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Von unserer Mitarbeiterin Sabine Haarer · 05.12.2017

„Auf der S6 fällt kein Zug aus“

Kreis Böblingen/Calw: Ausführlichere Prüfung des Fahrplankonzepts der Hermann-Hesse-Bahn liegt vor

In der vergangenen Woche traf man sich in übergeordneter Runde, gestern nun kam der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Böblinger Kreistages zusammen. Das Thema bei beiden Sitzungen: Die Prüfung des Fahrplankonzepts der Hermann-Hesse-Bahn.

Genauer gesagt die zweite Version dieser Prüfung, denn die erste Überprüfung im Jahr 2014 war als nicht detailliert genug eingestuft worden. Seinerzeit hatte man gefordert, dass nicht nur die Hauptverkehrszeiten am Vormittag, sondern auch die am Nachmittag in den Blick genommen werden müssen. Wie der Präsentation zu entnehmen ist, die in Auszügen Thema in der Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses war, wurde die Auswertung bereits am 1. März 2017 von der DB Netz AG freigegeben.

Michael Stierle, Geschäftsführer des Zweckverbandes Hermann-Hesse-Bahn (HHB), konzentrierte sich auf einige zentrale Aussagen. So sichere die Dispositionserklärung, die bereits im Juli unterschrieben wurde, die Vorfahrt der S-Bahn vor der HHB. „Der Betriebsleiter des Netzes wird danach handeln und im Notfall immer die Hermann-Hesse-Bahn ausbremsen“, war eine dieser Aussagen.

Eine weitere: Die S6, die zwischen Weil der Stadt und Stuttgart verkehrt, werde durch die HHB nur „minimal beeinträchtigt.“ Konkret bedeute dies, dass es hier nur Verspätungen im Bereich von zwei bis drei Sekunden gebe. Und: „Es wird auf der S6 kein Zug ausfallen. Weder in der Simulation noch in der Realität.“ Zwei Aussagen, die nach Forderung von Thilo Schreiber, Kreisrat der Freien Wähler und Bürgermeister von Weil der Stadt, ganz explizit im Sitzungsprotokoll des Umwelt- und Verkehrsausschusses festgehalten werden. Auch auf der S60 werde es durch die HHB nur zu „minimalen Verspätungen“ kommen.

„Kopfzerbrechen“ bereite dem Zweckverband der Umstand, dass die geplante Strecke der reaktivierten Bahn über lange Strecken eingleisig sei. Mögliche Verspätungen sollen aber auf Höhe von Ostelsheim aufgefangen werden. Dort ist ein knapp zwei Kilometer langer, zweigleisiger Streckenausbau geplant, der als „Puffer“ diene.

Nicht nur Thilo Schreiber äußerte seine Bedenken zu den vorgelegten Zahlen und Berechnungen, auch Manfred Ruckh (SPD) sprach davon, dass er befürchte, dass „die Wirklichkeit anders aussieht als die tollen Berechnungen auf dem Papier“. Prof. Dr. Dieter Maurmaier (FDP) äußerte „gewisse Zweifel bei einigen Vorgaben“. Er sprach vom „Flaschenhals Renninger Bahnhof“ und gab zu Bedenken, dass die „überschlagene Wende“ im Bahnhof von Weil der Stadt – wenn die eine S-Bahn in den Bahnhof einfährt, kann die schon bereitgestellte S-Bahn abfahren – nicht funktioniere, wenn die HHB die Gleise blockiert.

„Wir wollen in Weil der Stadt den Hausbahnsteig reaktivieren“, sagte Michael Stierle. Dieser befinde sich in Richtung Calw und außerhalb des jetzigen Bahnhofs. Dadurch mute man den Fahrgästen zwar einen kleinen Umweg zur S-Bahn zu, doch die HHB „stehe nicht im Weg“. In den nächsten Wochen wolle man diese Pläne vorantreiben, sagte der Geschäftsführer des Zweckverbandes.

In der Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses gab es nicht nur Kritik am Projekt des Nachbarlandkreises. „Niemand will die Hesse-Bahn verhindern“, versicherte Prof. Dr. Dieter Maurmaier als Replik auf die Aufforderung von Landrat Roland Bernhard man müsse „über den Tellerrand hinausschauen“ und wäre gut beraten, das Projekt „nicht zu verhindern, sondern eine Lösung zu ermöglichen“.

Zudem dachte der Böblinger Landrat laut über eine mögliche Mitgliedschaft des Landkreises Böblingen im Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn nach. Eine aktive Mitgliedschaft wäre „nett aber teuer“, so seine Überlegungen. Seine Wunschvorstellung: „Beratend am Tisch sitzen“ und sich mit einem „gedeckelten Fixbetrag“ beteiligen, so laufe man nicht Gefahr, mögliche Kostensteigerungen und Dauerrisiken mittragen zu müssen.

Einen solchen Vorschlag habe er bereits den Fraktionen des Böblinger Kreistags unterbreitet, ließ Landrat Bernhard gestern Vormittag durchblicken. Der Kreistag werde im kommenden Frühjahr darüber entscheiden, entgegen der ursprünglichen Planung soll das Gesamtgremium aber auch über die Ergebnisse der Fahrplanrobustheitsprüfung informiert werden.

Für die Hermann-Hesse-Bahn soll es am Bahnhof Weil der Stadt einen weiteren Bahnsteig geben, damit der S-Bahn-Fahrplan nicht durcheinandergerät. Bild: Reichert