Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber · 14.06.2018

Bürger kritisieren Standort für geplante Sozialwohnungen

Aidlingen: Der vom Gemeinderat favorisierte Vorschlag stößt bei der Bürgerversammlung auf Widerstand

Der Pfeil auf der Karte zeigt den vom Aidlinger Gemeinderat favorisierten Standort für Sozialwohnungen an der Kreisstraße 1063 Richtung Dätzingen. Öffentlich berät der Gemeinderat am 19. Juni das Thema. Grafik: Schillack

In nicht öffentlicher Sitzung verständigte sich der Aidlinger Gemeinderat über den Bau eines Gebäudes mit Sozialwohnungen für 60 Personen mit Wohnberechtigungsschein. Bei der Bürgerversammlung in der Sonnenberghalle ist zum ersten Mal die Öffentlichkeit über die Pläne informiert worden. Der vom Gemeinderat favorisierte Standort an der Kreisstraße Richtung Dätzingen gegenüber vom Spielplatz ist umstritten.

Durch den Neubau soll Wohnraum für Flüchtlinge geschaffen werden, aber auch für in Wohnungsnot geratene deutsche Familien. „Deutsche mit geringem Einkommen finden derzeit auch keine Wohnungen mehr“, sagt die Leiterin des Aidlinger Familienbüros, Ursula Kubin.

Hauptmieter des geplanten Gebäudes werden allerdings Flüchtlinge sein, für die Aidlingen in der Anschlussunterbringung Wohnraum zur Verfügung stellen muss. „Das ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen“, betont Bürgermeister Ekkehard Fauth. Derzeit wohnen 135 Flüchtlinge, vor allem aus Syrien, Afghanistan und dem Irak, in Aidlingen, davon 61 Kinder und Jugendliche: 31 in Aidlingen, 38 in Deufringen, vier in Dachtel und drei unbegleitete Jugendliche in Lehenweiler.

62 dieser Flüchtlinge sind in Privatwohnungen untergekommen – 47 in Aidlingen und 15 in Lehenweiler. „Damit haben wir den derzeit zur Verfügung stehenden Wohnraum ausgeschöpft“, so Ekkehard Fauth.

Knapp 900 Flüchtlinge leben derzeit in den Sammelunterkünften des Landkreises. Nach der Einwohnerzahl berechnet sich die Quote, nach der die 26 Kreiskommunen Wohnraum für diese Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung finden müssen. Demnach muss Aidlingen in diesem Jahr 49 Personen unterbringen – elf wurden bislang aufgenommen. Die vorläufige Prognose für das kommende Jahr beträgt 17 weitere Personen. Für mindestens 55 Flüchtlinge fehlt also Wohnraum in Aidlingen.

37 Meter lang und 15 Meter breit soll das zwei- bis dreigeschossige Gebäude mit Sozialwohnungen für 60 Personen sein, wie der stellvertretende Ortsbaumeister Dan Häring erläutert: „Ein Massivbau ohne Keller.“ Vier mögliche Standorte hat der Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung unter die Lupe genommen - im Schlehenweg in Dachtel, auf dem Parkplatz der Buchhaldenhalle und auf dem Schotterrasenplatz vor der Sonnenberghalle. Der vom Gemeinderat favorisierte Standort biete jedoch am meisten Platz und habe die beste Anbindung, sagt Ekkehard Fauth.

Entschieden ist noch nichts: „Die von der Bürgerschaft geäußerten Meinungen bilden die Grundlage für die weitere Diskussion des Themas im Gemeinderat“, so Ekkehard Fauth. Und Kritik gibt es in der Tat: Eine zu starke Konzentration von Flüchtlingen an einer Stelle und eine mögliche Wertminderung angrenzender Grundstücke, lauten die Argumente gegen den Standort.

Mehrere kleinere Gebäude an verschiedenen Standorten seien durchaus möglich, sagt Ekkehard Fauth: „Dies wäre aber erheblich teurer.“ Wichtig sei, dass sich gerade auch kritische Bürger in der Debatte einbringen, sagt Ursula Kubin: „Alle sollen ihre Meinung sagen dürfen, wir müssen gemeinsam diskutieren.“ Probleme mit Flüchtlingen habe es in Aidlingen bislang nicht gegeben, sagt Ekkehard Fauth: „Alle geben sich die größte Mühe, sich zu integrieren.“

Am 19. Juli wird der Aidlinger Gemeinderat das Thema öffentlich beraten.