Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Spielen und Gewinnen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden · 11.10.2017

Atmosphärisch und virtuos

Sindelfingen: „Hanke Brothers an friends“ in der Versöhnungskirche

Weil es neben guten schlechte und sogar nichtige Gründe gibt, findet sich zum Feiern immer ein Grund. Einen guten Anlass hatte allerdings die evangelische Kirchengemeinde auf dem Goldberg, zu einer Feier Publikum und Gäste einzuladen: Hanke Brothers and friends spielten in der Versöhnungskirche.

Die feiert dieses Jahr ein Jubiläum. Vor 50 Jahren wurde die evangelische Kirche auf dem Goldberg eingeweiht. Die vier Brüder David, Lukas, Jonathan und Fabian Hanke, die erst vor drei Wochen mit ihrem Auftritt in der Stadthalle für ein ausverkauftes Haus gesorgt hatten, bezeugten zum Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten der Versöhnungskirche, dass sie nichts von ihrer magnetischen Wirkung verloren hatten. Wegen Andrangs waren am Ende Sitzplätze ein sehr knappes Gut.

Passend zu Anlass und Spielort stand der diesmalige Auftritt unterm Motto Versöhnung. Mutmaßungen, die Hanke Brothers, die sich diesmal mit den Brüdern Nico und Simon Ellinger verstärkt hatten, würden deshalb eine Art Kirchentagsauftritt hinlegen, entpuppten sich als falsch. Denn völlig unabhängig von etwaigen Musikinhalten oder -formalien sind die Hanke Brothers und ihre Musik die verkörperte Versöhnung. Das zumindest erklärt der Älteste des Brüderquartetts, Flötist David Hanke, den Besuchern: Allein mit den Instrumenten als da wären Tuba, Flöte, Klavier, Bratsche, Violine und anderes mehr vereine man ganz unterschiedliche Instrumente. Mit Nico und Simon Elllinger, mit den Hankes übers Böblinger Albert-Einstein-Gymnasium bekannt, gesellten sich zum Hanke-Instrumentarium zusätzlich ein Drumset, Gitarre, E-Bass, ein Marimbafon und vokalistische Zusatzpotenz: Simon Ellinger gab zwischendurch Kostproben seiner Popsängertalente.

Aber weniger die Verstärkung durch die Elllinger-Brüder verlieh diesem Auftritt einen sehr anderen Charakter als dem Stadthallenkonzert. Auf dem Goldberg standen anders als am Schnödeneck viele überwiegend knappe statt von symphonischem Ehrgeiz beseelte Kompositionen auf dem Programm, was diesem Kirchenauftritt zu ausgeprägter Kurzweiligkeit verhalf.

Fabian, Youngster des Hanke-Quartetts, in der Stadthalle mit seiner Tuba zuständig für Begleitaufgaben und Spezialeffekte wie urige Walgeräusche oder Didgeridoo-Gewaber, kommt in der Kirche nun auch ganz groß als Tuba-Solist raus beim Jazzstandard „Louisiana“, der nebenbei sein klasse Feeling für dieses Musikgenre offenbart. Und da diesmal unverstärkt gespielt wird, sind alle zusammen für die Abstimmung zuständig. Nicht zuletzt dank der Anpassungsfähigkeiten der Tuba, die bis aufs Schlagzeug locker alles wegpusten könnte, kommt diese so spezielle Combo in sich sowie stimmig zum Raum daher.

Vergleichbar zur Stadthalle bleibt indes die Begeisterung des Auditoriums, angefacht durch einen Musikmix, der zwischen spieltechnischer Brillanz und ansteckender Atmosphäre changiert, mit Jazz über Folk, Pop und Klassik und jeweiligen Versatzstücken daraus stilistisch unmöglich festlegbar ist und selbstredend durch einen besetzungsbedingt extravaganten Sound. Dass sich die Gitarre für einen Song eine ziemlich blöde Verstimmung einfing – Schwamm drüber. Ein Dutzend anderer wohlintonierter Kompositionen versöhnten mit dieser kurzen Missstimmung.

Die vier Hanke Brüder hatten in der Versöhnungskirche Verstärkung. Bild: z