Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 17.06.2014

Auf die Flasche folgen Fäuste

Kreis Böblingen: Wegen gefährlicher Körperverletzung verteilt

Zuerst flog eine Flasche, danach flogen die Fäuste: Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde ein 18-jähriger Böblinger zur Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der 19 Jahre alte Mitangeklagte erhielt eine Jugendstrafe in Höhe von zehn Monaten. Beide schlugen gemeinsam in Stuttgart am Hauptbahnhof auf zwei junge Männer ein.

Spätestens nach dem Plädoyer seiner Verteidigerin war klar, dass der Weg des 18 Jahre alten Angeklagten aus Böblingen in Richtung Jugendstrafanstalt führen wird. „An einer Einheitsjugendstrafe ohne Bewährung führt nichts vorbei. Ich habe keine Argumente für einen anderen Antrag in der Hand“, sagte die Anwältin.

Der 18-Jährige und der 19 Jahre alte Mitangeklagte, ebenfalls aus Böblingen, waren am 19. Oktober morgens gegen ein Uhr an der S-Bahn Stuttgart Hauptbahnhof unterwegs. Sie rauchten oberhalb der Ebene der Bahnlinie eine Zigarette, tranken Bier. Der 18-Jährige warf schließlich die leere Bierflasche auf den Bahnsteig, der von einigen Personen bevölkert war. Es war letztlich nur der schiere Zufall, dass niemand von dem Geschoss getroffen wurde. Ein 19-Jähriger aus Asbach stellte den Angeklagten zur Rede, rief nach oben, was dieser Wurf solle und forderte den Angeklagten auf, die Scherben zusammenzukehren.

Der 18-Jährige lief die Treppe hinunter zum Bahnsteig, sein 19-jähriger Freund folgte dicht hinter ihm. Nach einer kurzen verbalen Auseinandersetzung kassierte der junge Mann, der sich über den Flaschenwurf beschwert hatte, einen Faustschlag ins Gesicht und weitere Schläge gegen den Körper. Ein Freund des Geschädigten wurde ebenfalls malträtiert, ihn erwischte es schwer: Er erlitt einen Jochbeinbruch und Prellungen, lag eine Woche im Krankenhaus und war sechs Wochen lang krank geschrieben. Das Gesichtsfeld des jungen Mannes ist eingeschränkt. „Ein Auge sitzt jetzt weiter hinten. Wenn ich damit nach unten schaue, sehe ich schlechter als zuvor“, sagte der Asbacher.

Die Angeklagten räumten den Sachverhalt ein. Ihre Aussagen waren allerdings wenig ergiebig, teilweise inhaltlich wie auch akustisch kaum zu verstehen. Schwer vorstellbar, dass sie außerhalb der Räume des Amtsgerichts mit einer ähnlich zaghaften und fast weinerlichen Stimme auftreten. „Ich kann mich nicht mehr erinnern, es ist halt passiert“, sagte der 18-Jährige, der zum Tatzeitpunkt 1,5 Promille Alkohol im Blut hatte. Der 19 Jahre alte Angeklagte, er hatte ein Promille Alkohol intus, hatte nicht etwa vor, seinen Freund zurückzuhalten, vielmehr mischte er munter mit.

Die Tat der Angeklagten wurde von einer Überwachungskamera gefilmt. Somit blieb ihnen auch nichts anderes übrig, als ein Geständnis abzulegen. „Man kann von Glück sagen, wenn man einmal solche Beweismittel zur Verfügung hat“, sagte Richter Scheible, der den 18 Jahre alten Angeklagten zu der Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilte.