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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 02.06.2017

Atemlos mit ruhiger Hand

Sommerbiathlon: Die Böblinger Kripo-Beamtin Judith Wagner schießt scharf und läuft schnell

Das klingt nach purem Stress und hohem Puls: Dreimal 400 Meter müssen die Sportler beim Target-Sprint absolvieren, unterbrochen werden diese Läufe von zwei Schießeinlagen mit dem Luftgewehr. Der Target-Sprint ist eine Disziplin des Sommerbiathlons, Judith Wagner ist eine der erfolgreichsten deutschen Athletinnen in dieser Sportart. Sie stammt aus Starzach und ist Kriminaloberkommissarin bei der Kriminalpolizeidirektion Böblingen.

Judith Wagner hat mit zwölf Jahren angefangen mit der Leichtathletik bei der LAV Tübingen, fokussiert hatte sie sich auf die Langstrecken. Sie war im Schülerkader Württembergs, also flott unterwegs. „Als ich etwa 15 Jahre alt war, wurde ich von einem Vereinsmitglied angesprochen, ob ich mir auch Sommerbiathlon vorstellen könnte“, erzählt die heute 29-Jährige, die in Starzach lebt. Der Sommerbiathlon besteht aus zwei Disziplinen, laufen und schießen. Das Laufen bereitete Judith Wagner keine Probleme, darin war sie ihren Konkurrentinnen zumeist deutlich überlegen.

Dann gibt es aber auch noch das Schießen. „Ich hatte mit Schießen nie etwas zu tun. Anfangs habe ich mich sehr oft in den Strafrunden aufgehalten“, sagt Judith Wagner und lacht. Sie schloss sich dem SSV Starzach an und erlernte zunächst einmal die Grundlagen: Wie halte ich ein Luftgewehr oder eine Kleinkaliberwaffe, wie visiere ich das Ziel an, wie atme ich richtig?

Judith Wagner: „Ich habe erst einmal geübt in Ruhe zu schießen. Später kam dann das Schießen unter Belastung dazu. Ich hatte den großen Ehrgeiz im Schießen besser zu werden.“

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: 2006 gewann Judith Wagner in der Kleinkaliber-Staffel bei den deutschen Meisterschaften die Goldmedaille, ebenso 2007. Ihre erste Einzel-Goldmedaille bei nationalen Titelkämpfen errang sie 2009 in Zinnwald im Kleinkaliber-Sprint, obendrauf gab es noch Gold im Kleinkaliber-Massenstart und in der Staffel. Die Medaillensammlung ist seither deutlich angewachsen, inzwischen hat Judith Wagner auf Bundesebene 23 Goldmedaillen, neun silberne und eine bronzene gesammelt.

2013 schließlich hatte sie auf internationaler Ebene ihren Durchbruch: Sie gewann bei der Europameisterschaft in Haanja die Goldmedaille im Kleinkaliber-Sprint. Sie absolvierte jeweils drei Runden à 1000 Meter und zweimal Schießen, einmal stehend sowie einmal liegend.

Silber in der Verfolgung und Bronze mit der Staffel rundeten den Erfolg bei der EM ab. „Ich habe mich viele Jahre hauptsächlich auf Kleinkaliber konzentriert, da es in dieser Disziplin auch internationale Wettkämpfe gibt“, erklärt Judith Wagner, die parallel dazu aber auch in der Luftgewehr-Disziplin startete. „Es gab Veranstaltungen, da habe ich an vier Tagen sechs Wettkämpfe durchgezogen“, sagt Wagner.

Vergleichsweise jung ist die Disziplin Target-Sprint. Sie wurde erstmals im Jahr 2012 veranstaltet. Die Athleten müssen drei Runden à 400 Meter absolvieren, zwischen den Runden wird im stehenden Anschlag mit einem Einzellader-Luftgewehr auf fünf Scheiben mit jeweils 35 Millimeter Durchmesser geschossen. Judith Wagner hat im August des vergangenen Jahres begonnen, gezielt diese Disziplin zu trainieren. „Das ist natürlich eine enorme Umstellung, da werden die Uhren komplett neu gestellt. Fehler im Schießen kann ich durch meine Laufleistung bei den kurzen Strecken eigentlich nicht mehr aufholen“, sagt Wagner, die zudem wieder verstärkt das Training mit dem Luftgewehr in ihr Programm aufgenommen hat. Wagner: „Schnelles Schießen und schnelles Nachladen sind gefordert.“ Geschossen wird bei jeder Schießeinlage so lange, bis alle fünf Scheiben gefallen sind. Maximal zehn Schuss hat ein Läufer zur Verfügung. Trifft ein Athlet nicht alle Scheiben, muss er in die Strafrunde, ein Spitzenplatz ist damit kaum noch zu erreichen.

„Mich reizt diese neue Herausforderung in dieser Disziplin“, sagt Judith Wagner, die sich als „sehr zielstrebig und ehrgeizig bezeichnet“. Das gilt auch für ihren Beruf: Seit Juli 2008 ist sie Polizistin, inzwischen ist sie als Kriminaloberkommissarin bei der Kriminaldirektion Böblingen tätig. Sie arbeitet dort im Tagesdienst im Bereich Betrugs- und Wirtschaftsdelikte. Somit hat sie ausreichend Zeit, nach der Arbeit zu trainieren. An sechs Tagen wöchentlich trainiert die 29-Jährige, oftmals werden Lauf- und Schießeinheiten kombiniert.

Morgen fährt Judith Wagner mit der Nationalmannschaft nach Auer in Südtirol, sie nimmt am 3. Juni an einem Wettkampf in der Target-Disziplin teil. Dabei geht es um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Suhl in Thüringen. „Mein Ziel ist natürlich mich zu qualifizierten“, sagt Judith Wagner. Wenn sie ihre Schüsse ins Schwarze bringt, sollte das gelingen. Läuferisch macht ihr kaum eine Konkurrentin etwas vor.