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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 06.10.2017

„Am Anfang wurden wir noch belächelt“

Aus Vereinen: Die Cheerleading-Abteilung der SV Böblingen hat ihren zehnten Geburtstag gefeiert / Der Großteil der 60 Mitglieder ist sportlich aktiv

Sie sind anfangs etwas belächelt worden, diese Haie: Vor zehn Jahren hat sich unter dem Dach der SV Böblingen eine Cheerleading-Abteilung gegründet, die „Sharks“. Heuer feiert die Sparte ihren zehnjährigen Geburtstag und deren Entwicklung ist beeindruckend. „Anfangs waren es 15 Mädels“, sagt Abteilungsleiterin Tanja Heiling, inzwischen ist die Zahl der Mitglieder auf über 60 angestiegen, fast alle davon sind aktiv.

Mit den Pompons wedeln, anfeuern, hübsch aussehen: Landläufig ist das die Meinung über das Cheerleading. Eine Meinung, die so nicht stehen gelassen werden kann. Cheerleading ist eine Sportart, die viele Elemente in sich vereint: Athletik, Kraft, Tanz, Koordination und Beweglichkeit. Zudem ist die Konzentration gefordert bei dieser Disziplin, denn die unterschiedlichen Choreografien der sogenannten „Stunts“ müssen punktgenau passen, die einzelnen Positionen müssen besetzt sein. Unter „Stunts“ versteht man die Hebefiguren, bei der eine Person, der „Flyer“ nach oben katapultiert wird. Diese Elemente verlangen Mut, und sie erfordern Vertrauen. Mut von dem „Flyer“, in der Luft akrobatische Kunststücke zu vollführen und das Vertrauen in das Team, sicher aufgefangen zu werden.

„Das Vertrauen untereinander ist sehr wichtig“, sagt Tanja Heiling, die Abteilungsleiterin der Böblinger Cheerleader. So können die Cheerleader auch niemanden in ihren Reihen gebrauchen, der sein eigenes Süppchen kocht. Es gibt keinen Zickenkrieg, vielmehr „halten die Mädels zusammen“, wie es Maren Schulz formuliert, die Schatzmeisterin der „Sharks“, der Haie. Wobei das etwas zu kurz gesprungen ist, denn es gibt auch Jungs, die sich in der nun zehn Jahre alten Abteilung tummeln. Derzeit sind es fünf männliche Mitglieder. Tanja Heiling hofft, dass noch mehr Jungs oder junge Erwachsene den Weg zu den „Sharks“ finden. Deren Kraft wird vor allem bei den Stunts benötigt, zudem würden diese „den Teams einfach gut tun“.

Bei den „Sharks“ gibt es drei Gruppen: die „Peewees“, die „Juniors“ und die „Seniors“. Bei den „Peewees“ sind die jüngsten Cheerleader vereint, sie sind von sechs bis zehn Jahren alt. Bei den „Juniors“ sind die Mitglieder elf bis 15, bei den „Seniors“ 16 Jahre und älter. Trainiert wird in der Turnhalle im Höfle sowie in der Turnhalle der Eichendorffschule. Vor allem im Bereich der „Juniors“ verzeichnen die Böblinger Cheerleader einen Zuwachs. Tanja Heiling: „Wir machen eigentlich kaum Werbung. Unsere Mitglieder werben Mitglieder in der Schule oder in der Clique.“

Denise Bulach ist eine der Trainerinnen der „Sharks“. „Bis ein neuer Stunt steht, dauert es etwa ein Vierteljahr“, erklärt sie. Die einzelnen Elemente müssen ständig wiederholt werden, bis jeder Schritt, jeder Handgriff nahezu im Schlaf sitzt. „Wir wollen einfach jedes Jahr neue Stunts zeigen und uns auch stetig verbessern“, erklärt Bulach. Problematisch wird es dann, wenn beispielsweise wegen einer Verletzung ein Mädel nicht trainieren kann. „Wenn einer im Training fehlt, haben alle ein Problem.“ Sprich, eine Person kann nicht einfach durch eine andere ersetzt werden, kennt sie doch deren Positionen bei einem Stunt nicht. Vor einem Auftritt würden die Nerven „blank liegen“, sagt Bulach. Es sei ein Gefühl, als ob man die gesamte Choreografie vergessen habe. „Auf der Matte sind wir dann aber im Tunnel und ziehen unsere Stunts durch.“ Und das mit Erfolg, haben die „Sharks“ doch bei zahlreichen Wettbewerben in den vergangenen Jahren schon vordere Plätze belegt oder gar gewonnen.

Ihren zehnten Geburtstag haben die Böblinger Cheerleader im Tischtenniszentrum gefeiert. Sie präsentierten den Gästen unterschiedliche Stunts, die Edafetzer aus Ehningen traten auf und sorgten mit ihrer Guggenmusik für Stimmung, abends legte ein DJ auf. „Wir hätten nicht gedacht, dass sich die Abteilung derart entwickelt, darüber sind wir überrascht. Anfangs sind wir etwas belächelt worden, jetzt haben wir uns ein gutes Standing erarbeitet“, sagt Tanja Heiling.

SZ/BZ-Mitarbeiter Thomas Oberdorfer kennt Böblingen wie seine Westentasche und auch alle Abteilungen der SVB.

Schwindelfrei: Die Cheerleader der SV Böblingen zeigen ihr Können. Die Abteilung feierte ihren zehnten Geburtstag. Bild: Oberdorfer