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Von unserem Redakteur Jürgen Wegner · 15.08.2018

Blechlawinen im Berufsverkehr

Böblingen: Mit dem Umbau der Thermalbad-Kreuzung sind die Probleme der Auto- und Motorradfahrer nicht kleiner geworden / SZ/BZ-Serie „Früher und heute“ (Teil 2)

  • Daumen runter: Wolfgang Nast mag die Thermalbad-Kreuzung nicht. Bild: Wegner

  • Aufnahme heute Bild: Stampe

  • Aufnahme früher Bild: Stampe

Wolfgang Nast ist ganz und gar nicht zufrieden. Im Gegenteil: „Für diesen Murks hat man eine Riesenkohle ausgegeben“, sagt der Wahl Schönaicher, der jeden Tag über die Thermalbad-Kreuzung muss. Dass er mit seinem Ärger nicht alleine ist, sieht er bei jeder Dienstfahrt, wenn sich die Blechlawine nur langsam voran schiebt.

Dabei könnte doch alles so einfach sein. In rund zehn Minuten sollte der Arbeitsweg des in den Pfarrwiesen in Sindelfingen aufgewachsenen Wolfgang Nast erledigt sein. Das war es für den Geschäftsführer der Systel GmbH mit Sitz in der Tilsiter Straße beim Breuningerland zwar auch schon früher nicht, den Stau an der Ampelkreuzung kennt er seit Jahren. Umso mehr Hoffnung weckte die Nachricht, dass der Knotenpunkt am Thermalbad „ertüchtigt“ wird, wie es Verkehrsplaner sagen.

Die beiden Luftbilder auf dieser Seite zeigen den Unterschied von einst und heute. Inklusive des neuen Anschlusses des Herdwegs an die Panzerstraße haben Landkreis, Stadt und Land rund 5 Millionen Euro in den Aus- und Umbau gesteckt.

Dass das alles nicht so ganz hingehauen hat, zeigte sich schon direkt nach der Einweihung im Juli 2016. Die Feierreden waren kaum verklungen, da quälte sich der Verkehr in Richtung Schönaich. Der Flaschenhals vor der Krankenhauskreuzung sorgte für Schleichfahrt. Zuvor schon hatte Böblingens OB Wolfgang Lützner gesagt: „Ich weiß, in den Stoßzeiten haben wir ein Problem. Da werden wir noch nachjustieren, das bekommen wir hin.“

Stop-and-Go ab Schönaich

Wolfgang Nast kann darüber nicht einmal lachen. Wenn er morgens zur Arbeit fährt, dann ist das Wort „fahren“ ein schlechter Witz: „Ich stehe eigentlich immer schon ab dem Schönaicher Kreisverkehr.“ 50 Minuten Dienstweg und mehr sind keine Seltenheit. An schönen Tagen weicht er aufs Motorrad aus und kommt trotzdem spät ans Ziel – was auch an den Um- und Schleichwegen liegt, die er wählt. Und genau damit gehört er zu denjenigen, die ein Hauptziel des Umbaus konterkarieren.

Denn eine Idee war es, die Stuttgarter Straße als Schleichweg in Richtung Böblinger Innenstadt so unattraktiv wie möglich zu machen, wenn die Autobahn wieder einmal verstopft ist. Nicht umsonst musste für den Ausbau der Mineraltherme eine Spur weichen. „Jetzt sind es eben nicht mehr die Leute, die von der Autobahn kommen, sondern Menschen wie ich aus Richtung Steinenbronn, die für die Belastung der Anwohner sorgen“, sagt Wolfgang Nast.

Dieser Knoten ist also noch lange nicht gelöst. Es sind zu viele Ampeln auf ziemlich kurzer Strecke für zu viele Autos, die zu wenig Fahrstreifen haben. Und die Probleme enden auch nicht hinterm Flaschenhals, der auf der Panzerstraße viel zu früh kommt. „Das mindestens genauso große Problem ist die unsägliche Krankenhauskreuzung“, sagt Wolfgang Nast. Die Lösung? „Wenn ich das wüsste, würde ich als Verkehrsplaner mein Geld verdienen.“

„Eines scheint klar zu sein. Mit ein bisschen Feintuning an der Ampelschaltung ist es nicht getan, um der Verkehrsmenge Herr zu werden“, schrieb SZ/BZ-Redakteur Hansjörg Jung im Oktober 2016. Und weiter: „So wird man um die eine oder andere Spurverbreiterung und Verlängerung nicht herumkommen, um den Karren wieder flott zu bekommen. Hier sind die Verkehrsstrategen gefragt, die bislang zu kurz gesprungen sind. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.“

Wolfgang Nast schaut schon mal nach vorne. Lustig ist das nicht: „Wenn ich nur daran denke, dass die Amis ihren Supermarkt bekommen und wir die neue Autobahnauffahrt am Breuningerland, dann sage ich: Gute Nacht.“

 

 

Jürgen Wegner hat meistens Glück: Wenn er zu Freunden nach Steinenbronn über die Thermalbad-Kreuzung fährt, ist der Berufsverkehr in der Regel vorbei.