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Von unserem Redaktionsmitglied Peter Bausch · 13.03.2018

50 000 Euro mehr für Caritas

Sindelfingen: Neue Abrechnung für Schulsozial- und Integrationsarbeit

Die Caritas, die in Sindelfingen mit 11,05 Stellen an 17 Schulen Schulsozialarbeit anbietet, will eine neue Abrechnung für ihre Leistungen: Zwei Ausschüsse empfehlen dem Gemeinderat, das neue System einzuführen, das die Stadt 50 000 Euro mehr im Jahr kostet.

1992 startete Thomas Grünwald als Schulsozialarbeit an der damaligen Hauptschule am Klostergarten in Sindelfingen. Heute ist der Sozialpädagoge Fachbereichsleiter der Caritas Region Schwarzwald-Gäu/Sindelfingen, die seit dem Schuljahr 2017/2018 mit insgesamt 11,05 Stellen Schulsozialarbeit an allen 17 Schulen der Stadt anbietet. Außerdem hat die Caritas die Angebote der Integrationsarbeit in Sindelfingen ausgebaut.

Weil der Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche mit dem Ausbau des Engagements in Sindelfingen seine Verwaltung um- und ausgebaut hat, schlägt die Caritas ein neues System vor und will pro Vollzeitstelle eine Pauschale in Höhe von 15 Euro für die Verwaltung erheben. Hans-Georg Burr, der Leiter des Amts für Soziale Dienste in Sindelfingen, hat ausgerechnet, dass die Kosten für Schulsozialarbeit sowie Sprach- und Integrationsförderung künftig 123 059 Euro statt wie bislang 73 716 Euro betragen. Pro Vollzeitstelle gibt es 16 700 Euro Zuschuss vom Land, sagt Christiane Mayer vom Sozialamt: „Der Landkreis Böblingen bezahlt keinen Zuschuss.“

Maike Stahl (CDU) begrüßt den Ausbau der Schulsozialarbeit, sieht aber trotz Haushaltskonsolidierung „überall neue Kosten“: Hier mal 50 000 Euro, dort 10 000 Euro, das läppert sich.“ Ingrid Balzer (Freie Wähler) will wissen, wie sich der Erfolg der Schulsozialarbeit bemessen lässt und verweist auf die Diskussionen im Böblinger Gemeinderat, der der Arbeiterwohlfahrt die Schulsozialarbeit übergeben hat.

Beide Städte fahren unterschiedliche Linien. Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer erinnert an die Auseinandersetzung, als sich Böblingen nicht an den Kosten für Schulsozialarbeit am Goldberg-Gymnasium beteiligen wollte und Sindelfingen die Stelle allein finanzierte.

Ein leidenschaftliches Plädoyer für Schulsozialarbeit hält Bodo Philipsen, der Leiter des Pfarrwiesen-Gymnasiums Sindelfingen: „Ohne die Sozialarbeit würde heute keine Schule mehr funktionieren, nicht einmal einen Tag lang. Das Bild der Jugendlichen hat sich in den letzten 20 Jahren komplett gewandelt und gerade in Sindelfingen in ganz extremer Form. Wir könnten unseren eigentlichen pädagogischen Job gar nicht mehr machen ohne Schulsozialarbeit.“

Derzeit ist in Sindelfingen nur die 50-Prozent-Stelle am Stiftsgymnasium nicht besetzt, sagt Christiane Mayer auf Nachfrage von Margarete Mohr (Linke). „Wir brauchen dort Kontinuität und gehen deshalb in die dritte Runde der Bewerbungen“, sagt Thomas Grünwald.