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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 02.04.2016

Bewährungsstrafe für Zuhälter

Böblingen/Sindelfingen: 30-Jähriger kommt nach Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß

Wegen versuchten Menschenhandels sowie wegen Zuhälterei ist ein 30 Jahre alter Böblinger vom hiesigen Amtsgericht zu der Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt worden. Eine heute 24 Jahre alte Rumänin arbeitete für ihn von Mai 2011 bis August 2012 vorwiegend in einem Bordell in Böblingen.

In einem Großbordell in Stuttgart hat das Landeskriminalamt Ende 2014 eine Razzia durchgeführt. Im Raum standen unter anderem der Verdacht des Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung und der Verdacht der Zuhälterei. Im Zuge der Ermittlungen fanden die Beamten Belegungslisten, aus denen hervorgeht, welche Frau an welchem Tag in dem Bordell anschaffen ging. Über diese Listen stießen die Beamten auch auf eine heute 24 Jahre alte Frau aus Rumänien.

Sie wurde im Frühjahr 2011 von einem rumänischen Ehepaar unter einem Vorwand dazu gebracht, mit ihm nach Österreich zu reisen. Die Frau erzählte ihr, in Österreich würde sie eine Person pflegen und bräuchte dafür Hilfe. Zudem ginge sie am Wochenende einem gut bezahlten Job als Tänzerin in einer Bar nach. „Meine finanzielle Lage und die meiner Familie war schlecht. Daher habe ich zugesagt“, sagte die 24-Jährige.

In Österreich angekommen, erfuhr sie, worum es dem Ehepaar tatsächlich ging: um Prostitution. „Ich sah den Club und habe dann bemerkt, in welchem Schlamassel ich gelandet bin“, sagte die 24-Jährige. Da sie Schulden bei dem Ehepaar hatte, willigte sie ein, als Prostituierte so lange zu arbeiten, bis die Schulden bezahlt sind. Nach wenigen Wochen kehrte sie mit dem Ehepaar in ihr Heimatland zurück.

Etwa 14 Tage später meldete sich die Frau erneut. „Sie sagte, sie würden nach Deutschland fahren und ich müsse mitkommen. Ich wollte nicht. Sie sagten, sie wüssten, wo ich wohne und würden alles meinen Eltern erzählen. Aus Angst vor der Schande bin ich mitgegangen“, schilderte die 24-Jährige, die als Beruf Studentin vorgibt, die aber in einer Fabrik arbeitet.

In einem Böblinger Bordell lernte sie die Freundin des 30 Jahre alten Angeklagten kennen, die ebenfalls als Prostituierte arbeitete. „Ich habe ihr von dem Ehepaar erzählt und davon, dass ich schlecht behandelt werde“, sagt die 24-Jährige. Die Freundin des Angeklagten erzählte, dass ihr Freund helfen könne. Sie stellte den Kontakt her, alle drei trafen sich in der Sindelfinger Wohnung des Angeklagten.

„Ich habe ihr gesagt, dass ich helfen kann. Ich habe aber gesagt, dass ich das nicht umsonst mache“, so der Angeklagte, der als Schutzgeld 200 Euro wöchentlich forderte. Die 24-Jährige willigte ein.

„Ich bin den Deal mit den 200 Euro wöchentlichem Schutzgeld eingegangen“, sagte die 24-Jährige, die in einem Zeugenschutzprogramm ist und von Mitarbeitern des Landeskriminalamts zur Verhandlung begleitet wurde. Letztlich sei der Deal aber nicht zustande gekommen. Der Angeklagte habe ihr erzählt, er hätte Stress mit ihrem ehemaligen Zuhälter gehabt, dieser wolle sie zurückhaben.

Der Angeklagte forderte in diesem Zusammenhang nun die Hälfte der Einnahmen der 24-Jährigen. Darauf ließ sie sich ein. Sie habe einige Wochen arbeiten wollen, um Geld für die Rückkehr nach Rumänien zu sparen. Aber auch diese Abmachung war rasch hinfällig, der Angeklagte kassierte ab September 2011 bis August 2012 die gesamten Einnahmen ein.

„Ich habe nur das Geld gesehen. Ich weiß, dass das nicht fair war. Ich bin auch überhaupt nicht stolz darauf, was ich gemacht habe“, sagte der Angeklagte, der etwa sechs Jahre lang bei der Bande „United Tribuns“ Mitglied war und es dort zum Präsidenten eines sogenannten Chapters brachte. Diese Organisation wird mit Menschenhandel, Drogendelikten und Zuhälterei in Verbindung gebracht.

Mithilfe eines Freiers gelang es der 24-Jährigen schließlich, sich im August 2012 in ihre Heimat abzusetzen. „Ich konnte es psychisch nicht mehr ertragen. Ich dachte damals, entweder laufe ich weg, oder ich begehe auf irgendeine Art und Weise Selbstmord“, sagte die 24-Jährige, die inzwischen nichts mehr mit der Prostitution zu tun hat.

Der Angeklagte wurde vom Schöffengericht zu der Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt, die Bewährungszeit beläuft sich auf drei Jahre. Der Haftbefehl wurde aufgehoben, nach knapp sechs Monaten in Untersuchungshaft ist der 30-Jährige damit wieder auf freiem Fuß.

Die Anklage lautete schwerer Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung. Letzten Endes ist ein 30-Jähriger nur wegen versuchten Menschenhandels und Zuhälterei verurteilt worden. Bild: Andrey Burmakin / Fotolia