sein, auch in einer Sportart, die weltweit nicht so eine große Rolle spielt“, sagt der Trainer. Mit viel Idealismus und alles ehrenamtlich, wurden damals Vereine gegründet und eine Nationalmannschaft aus der Taufe gehoben. Bei ihrer ersten Teilnahme an einer Faustballweltmeisterschaft gewannen die Außenseiter 2015 ein Spiel und gehen seitdem ihren Weg kontinuierlich weiter. Was bisher nur autodidaktisch über Videos und Bücher vermittelt wurde, soll nun auf professionellere Beine gestellt werden. Genau an dieser Stelle kommt Thomas Helber ins Spiel.

„Faustball gehört zu meinem Leben“, sagt der Weil der Städter, dessen Vater bereits bei der Sportvereinigung Weil der Stadt war und den jungen Tommy 1975 mit ins Training nahm. Bis 1999 blieb er seinem Heimatverein treu und spielte zunächst in der Jugendmannschaft, später in der 1. und 2. Bundesliga. „Faustball war und ist einfach der Sport, der zu mir passt. Schnell, dynamisch die Spielzüge zum Abschluss bringen, das ist es, was mir damals schon Freude machte.“

Aber die Spielerkarriere allein ist es nicht, die den 53-Jährigen begleitet. Im Jahr 2000 wechselte er als Trainer zum TV Unterhaugstett und übernahm dort zunächst die Jugendmannschaft. Die Jungs waren heiß auf Faustball und richtig gut. So gut, dass er die Mannschaft in den folgenden Jahren in die Bundesliga führte.

„Faustball ist eine Randsportart, hier gibt es keine großen Sponsoren und leben kann davon keiner, auch nicht der Trainer“, sagt der IT-Spezialist bei der Deutschen Post. Und das ist nicht nur in Europa so, auch in Australien lebt der Sport durch ehrenamtliches Engagement und Veranstaltungen zur Finanzierung von Ausstattung und Auswärtsspielen.

„Ich gehe dort als ehrenamtlicher Trainer hin“, sagt er und erzählt, dass dies nur möglich ist, weil sein Arbeitgeber flexibel ist. Urlaubstage und unbezahlter Urlaub werden für die jeweils dreimonatigen Aufenthalte genutzt, dazwischen gilt es das Arbeitszeitkonto wieder aufzufüllen.

„Ich habe diese Herausforderung nicht gesucht, sondern sie kam auf mich zu“, sagt Thomas Helber. Und genau das ist es, was auch den Ausschlag gegeben hat. Etwas an den Sport zurückgeben, was ihm der Sport gegeben hat, das ist die Motivation für das Abenteuer Australien. Faustball zeichne sich durch gemeinsame Werte wie Kameradschaft aus. Die weltweite Gemeinschaft ist überschaubar und wer als Faustballer irgendwo hinreist, sei immer willkommen und werde häufig eingeladen, erzählt er. „Es herrscht keine bittere Konkurrenz, weil es im Grunde nichts Materielles zu gewinnen gibt“, sagt er.

Vorbereitung auf die WM 2019

Seine Trainerzeit in Melbourne ist strukturiert und beinhaltet mehrere Elemente. Zum einen gilt es, die Mannschaft für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2019 in Winterthur/Schweiz fit zu machen. Zum anderen sollen die Spieler zu Trainern ausgebildet werden, damit sie in den Sport in ihren Heimatvereinen weiter vorantreiben können. „Die Australier haben das gut durchdacht, und während ich für die Herrenmannschaft schwerpunktartig zuständig sein werde, kommt zeitgleich Bianca Kruck aus Jena als Trainerin für die Damenmannschaft nach Australien.

Gemeinsam wollen sie neben den jeweiligen Trainingsblöcken auch in den Schulen Werbung für die Sportart mittels Workshops betreiben.

Am 31. August geht es los und der Höhepunkt des ersten Aufenthaltes wird die Teilnahme der Mannschaft an den „Asian-Pacific-Championships“ sein. Die Kontinentalmeisterschaft mit den Teams aus Pakistan, Indien, Neuseeland und Australien ist dann auch ein erster Test, wie fit die Mannschaft für die Weltmeisterschaft im August 2019 ist.

Für den Aufenthalt in Europa hat Tommy Helber schon viele Ideen im Kopf. „Gerne würde ich mit der Mannschaft Gastspiele auf Augenhöhe im Vorfeld absolvieren, und wenn ich auf Augenhöhe sage, dann muss man wissen, dass die Australier noch nicht das Niveau einer Bundesligamannschaft haben.

Faustball weiter voranzutreiben, das ist sein großes Ziel, denn derzeit wird der Sport nur in 54 Ländern gespielt. „Vielleicht reicht es ja doch irgendwann mal für Olympia, das wäre mein Traum“, sagt er. „Schließlich gehe es beim Faustball wirklich nur um den Sport und die Gemeinschaft und welche Sportart wäre damit besser olympisch als Faustball“.

SZ/BZ-Mitarbeiterin Annette Nüßle findet so ein Engagement als etwas ganz Besonderes und drückt bereits jetzt den Australiern die Daumen für die Weltmeisterschaft.