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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 13.10.2017

Auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen

Kreis Böblingen: Projekt für geflüchtete Frauen beim Landratsamt / Vom Bund gefördert

Das Projekt „Berufliches Empowerment für geflüchtete Frauen im Landkreis Böblingen“ hat das Ziel, eine berufliche Perspektive zu entwickeln und die Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Etwa 35 Prozent aller im Landkreis Böblingen aufgenommenen Geflüchteten, in den Jahren 2015 und 2016 sowie im ersten Halbjahr 2017 rund 5300 Menschen, sind Frauen im Alter zwischen 16 und 40 Jahren, sprich rund 1850 Personen. Hinter dieser Zahl verbirgt sich ein Potenzial an vorhandenen oder künftigen Arbeitskräften. Derzeit ist es den geflüchteten Frauen aber nur schwer möglich, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Die Frauen haben schlechtere Qualifikationen als Männer, weniger Erwerbserfahrung und sind stark in der Familie gefordert, kümmern sich um die Erziehung der Kinder und den Haushalt.

„Grundsätzlich sind die Frauen motiviert zu arbeiten, der Wunsch nach Erwerbstätigkeit ist vorhanden“, sagte Dr. Susanne Worbs vom Forschungszentrum Migration, Integration und Asyl des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Sie war zu Gast bei der Auftaktveranstaltung des Projekts „Berufliches Empowerment für geflüchtete Frauen im Landkreis Böblingen“, Empowerment kann durch Befähigung übersetzt werden.

Das Projekt läuft seit Mitte Mai dieses Jahres, zunächst wird es bis Ende 2018 durchgeführt. Die Kosten dafür werden aus Mitteln des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung“ (IQ) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bestritten, 260 000 Euro sind dafür bereitgestellt. Damit werden unter anderem die Stellen der beiden Projektkoordinatorinnen vom Böblinger Landratsamt, Hanna Hiltner und Alena Babeyeva, finanziert. „Wir müssen die Frauen dort abholen, wo sie sind. Wir brauchen an der Lebenswirklichkeit orientierte Ansätze, wir müssen dabei auch die Familie und die Kinder der Frauen im Blick haben. Wir müssen auf die individuellen Bedürfnisse achten“, sagte Hüseyin Ertunç, Koordinator des IQ-Netzwerks in Baden-Württemberg.

„Die Frauen sind in ihren Familien wichtige Motoren hinsichtlich der Integration und haben einen hohen und nachhaltigen Einfluss auf das Bildungsverhalten ihrer Kinder“, sagte Alfred Schmid, Sozialdezernent im Landratsamt. Die unterschiedlichen Fähigkeiten sollen in Einzelcoachings der geflüchteten Frauen erfasst und geschult werden. Derzeit betreuen Hanna Hiltner und Alena Babeyeva 35 Frauen an den bisher sechs Standorten Sindelfingen, Böblingen, Holzgerlingen, Waldenbuch, Gäufelden und Ehningen. Über die Sozialberatung der Städte und Kommunen kam der Kontakt zu den Frauen zustande. „Unsere Zielgruppe sind geflüchtete Frauen ohne formalen Bildungsabschluss. Wir arbeiten ohne Dolmetscher, die Frauen sollen so auch in den Gesprächen mit uns ihren Wortschatz verbessern“, sagte Hiltner.

Gemeinsam mit den Frauen werden in individuellen, etwa 90 Minuten dauernden Unterredungen Potenziale ermittelt, Handlungsschritte festgelegt und Ziele definiert. Die Anzahl der Einzelgespräche ist von Fall zu Fall unterschiedlich. „Bei den Gesprächen können die Frauen auch ihre Kinder mitbringen“, erklärte Babeyeva, die betonte, dass „wir nur beraten, wir vermitteln nicht“. Stehe eine berufliche Perspektive, so Hiltner, dann werde für die betroffene Frau der Kontakt zum Jobcenter, der Agentur für Arbeit, der IHK oder der Kreishandwerkerschaft hergestellt. Dort können Bewerbungstrainings durchgeführt oder gegebenenfalls Praktika vermittelt werden. Und im besten Fall können die Frauen im Laufe der Zeit in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Hanna Hiltner (links) und Alena Babeyeva, die Projektkoordinatorinnen vom Böblinger Landratsamt. Bild: Oberdorfer