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07.07.2019

Altdorf: Bachsprung

Super wenn’s kräftig spritzt Altdorf – Zahl der Bachspringer hoch, obwohl das Wasser der Würm vom Gewitter graubraun eingefärbt war


Von unserem Mitarbeiter Andreas Denner


Was normalerweise nicht gern gesehen ist, beim Bachfest dient‘s der Gaudi aller Besucher. Die Dorfjugend darf sich nach Herzenslust in die Würm stürzen. Besonders viel Freude macht es. wenn der Sprung vom Wehr mit einer herzhaften Arschbombe absolviert wird. Dann haben die Zuschauer auch noch was von dem kühlen Nass.


Der Sprung ins kühle Nass ist der unbestrittene Höhepunkt der Veranstaltung., „Ursprünglich handelte es sich um einen Wetteinsatz“, erklärt Jan Frohnmüller, Vorsitzender des veranstaltenden TV Altdorf. Unter den Jugendlichen ist es bekannt, dass es für jeden, der den Sprung in die Würm wagt, einen kleinen Obolus aus der Vereinskasse gibt. Der Vorsitzende: „Davon können sie sich eine Rote Wurst kaufen.“ Auch Altdorfs Bürgermeister Erwin Heller ließ sich das Spektakel nicht entgehen. Man hätte, so erzählt er augenzwinkernd, am Vorabend beinahe den Blauen Wimpel für die herausragende Wasserqualität der Würm erhalten können, aber leider sei in der Nacht das Gewitter dazwischengekommen. Ein Blick in die Würm bestätigt: Der Bach ist zu einer graubraunen Brühe voller aufgewühltem Schlamm und Dreck geworden: Guten Appetit! Doch die Springer lassen sich davon nicht abhalten. Jan Frohmüller ist geradezu erstaunt. „Wir haben erstmals eine Warteliste, normalerweise springen 15, diesmal haben wir aber 17 Anmeldungen.“ Die Kandidaten 16 und 17 stünden auf der Warteliste und könnten einspringen, wenn einer davor kneife. Den Auftakt machen aber Erwachsene! Der Abteilungsleiter der Fußball-Jugend Heiko Wolligschlager und sein Stellvertreter Matthias Elsässer wollten den Jugendlichen vormachen, wie es geht. Gerüchteweise wollte wohl auch der Gemeinde-Jugendreferent Harry Sommer mitspringen, doch er wurde am Start nicht gesehen. Die beiden anderen sprangen im rot-weißen Ringel-Badeanzug und eröffneten das Spektakel. Dann ging es Schlag auf Schlag, Springer folgte Springer. Nur als ein Mädchen nicht am Wehr auftauchte, erklärte Moderator Jan Frohmüller mit breitem Grinsen, Bürgermeister Heller habe sich bereit erklärt, einzuspringen. Nein, das wollte er dann doch nicht. So jagte eine Arschbombe die andere, besonders bejubelt, wenn hohe Spritze das Publikum ins Geschehen miteinbezogen. Hämisches Gelächter aus den hinteren Reihen. Letztendlich bleibt die Zahl der Springer unwichtig. Die Showband Kehlbach-Express übernahm den Ausklang des Festes. Frohnmüller hatte zuvor schon eine erste Bilanz gezogen: Das Fest sei unglaublich fröhlich und friedlich verlaufen. Besonders hervorheben wollte er das neue Kartoffelsalat-Team. Margot Buck, die das seit Jahren in ihrem Privathaus übernommen hatte, habe den Stab an Anette Bressau weitergegeben. Die Herstellung wurde ins Bürgerhaus verlegt, wo die Kartoffelschäler sechs Zentner Kartoffeln zu verarbeiten hatten. Noch ein paar Zahlen? 20 Hektoliter Bier wurden laut Frohnmüller getrunken, die Zahl der Roten Würste lasse sich gar nicht feststellen, man rechne das in Kilogramm. Nach dem schweißtreibenden Aufbau in der Bruthitze am Donnerstag, Freitag und Samstagmorgen sei der erste Festtag ohne Probleme verlaufen, wenn man davon absehe, dass just nach Beginn des Festes, eine Bon-Kasse zeitweilig Schluckauf bekam. Also machte sich der Vorsitzende persönlich nach Uhingen bei Göppingen auf, um Ersatz zu besorgen, immer mit der Hoffnung, dass die Kurzschluss-Kasse solange durchhält. Doch um kurz nach elf war Feierabend – das Gewitter entlud sich. Frohnmüller: „Der Himmel öffnete seine Schleusen.“ Die Musik musste aufhören, etlichen Festbesucher wurden nass und mussten nach Hause. Immerhin: Die Bar blieb offen und größere Schäden gab es nicht. Der Sonntag lief wie gewohnt, einschließlich des berühmten auf Reißigfeuer im Backhaus hergestellten Zwiebelkuchens, der wieder reißenden Absatz fand. Bürgermeister Erwin Heller bedankte sich nach dem Bachsprung via Mikrofon „bei allen, die dieses Fest ermöglicht haben.“ Großer Beifall gab ihm recht.