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Von unserem Mitarbeiter Heinz Richter · 03.09.2018

Bei den Flugtagen des Flugsportvereins Sindelfingen am Egelsee sehen die Gewinner des SZ/BZ-Gewinnspiels ihre Heimat von oben

Die ganze Faszination des Fliegens

Bei den Flugtagen in Deckenpfronn konnten die Flugzeuge am Samstag noch starten und landen, am Sonntag mussten die meisten Maschinen auf dem Boden bleiben, die Wolken hingen zu tief. Die Zuschauer kamen trotzdem in großer Zahl. Bild: Richter

Eigentlich sollte der Sonntag der Haupttag bei den Flugtagen beim Egelsee am Rande Deckenpfronns sein. Aber die Wolken hingen so tief, dass noch nicht einmal die Rundflüge möglich waren. Auch Kunstflugakrobat Thomas Bader aus Gosheim bei Tuttlingen kam lieber mit dem Auto. Am Samstag hatte er die Zuschauer mit seinen Flügen begeistert.

Thomas Bader, 53, Maschinenbau-Unternehmer, war mit seinem Vater, einem begeisterten und erfolgreichen Flieger, schon als Baby mit auf dem Flugplatz Klippeneck in der Nähe seines Heimatortes Gosheim. Mit zehn Jahren steuerte er Modellflugzeuge. Mit 14 begann er seine Ausbildung zum Segelfliegen, mit 21 Jahren war er Deutschlands jüngster Segelfluglehrer und bereits Besitzer einer Kunstfluglizenz. Am Samstag flog er mit seiner „Extra 330 SL“ (320 PS) in zwölf Minuten von Schwenningen nach Deckenpfronn. 2012 war er Deutscher Vize-Meister im Kunstflug.

Anfang August nahm er in Lodrino bei Locarno in der Schweiz außer Konkurrenz bei den schweizerischen Meisterschaften im Kunstflug teil. „Wäre ich gewertet worden, wäre ich jetzt Schweizer Vizemeister“, sagt er. Seine mehrfachen Purzelbäume, die „Lomcovacs“ wurden von den Zuschauern bestaunt.

Eine Attraktion für die fast 2000 Zuschauer an den beiden Flugtagen vom Flugsportverein Sindelfingen war die Formation der Hanns-Klemm-Flugzeuge, die am Sonntag knapp unter den nur 400 Meter hoch hängenden Wolken in einer Formation von drei Flugzeugen direkt auf die Zuschauer am Rande des Fluggeländes zukamen. Es folgten Flüge über die Flugplatzbahn.

Die drei Piloten von der Flugsportgruppe Hanns-Klemm Böblingen-Calw Edgar Müller, Peter Barthold und Manfred Schade flogen eine Klemm 25 aus dem Jahr 1934 und zwei Klemm 107C aus dem Jahr 1959. Während sie am Samstag nach der Landung in Deckenpfronn wieder auf den Flugplatz des Böblinger Vereins in Eutingen zurückfliegen konnten, war ein Start am Sonntag bei aufkommendem Regen nicht mehr möglich. Die Flugzeuge blieben in der Halle in Deckenpfronn und die Piloten mussten die Heimreise mit dem Auto antreten.

Die Welt und ihre Nachbarschaft von oben erlebten vier Leser der SZ/BZ bereits am Samstag. Claudia Behrens aus Magstadt, Friedrich Kerres aus Sindelfingen, Elsbeth Binder aus Sindelfingen und Karl-Heinz Hannweber aus Maichingen hatten beim SZ/BZ-Gewinnspiel die Flüge gewonnen. Natürlich flog der Pilot von Deckenpfronn aus über Sindelfingen, Maichingen und Magstadt und die Gewinner konnten ihr Zuhause von oben sehen.

Am Nachmittag startete Pilot Peter Kreinhöfer mit der Jodel DR 400 (180 PS) zu einem Erkundungsflug, um zu klären, ob Rundflüge mit diesem Viersitzer möglich sind. Was am Samstag bei einer Wolkendecke in etwa 1500 Meter Höhe kein Problem war, bedeute am Sonntag bei knapp 400 Meter das Aus.

In der Halle konnten die Besucher historische Flugzeuge bewundern. Ein Segelflugzeug Schemp-Hirth Gö-4 mit einer Spannweite von 14,8 Metern. Die Maschine hatte ihren Erstflug 1937. Hergeflogen hat sie von Kirchheim/Teck Tilo Holighaus, Chef der Firma Schemp-Hirth. Einmal im Jahr fliegt er an seinem Hochzeitstag mit diesem Flugzeug, aber möglichst keine Strecken über 50 Kilometer. „Der Sitz ist unbequem und man spürt schnell den Rücken“, klagt er.

Auch zu sehen ein Segelflugzeug, die K6 von Alexander Schleicher, die ihren Erstflug 1955 hatte.

Für die Modellflieger, die als Abteilung auch zum FSV Sindelfingen gehören, bedeutete das Wetter keine Probleme. In rasend schneller Geschwindigkeit drehte ein blauer Rotax-Falke seine Runden. Ein ASW15B-Segler folgte.

Flug mit der Stradivari

Ein Jahr hat Stefan Bauer an seinem Modellflugzeug Lo 100 gearbeitet, bis es flugfähig war. 3500 Euro brauchte er an Material. Auf dem Deckenpfronner Fluggelände zeigte er mit dem Flieger mit einer Spannweite von 4,30 Metern, was im Modellflug alles möglich ist.

Stradivari nennt Uwe Morgenstern seinen Segelflieger K6, Baujahr 1959. Mit viel Holz hat er das Flugzeug restauriert. „Segelfliegen war schon immer mein Kindheitstraum“, betont er. 1991 hat er die K6 gekauft. „Es ist der Porsche unter den Segelfliegern“, behauptet er. Er hat noch ein zweites modernes Segelflugzeug.

Daniel Köhler aus Altdorf, einer der besten Modellflieger, der schon bei der Weltmeisterschaft teilgenommen hat, kam mit seinem Modellflugzeug SU-3. Es hat eine Spannweite von 2,75 Meter.

Auf einem Platz neben den Flugzeughallen standen Oldtimer-Autos. Darunter ein Citroën 11 CV BL aus dem Jahr 1938 und ein Golf GTI mit 139 PS, Erstzulassung 1986. Gleich daneben ein Mercedes Benz 220 S, Baujahr 1959. Auch die wurden bewundert.

SZ/BZ-Mitarbeiter Heinz Richter geht ausgerüstet mit Stift und Kamera besonders gern zu den Flugtagen.