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Von unserem Redakteur 
Dirk Hamann · 10.09.2020

Böblingen: Stühlerücken in der Böblinger Gastro-Szene

Kreis Böblingen: Nach 19 Jahren schließt die Gastronomin Irene Wild ihr Restaurant zum Alten Bahnhof in Holzgerlingen / Am 1. März übernimmt Michaela Arzt vom Böblinger Café Schilling den Betrieb

Nichts los bei schlechtem Wetter: Weil wegen der Corona-Pandemie zu wenig Gäste das Restaurant im Alten Bahnhof in Holzgerlingen aufsuchen, zieht Wirtin Irene Wild vor den kommenden Herbst- und Wintermonaten die Reißleine. Den Betrieb übernimmt ab März Michaela Arzt, seit 23 Jahren Wirtin des Café Schilling in Böblingen. Bild: Hamann

18 Jahre lang fuhr der Alte Bahnhof in Holzgerlingen auf der Erfolgsschiene. Wirtin Irene Wild (Bild: z) sorgte mit ihrer Umtriebigkeit für Leben in der Bude. Das Restaurant? Durchweg gut besucht. Die Terrasse oder der Biergarten? Bei Sonnenschein immer mit Gästen gefüllt. Dazu kamen Hochzeitsfeiern, Familienfeste sowie einmal im Jahr eine 12-Inch-Revival-Party, bei der 500 Nachtschwärmer vergangener Böblinger Disco-Zeiten. Jetzt zieht Irene Wild wegen den Auswirkungen der Corona-Pandemie die Notbremse. Am 27. September hört sie auf. „Ich will mich in den Wintermonaten nicht verschulden und meine Rente gefährden“, sagt die 60-Jährige. „Dieser Schritt tut zwar richtig, richtig weh. Aber das Risiko ist mir zu groß.“

 

Bis 1966 diente das 1909 errichtete Gebäude, in dem sich das Restaurant befindet, als Bahnstation. Der dazu gehörende Schuppen, der heute ein urgemütlicher Gastraum ist, war bis 1988 noch ein Kohlelager. Die Sonnenterrasse auf der Seite der Bahngleise der Schönbuchbahn war einst eine Laderampe. Direkt daran schließt sich ein geschotterter Biergarten an. Ein Ensemble, dass der Schönbuch Braumanufaktur gehört. Und von Irene Wild mit schwäbischer Küche und einer großen Portion bespielt wird.

 

 

Gastronomie? Das war schon immer ihr Ding, auch wenn sie einst eine Ausbildung als Zahnarzthelferin absolviert hat. In den 1980er Jahren übernahm sie eine Kneipe in Hildrizhausen. Dann stürzte sie sich in der Böblinger Bahnhofstraße gleich in zwei Abenteuer, nahm dort die „Börse“ – Bistro und Pension in einem – sowie die Diskothek „12 Inch“ unter ihre Fittiche. Schließlich landete Irene Wild vor 19 Jahren in Holzgerlingen. Eigentlich wollte sie den Alten Bahnhof auch noch bis zur Rente erfolgreich weiterführen. Doch dann kam Corona. Und durchkreuzte alle Pläne für die kommenden Jahre.

 

 

Düstere Herbst-Aussichten

 

 

Seit März ist im Alten Bahnhof nichts mehr so wie zuvor. Zuerst musste er geschlossen bleiben. Irene Wild hielt ihren Betrieb zunächst mit einem Lieferservice über Wasser. Und als wieder bewirten durfte, tröpfelten die Gäste aus Furcht, sich zu infizieren, nur spärlich ins Restaurant. Besser war's den Sommer über. „Bei schönem Wetter lief's gut. Da waren die Terrasse und der Biergarten immer gut besucht“, erzählt die Gastronomin. „An Regentagen war dafür eher nichts los.“ Dazu fielen geplante Feste und Feiern aus, wichtige, Umsatz bringende Veranstaltungen brachen weg. Dafür machten sich in ihr düstere Gedanken breit, wenn sie den Blick nach vorne richtete. „Es kommen der Oktober oder November. Wenn der Herbst da ist, sich draußen nichts mehr abspielt – wie soll es dann weitergehen?“, fragt Irene Wild. Und kam zu einem klaren Ergebnis: gar nicht. „Die Gefahr, dass ich mich hoch verschulden müsste, um den Betrieb am laufen zu halten, war mir zu groß. Um das zu machen, müsste ich meine Rente riskieren“, sagt sie. Den Abgrund vor Augen zieht sie lieber die Notbremse.

 

 

Bis zum 27. September sitzt Irene Wild noch im Führerhaus des Alten Bahnhofs. Dann schließt sie zu. Und dann? „Ich weiß es noch nicht“, erklärt. sie. Nach 38 Jahren in der Selbstständigkeit steht die Gastronomin erst einmal mit leeren Händen da. Ein paar Monate könnte sie von Angespartem zwar noch zehren – doch diese Mittel reichen nicht aus, um sich frühzeitig in den Ruhestand verabschieden zu können.

 

 

Bereit für Neues

 

 

„Vier Jahre muss ich noch arbeiten“, verrät Irene Wild. Wo, wie und als was? Das lässt sie erst einmal auf sich zukommen. „Ich habe schon ein paar Angebote. Mal schauen, was draus wird“, sagt sie. Und fügt zuversichtlich hinzu: „Irgendetwas wird sich schon ergeben – so war es in meinem bisherigen Leben ja schon immer so. Wer weiß, vielleicht hat am Ende ja auch alles etwas Gutes?“ Eines möchte sie allerdings nicht mehr machen, ergänzt Irene Wild: „Ich will nicht mehr in der Küche stehen. Das habe ich die vergangenen 16 Jahre gemacht – das reicht.“

 

 

Und der Alte Bahnhof? Der bleibt den Winter über geschlossen. Und macht am 1. März wieder auf. Neue Cheffin ist dann erneut ein in der hiesigen Gastronomie bekanntes Gesicht: Michaela Arzt (Bild:z) , die seit 23 Jahren das Café Schilling in Böblingen führt, übernimmt das Lokal in Holzgerlingen. „Mein Mietvertrag läuft aus“, verrät Michaela Arzt. Und der Vermieter habe andere Pläne.

 

 

Als die Schönbuch Braumanufaktur davon Wind bekommen hat, hat sie die Böblinger Gastronomin angefragt, ob sie nicht den Alten Bahnhof übernehmen wolle. „So schwer mir der Abschied auch fehlt, mich vom Café Schilling verabschieden zu müssen, so sehr freue ich mich auch auf die neue Aufgabe. Es wird bestimmt auch in Holzgerlingen kuschelig und schön.“