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Von unserem Redakteur Hansjörg Jung · 26.05.2018

Burger, Grills und Wunderschweine

Böblingen: Foodtrucks auf dem Marktplatz flankieren die Sonderausstellung im Fleischermuseum

  • Ein Wolpertinger der Untergattung Geflügelter Meisenschreck hat sich im Fleischermuseum in die altehrwürdige Sammlung der Zunftpokale geschlichen. Bilder: Jung

  • Zeitgenössische Straßen-Gastronomie auf dem Marktplatz.

Zeitgenössische Ess-Kultur aus Foodtrucks und Kaffee-Rikscha auf dem Böblinger Markplatz, fabelhaft irritierende Wesen im Fleischermuseum zwischen klassischer Handwerkskultur und Gegenwartskunst – Leib und Seele kommen an diesem Wochenende unterhalb der Stadtkirche nicht zu kurz.

Burger, Pulled Pork und Riesen-Schaschlik, Kaffees, Crêpes und Smoothies - über 20 Foodtrucks und Stände sorgen an diesem Wochenende auf dem Marktplatz für volle Mägen. Zum zweiten Mal organisiert der Stuttgarter Alper Oral in Böblingens historischer Mitte sein Straßengastronomie-Festival. Dass die Premiere im letzten Dezember sonntags vom Schneesturm verblasen wurde, focht die Burger-Schmiede und Grillrost-Brutzler wenig an. Viele waren bereits am Samstag leer gefuttert.

Bei einem Suçuk-Festival in Stuttgart waren Alper Oral und Christian Baudisch, Leiter des Deutschen Fleischermuseums in Böblingen, in Kontakt gekommen. Oral plante das Burger-Fest und Baudisch gab moralische Unterstützung und Rat, an welche Türen im Rathaus er anklopfen musste. „Es ist ein Handicap für Nahrungsmittel-Museen, dass sie das Thema ihrer Ausstellung in der Regel nicht selbst anbieten können. Die Leute verlassen das Museum und haben Hunger. Deshalb ergänzen wir uns auch an diesem Wochenende ausgezeichnet“, sagt der Museums-Leiter. Denn während unten am Marktplatz die Grillroste glühen, hat das Deutsche Fleischermuseum heute und morgen geöffnet –der Eintritt ist frei. Die Besucher erwartet dabei unter anderem die Sonderausstellung „Eierlegende Wollmilchsau“. Ein Titel, der zum Museum selbst passt, soll es doch Handwerks-, Lebensmittel- und Kunstgeschichte in einem Aufwasch präsentieren. „Die eierlegende Wollmilchsau ist ein wunderbares Tier, das gut ins Haus passt, vor allem auch zu unserer humorigen Tradition“, sagt der Museums-Leiter.

Mit dem Mischwesen als Klammer spannt die Ausstellung einen Bogen von Comics – in denen die Absonderlichkeit von sprechenden Tieren zum Alltag gehört – bis hin zur zeitgenössischen Kunst, wobei einige Werke eigens für die Böblinger Ausstellung geschaffen worden sind. Eine ganze Pin-Wand voller bemalter Zettel präsentiert die Versuche der Besucher, sich dem Thema zu nähern. Mischwesen haben sich auch in die Dauerausstellung der Handwerksgeschichte geschmuggelt. Ein Rudel von Wolpertingern geben der Sammlung neue und vor allem überraschende Aspekte. Auch dies ein Beitrag zur humorigen Tradition des Hauses.

Goldene Eier und ein Messer

Ein Schaukasten stellt das Wort in den Mittelpunkt, wobei die eierlegende Wollmilchsau ein urdeutsches Tier ist und sich nicht wörtlich übersetzen lässt. Im romanischen Sprachraum kommt das Huhn, das goldene Eier legt, dem wundersamen Tier deutscher Herkunft am nächsten. Der englische Sprachraum verlässt gar die Fauna und findet seine Entsprechung im Ding: dem Schweizer Taschenmesser. Ein solches in Gulliver-Format hat Messerschmied Hermann dem Museum zur Verfügung gestellt.

Termine

Heute und morgen kostet das Museum keinen Eintritt. Am Sonntag gibt es dazu um 14 Uhr eine kostenlose Führung durch die Sonderausstellung. Das Grill- & Burger-Festival auf dem Marktplatz hat seine Foodtrucks heute von 12 bis 22 Uhr und am Sonntag von 12 bis 20 Uhr geöffnet.