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12.08.2017

Absprache und Scheinheiligkeit

zu: Diesel-Skandal

Es ist sicher nicht meine Absicht, die privilegierten Kapitäne der Autoindustrie und die „Führungskräfte“ der Gesellschaft in irgendeiner Weise in Schutz zu nehmen. Mit den Privilegien, beginnend von dem Ansehen über die Autorität bis zum Einkommen, bekomme ich gewiss keine Kopfschmerzen, wenn der Brotkorb um einige Meter höher hängt oder weggeräumt wird.

Es stimmt, Menschen, Gesundheit und Glaubwürdigkeit müssten vorgehen. Wenn aber Scheinheiligkeit auch eine ansteckende und tödliche Krankheit wäre, würden Millionen Menschen nicht mehr leben. Sehr viele, ebenfalls zur Führungsriege gehörende, schreien nach Aufklärung, haben nichts gewusst, mahnen und geben sich enttäuscht von der „Enthüllung“. Ich bin kleiner und bedeutungsloser als eine Erdnuss, aber das habe ich gewusst. Nein, es ist mir von niemand von dort oben zugetragen worden. Auch als Nuss kann man dies und vieles mehr ahnen.

Auch mein Mercedes hat immer mehr verbraucht als von der Firma angegeben, obwohl ich selten über 120 fahre, werde ich von allen anderen überholt und meine Frau nörgelt dennoch, dass ich zu schnell fahre. So sicherlich auch mit den Emissionen, die ebenfalls nur bei günstigeren Konditionen in der Werkstatt gemessen sind und absolut nicht mit der Fahrt auf der Straße vergleichbar. Absprachen? Wozu braucht es ein Kartellamt, wenn nicht berechtigterweise davon ausgegangen wird, dass alle daran interessiert sind, sich nicht gegenseitig umzulegen.

Für die Konkurrenz aus dem Ausland ist sogar auch von der Wirtschaftspolitik gewünscht, dass die Kräfte gebündelt werden. Würde tatsächlich das Leben und die Gesundheit der Menschen im Mittelpunkt stehen, dann müssten die gesamte Rüstungsindustrie und die vielen Zuchtfirmen und Lebensmittelerzeuger, die häufig über den Grenzwerten liegen, geschlossen werden. Wissen wir das nicht? Und dennoch exportieren wir Waffen und füllen wir die Einkaufswagen wie die Weltmeister.

Wissen wir nicht, auch in Bezug auf die Autoindustrie, dass sehr viele von diesem System profitieren und den Mund nur dann aufmachen, wenn die Medien daraus einen Skandal machen? Millionen freuen sich, auch in der Rüstungsindustrie, wenn Gehälter ausbezahlt werden. Denn Führungskräfte genießen es, wenn Ansehen und Gehälter in den Himmel wachsen. Kontrolleure freuen sich, dass alles wie geschmiert läuft und sie wegschauen dürfen. Die Politiker freuen sich, wenn die Leute zufrieden sind, die Freiheit auf Autobahnen mit schweren Maschinen genießen können und sie wieder gewählt werden. Alles Ahnungslose? Oder auch eine Riesenportion Scheinheiligkeit, nach dem Motto: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass?

Bernardino Di Croce, Sindelfingen