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Von Ronald Lars · 01.08.2022

Appeleshof zeigt Gemälde Gechinger Künstler

  • Die Brackenheimer Mühle von Otto Stein. Reproduktion: z

  • "Am Gäubach" von Willy F. Kübler. Reproduktion: z

Gechinger "Alte Meister" / Gemälde von Dr. Otto Stein und Willy F. Kübler am Sonntag erstmals zu sehen

Gechingen. Am Sonntag, 7. August präsentiert das Heimatmuseum Appeleshof in Gechingen einen Teil seiner umfangreichen Sammlung an Gemälden von Dr. Otto Stein und Willy F. Kübler. Der Schwerpunkt wird dabei auf Werken liegen, die sich bisher in Privatbesitz befunden haben, und die noch nie einer breiten Öffentlichkeit gezeigt wurden.


Dr. Otto Stein


1891 in dem Odenwaldstädtchen Beerfelden geboren, meldete sich der Student der Naturwissenschaften Otto Stein als Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg. 1917 wurde er schwer verwundet. Nach Kriegsende wechselte er Studienort und Studienfach und schrieb sich als Student der Medizin in Tübingen ein, legte dort sein Staatsexamen ab und promovierte anschließend. Seine ärztliche Tätigkeit begann in Winzeln bei Schramberg. Anfang der 1930er Jahre übernahm er die Leitung des Homöopathischen Krankenhauses in München. Eine Herzerkrankung zwang ihn, die Tätigkeit als Chefarzt aufzugeben. Er wählte dann Gechingen, die Heimat seiner Frau Anna, geborene Wurst zum Wohnsitz. Hier konnte Otto Stein für die damals etwa tausend Einwohner eine kleine Praxis weiterführen.


Zu der Bevölkerung entwickelte sich bald eine von gegenseitiger Achtung und verhaltener Zuneigung geprägte Beziehung, welche es ihm ermöglichte, seinem ärztlichen Auftrag auch dort nachzukommen, wo es die Willkürherrschaft des Dritten Reiches untersagte. So versorgte Dr. Otto Stein eine schwerkranke Jüdin in Dachtel trotz Verbotes mit ärztlicher Hilfe und Medikamenten. Als sich 1945 die Franzosen dem Ort näherten, ging er, der geläufig Französisch sprach, ihnen mit der weißen Fahne entgegen und konnte den kommandierenden französischen Offizier davon überzeugen, dass Gechingen nicht verteidigt würde. Durch sein couragiertes Dazwischentreten blieb Gechingen von Kämpfen verschont.


Dr. Otto Stein malte in seiner freien Zeit nach der Natur. Als Atelier diente das Sprechzimmer mit zwei großen Fenstern. Blumenbilder entstanden als Ergebnis genauer Betrachtung und Liebe zur Einzelheit. Bei seinen Landschaftsbildern versuchte er, die Schönheit der Gäulandschaft so wiederzugeben, wie sie sich dem Betrachter darbot. Bewusst beschönigte er nichts, auf bildnerische Komposition verzichtete er absichtlich. Dr. Otto Stein starb am 25. Januar 1969. Eine Gedächtnisausstellung mit seinen Bildern erinnerte 1989 an sein Leben und Wirken.


Willy F. Kübler


Kübler wurde am 27. Oktober 1911 in Höfen/Enz geboren. Schon in der Schule erkannten die Lehrer seine künstlerische Begabung, und als in der Inflationszeit nach dem Ersten Weltkrieg das Papier knapp wurde, sorgte der Schulrat persönlich dafür, dass ihm immer welches zur Verfügung stand. Nach der Schulzeit setzte Willy F. Kübler seine Ausbildung mit einem Fernstudium fort, Lehrgang und Kurse, so an der „Deutschen Kunstschule“ in Berlin, schlossen sich an. Zahlreiche Ausstellungen, unter anderem in Berlin und Stuttgart, die gute Resonanz fanden, machten ihn bekannt.


Willy F. Küblers künstlerische Fähigkeiten zeigten sich besonders in Federzeichnungen, Öl- und Aquarellbildern. Er war auch ein guter Fotograf; sein Hobby brachte ihm Freude und Ausgleich zu seiner schöpferischen Arbeit. Er hinterließ Hunderte reizvoller Aufnahmen, die die Besonderheiten der Landschaft, des Ortes und seiner Bewohner zeigen. Am 3. Juni 1933 heiratete er Emma Wagner aus Gechingen. Im September 1933 zog das junge Paar hierher. Bis zu seinem Tode im Jahre 1987 lebte und arbeitete Willy F. Kübler hier. Im März 2001 und im Mai 2019 waren einige seiner Gemälde im Rathaus zu sehen.


Info: Das Museum ist am Sonntag, 7. August von 14 bis 18 Uhr geöffnet und der Eintritt ist frei.