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Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber · 19.01.2018

„Auf die Erzählweise einlassen“

Sindelfingen: Die Schaubühne präsentiert ab heute im Theaterkeller „Die arabische Nacht“ von Roland Schimmelpfennig

Am heutigen Freitag, 19. Januar, feiert die Schaubühne Sindelfingen im Theaterkeller Premiere mit dem Stück „Die arabische Nacht“ von Roland Schimmelpfennig. Dabei arbeitet das Amateurensemble zum vierten Mal mit dem Profi-Regisseur und Schauspieler Dino Scandariato zusammen.

Die SZ/BZ hat sich mit Ensemblemitglied Dr. Bernd Schmalenbach über die Produk–tion unterhalten.

Sie bezeichnen „Die arabische Nacht“ als „Märchen für Erwachsene“. Was heißt das?

Bernd Schmalenbach: „In dem zunächst vertraut wirkenden Rahmen eines Hochhauses finden sich nach und nach Elemente, die klassischerweise in Märchen zu finden sind – etwa eine Prinzessin, die wachgeküsst werden soll. Daraus entwickelt sich eine Geschichte, die bis zuletzt geheimnisvoll bleibt und sich nicht eindeutig enträtseln lässt. Das macht die Faszination des Stückes aus, von dem das Ensemble gleich bei der ersten Lektüre in den Bann gezogen wurde.“

Für Kinder ist dieses Märchen aber nichts?

Bernd Schmalenbach: „Nein. Ich würde sagen, dass Zuschauer ab 15 Jahren damit etwas anfangen können. Unter anderem muss man mit der ungewöhnlichen Erzählweise von Roland Schimmelpfennig zurechtkommen. Es gibt wenige Dialoge im eigentlichen Sinn, sondern ineinander verschränkte Monologe. Die Figuren führen immer wieder Selbstgespräche, in denen sie erzählen, was sie erleben und empfinden. Das Publikum kann den Gedanken der Protagonisten zuhören. Auch dies sorgt für eine eigentümliche, märchenhafte Atmosphäre, auf die sich der Zuschauer einlassen muss und die hervorragend vom aufwendigen Bühnenbild begleitet wird, nach einer Idee des Regisseurs und umgesetzt von Fabian Krause.“

Das klingt nach einer Herausforderung für die Darsteller – neben Ihnen sind dies Gisela Samesch, Katrin von Hochmeister, Florian Penkwitt und Volker Bönisch.

Bernd Schmalenbach: „Das ist richtig: Dieses Stück einzustudieren war heftig. Auch als Darsteller muss man sich erst einmal auf diese ungewöhnliche Erzählweise einlassen.“

Wer hat das Stück ausgewählt?

Bernd Schmalenbach: „Die Schaubühne Sindelfingen lässt den Profis, mit denen sie zusammenarbeitet, gerne freie Hand, damit eine Inszenierung entstehen kann, die zur Handschrift des Regisseurs passt und durch dessen Begeisterung für den Stoff getragen wird. Der Vorschlag von Dino Scandariato, ‚Die arabische Nacht‘ zu spielen, passte hervorragend, denn wir wollten nach ‚Bezahlt wird nicht‘ und ‚Venedig im Schnee‘ nicht die dritte Komödie in Folge in den Theaterkeller bringen.“

Die Darsteller müssen zum Stück passen

Die Inszenierung muss nicht darauf Rücksicht nehmen, dass möglichst viele Ensemblemitglieder eine Rolle bekommen?

Bernd Schmalenbach: „Die Schaubühne hat rund 20 Ensemblemitglieder, und die müssen nicht bei jeder Inszenierung auf der Bühne stehen. Viel wichtiger ist uns, dass die Darsteller zum Stück passen. Wir achten allerdings darauf, dass bei unseren zwei Inszenierungen pro Jahr eine ausgewogene Mischung von Darstellern zum Zug kommt. Deswegen handelt es sich bei unserer näch–sten Produktion, die am 21. September unter der Regie von Annette von der Mülbe Premiere feiert, um ‚Acht Frauen‘ von Robert Thomas.“

Wie ist die letzte Produktion der Schau–bühne, „Venedig im Schnee“, bei der zum ersten Mal Axel Finkelnburg Regie führte, beim Publikum angekommen?

Bernd Schmalenbach: „Hervorragend. Insgesamt hatten wir rund 600 Zuschauer – nach dem Premierenwochenende waren so gut wie alle Vorstellungen ausverkauft.“

Welche Art Stücke kommen beim Publikum am besten an?

Bernd Schmalenbach: „Krimikomödien gehen am besten, dann folgen komödiantische Stoffe insgesamt, dahinter kommt der Rest. Nur Komödien zu inszenieren, kommt für die Schaubühne jedoch nicht infrage: Wir sind auch einem Stammpublikum verpflichtet, das Abwechslung erwartet.“

Info

„Die arabische Nacht“ unter der Regie von Dino Scandariato feiert am heutigen Freitag, 19. Januar, 20 Uhr im Theaterkeller Sindelfingen Premiere. Weitere Vorstellungen am 20., 21., 26. und 27., und 28. Januar sowie am 02., 03. und 04.Februar um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr. Karten beim i-Punkt Sindelfingen, Telefon 0 70 31/94 325. Weitere Informationen unter www.schaubuehne-sindelfingen.de

Volker Bönisch, Katrin von Hochmeister, Gisela Samesch, Florian Penkwitt und Bernd Schmalenbach (von links) in „Die arabische Nacht“. Bild: z