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Von unserem Redakteur Steffen Müller · 03.04.2009

Bei 40 Grad ist noch lange nicht Schluss

Ski alpin: Freeride-Ausfahrt der Skischule Klotz aus Sindelfingen und der Sektion Schwaben des Deutschen Alpenvereins ins Arlberg-Gebiet

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rend im Tal die ersten Frühlings-Blumen vorsichtig ihre Köpfe aus dem Boden schieben, zieht es die achtköpfige Gruppe aus Sindelfingen in den Schnee - und der lässt sich nicht lumpen: 3,50 Meter der weißen Pracht liegen derzeit rund um den Arlberg und sorgen für traumhafte Ski-Bedingungen.

 

Ganz besonders, wenn man es auf die Hänge neben den präparierten Pisten abgesehen hat - so wie die Sindelfinger. Die Teilnehmer der Freeride-Ausfahrt der Profi-Skischule Klotz und des Deutschen Alpenvereins (DAV), Sektion Schwaben, haben es also perfekt erwischt.

 

Ein halber Meter Neuschnee liegt am ersten Tag auf den Hängen des Rendl-Skigebiets. Perfekt, um sich mit der naturbelassenen weißen Pracht zu gewöhnen. Während Skischulleiter Robert Klotz die richtige Tiefschnee-Technik vermittelt und Klaus Berghold, Bergsportreferent des DAV Schwaben den Umgang mit den Verschütteten-Suchgeräten erklärt, steigt die Vorfreude auf die unverspurten Hänge. Die halten, was sie aus der Ferne versprechen. Traumhafte Abfahrten und eine Prise Abenteuer, als sich die Gruppe in einer kleinen Rinne an den Felsen vorbei mogeln muss. Gefahr besteht hier allerdings höchstens für den Belag der Ski, schließlich ist das Gefälle am ersten Tag noch überschaubar, was die Gefahr einer Lawinen-Auslösung verringert. Riskanteren Unternehmungen erteilt Klaus Berghold an diesem Tag eine Absage: "Die steilen Rinnen sind im Moment einfach zu gefährlich."

 

Wie zur Bestätigung dringt alle paar Minuten das Wummern von Lawinensprengungen durch die Bergwelt. Auch am zweiten Tag wollen die Schneefälle zunächst nicht aufhören, doch gegen 10.30 Uhr zeigte sich die Sonne über der Ulmer Hütte. Also nichts wie rein ins Vergnügen. Unberührte Hänge soweit das Auge reicht. Die breiten Tiefschnee-Ski schwimmen auf dem weichen Untergrund mühelos auf und lassen einen fast mühelos in Richtung Tal schweben. Am Nachmittag wird es etwas kniffliger. Die Hänge unterhalb der Zammermoosbahn sind steil und zerfahren, die Oberschenkel brennen.

 

Traumhänge am Albonagrat

 

Im Vergleich zu einem Paar aus Spanien sehen die Sindelfinger allerdings noch recht entspannt aus. Mitten im Tiefschnee graben die beiden Iberer nach einem verlorenen Ski - seit über zwei Stunden. Auch mit vereinten Kräften ist das gute Stück nicht auffindbar.

 

Nach einer kurzen Nacht auf der Hütte folgt am nächsten Tag der Höhepunkt der Ausfahrt. Die Abfahrt von Albonagrat auf der Stubener Seite des Skigebietes steht auf dem Programm. 1000 Höhenmeter geht es ohne einen Meter Piste dazwischen durchs steile Gelände - knapp 40 Grad beträgt hier das Gefälle - nichts für schwache Nerven und schlechte Skifahrer. Klaus Berghold fährt an einer ungefährlichen Stelle in den Hang ein, während sich nebenan ein Skifahrer unter einer mächtigen Wechte in den Hang stürzt: "Das kann man durchaus mal machen", sagt Berghold, "wenn man nicht an seinem Leben hängt. Beim zweiten oder dritten Versuch geht es mit hoher Wahrscheinlichkeit schief." Diesmal hat der Mann auf Abwegen Glück.

 

Für die Gruppe geht es nach der Kräftezehrenden Abfahrt an die nächsten Traumhänge. Wer am Nachmittag noch nicht genug hat, auf den wartet noch die kurze aber steile Variante vom Schindlergrat, die mit rund 45 Grad, also 100 Prozent Gefälle aufwartet: "Ab so einem Gefälle sollte man möglichst nicht stürzen, sonst fährt man den Rest des Hanges auf dem Bauch ab", sagt Klaus Berghold. Das Abendessen und das Weizenbier haben sich an diesem Abend alle redlich verdient.

 

Etwas gemütlicher geht es dann am Abschlusstag am Sonnenkopf zu. Nach drei Tagen Gelände weiß man zwischendurch durchaus auch eine Piste wieder zu schätzen.

 

Nähere Informationen zum Freeriden gibt es bei der Skischule Klotz in Sindelfingen (www.skischule-klotz.de) und bei der Sektion Schwaben des DAV (www.dav-schwaben.de).

 

Robert Klotz zieht die ersten Spuren in den unberührten Schnee.

 

DAV-Hochtourenführer Klaus Berghold unterhalb des Schindlergrats.

 

Das Arlberg-Gebiet machte seinem Ruf als Freeride-Mekka alle Ehre. Bilder: Müller