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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 13.01.2011

Am Anfang war die Backpfeife

Sindelfingen: Prozess wegen Schlägerei in Diskothek

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ong>Zwei 25 und 39 Jahre alte Sindelfinger mussten sich vor dem Böblinger Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sie sollen in einer Sindelfinger Diskothek einen jungen Mann geschlagen und getreten haben. Der 25-Jährige wurde freigesprochen, der 39-Jährige wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

 

Einmal mehr war am 7. Februar des vergangenen Jahres eine Sindelfinger Diskothek Schauplatz einer Schlägerei. Die Staatsanwaltschaft warf dem 39 Jahre alten Josef R. (Name von der Redaktion geändert) und dem 25 Jahre alten Walter P. aus Sindelfingen vor, den 27-jährigen Stefan V. aus Böblingen am 7. Februar des vergangenen Jahres nachts gegen drei Uhr geschlagen und gemeinsam getreten zu haben.

 

Josef R. gab zu, dass er seinem Opfer eine Backpfeife verpasst habe. "Mehr war nicht, ich habe ihn nicht weiter geschlagen oder getreten", sagte der Angeklagte. Vorgeworfen wurden ihm mehrere Schläge, die er mit der Faust ausgeführt haben soll sowie Tritte, als Stefan V. bereits wehrlos auf dem Boden lag. Walter P. bestritt jede Tatbeteiligung. Ihm legte die Staatsanwaltschaft ebenfalls Tritte gegen den Körper und den Kopf von Stefan V. zur Last. Der 27-jährige Verkäufer erlitt laut einem ärztlichen Attest einen Nasenbeinbruch, ein Hämatom am Auge, eine Schädelprellung sowie eine Prellung der Schläfe.

 

Stefan V. muss mithin geschlagen und getreten worden sein. Das Opfer selber sagte aus, dass Josef R. den ersten Schlag führte. "Dabei ist mir die Brille runtergeflogen", schilderte der 27-Jährige. Er habe sie auf dem Boden gesucht und sei dann auf den Angeklagten zugegangen um ihn zu fragen, warum er ihn geschlagen habe. "Mir ging es auch um meine Brille. Sie war relativ teuer, und als Kurzsichtiger bin ich auf sie angewiesen", sagte Stefan V. Kaum habe er gefragt, habe er erneut Schläge von dem Angeklagten bekommen. "Dabei bin ich zu Boden gegangen und wurde getreten. Ich kann aber nicht sagen, von wem", sagte der Verkäufer.

 

Angeklagter teilgeständig

 

Somit blieb der Staatsanwältin nichts anderes übrig, als für Walter P. Freispruch zu beantragen. Dem schloss sich der Anwalt des 25-Jährigen an. Bei Josef R. aber sah die Staatsanwältin eine gefährliche Körperverletzung als erwiesen an. "Der Angeklagte gab zu, den Streit mit einer Ohrfeige begonnen zu haben", sagte die Staatsanwältin. Es sei lebensfern zu glauben, dass sich anschließend ausgerechnet der Angeklagte zurückgezogen haben soll.

 

Der Vorsitzende folgte nicht der Argumentation der Staatsanwältin. Für ihn hat sich nach der Beweisaufnahme eben nicht erwiesen, dass beide Angeklagten zugetreten haben, ja nicht einmal erwiesen, ob einer der beiden Angeklagten die Fußtritte durchführte. Eine gefährliche Körperverletzung könne Josef R. daher nicht nachgewiesen werden. Somit verurteilte Richter Kirbach den vorbestraften 39-Jährigen lediglich wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu der Freiheitsstrafe von sechs Monaten.