12 Hier ist Zukunft SZ/BZ-Interview mit Nicole Frasch, Projektleiterin des Krankenhaus-Areals, und Böblingens Wirtschaftsförderer Dominic Schaudt Vom Krankenhaus zum Technologiecampus Im November 2024 hatten sich Landkreis und Stadt Böblingen auf den Rückkauf des rund zehn Hektar großen Krankenhaus-Areals an der Bunsen- straße geeinigt. Der Kaufpreis liegt bei 40 Millionen Euro. Wenn das neue Flugfeld-Klinikum voraussichtlich Ende 2028 seinen Betrieb aufnimmt, soll auf dem bisherigen Klinikgelände ein Technologie- und Innovationscampus entstehen. Darüber sprach die SZ/BZ mit Nicole Frasch, Projektleiterin des Krankenhaus-Areals, und Böblingens Wirtschaftsförderer Dominic Schaudt. Was genau soll auf dem Krankenhaus- Areal entstehen — und was nicht? Nicole Frasch: Aus dem heutigen Kranken- haus-Areal soll nach dem Umzug des Kli- nikums ein Gewerbegebiet mit besonderer, zukunftsfähiger Ausrichtung werden. Ge- plant ist ein Campus, auf dem Unterneh- men, Forschung, Start-ups und Wissen- schaft eng zusammenarbeiten. Als Stadt wollen wir dort nicht einfach Flächen verkaufen und abwarten, wer kommt. Un- ser Ziel ist ein Quartier mit einem klaren Schwerpunkt: digitale Technologien, Wis- senstransfer und neue Geschäftsmodelle. Welche Branchen oder Unternehmen will die Stadt für den Campus gewinnen? Dominic Schaudt: Im Kern geht es um IT, Software und wissensintensive Dienst- leistungen. Das passt zu Böblingen, weil die Stadt in diesen Bereichen schon heu- te stark ist. Interessant sind außerdem Unternehmen aus Feldern wie Künstliche Intelligenz, Cybersecurity, digitaler Pro- duktion, Medizintechnik, Pharma, Kreis- laufwirtschaft und moderner Mobilität. Dazu gehören auch Themen, die eng mit der Autoindustrie verbunden sind: autono- mes Fahren, Connected Car, Batterietech- nologie oder 3D-Druck. Kurz gesagt: Wir suchen Betriebe, die zur technologischen Stärke Böblingens passen. Nicole Frasch: Die wirtschaftliche Trans- formation bietet eine große Chance, neue Impulse für die Fachkräftegewinnung, Unternehmensgründungen und nachhal- tiges Wachstum zu setzen. Das Kranken- haus-Areal ist dafür eine zentrale inner- städtische Fläche mit rund zehn Hektar. Eine solche Möglichkeit gibt es für eine Stadt nicht oft. Welche Rolle sollen bestehende Stand- orte wie das Softwarezentrum, AI xpress oder das Herman Hollerith Zentrum spielen? Dominic Schaudt: Diese Einrichtungen sind für Böblingen ein echter Vorteil. Der neue Campus soll nicht bei null anfangen, son- dern an das anknüpfen, was bereits vor- handen ist. Das Softwarezentrum steht für die starke IT- und Softwarebasis der Stadt. AI xpress bringt Start-ups, Gründungs- ideen und Netzwerke ein. Das Herman Hollerith Zentrum verbindet Wissenschaft und Wirtschaft, etwa über Forschung, IT-Projekte und den Kontakt zu jungen Fachkräften. Die Idee ist, diese Standorte stärker miteinander zu verbinden. Wie verhindert die Stadt, dass am Ende doch nur ein weiteres Gewerbegebiet mit modernem Etikett entsteht? Nicole Frasch: Ein solcher Campus entsteht nicht dadurch, dass man ihn so nennt. Entscheidend ist, wer sich dort ansiedelt und wie die Akteure zusammenarbeiten. Dafür braucht es klare Kriterien und eine aktive Steuerung. Es geht darum, Kontakte herzustel- len, Kooperationen anzuschieben und Unternehmen, Forschung, Hochschulen und Stadtverwaltung zusammenzubrin- gen. Vorstellbar sind auch z.B. ein Café und weitere gastronomische Angebote. Die Rückmeldungen von Interessenten sind in dieser frühen Projektphase jedenfalls sehr positiv. Was passiert, falls sich die Inbetrieb- nahme des Flugfeld-Klinikums über das vierte Quartal 2028 hinaus verzögert? Nicole Frasch: Der Zeitplan orientiert sich am Umzug des Klinikums. Wenn das neue Flugfeld-Klinikum den Betrieb aufnimmt, kann die Entwicklung des Krankenhaus- Areals richtig beginnen. Sollte sich das ist Teil eines städtebaulichen Konzepts und wird mit der Planung entwickelt. Klar ist: Ein Campus dieser Größe wird Verkehr erzeugen durch Beschäftigte, Besucher, Lieferverkehr und Veranstal- tungen. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass der Verkehr im Vergleich zur heutigen Situation eher abnehmen wird. Zu einem guten Mobilitätskonzept gehören eine starke ÖPNV-Anbindung, sichere Rad- wege, eine sinnvolle Parkraumsteuerung, Sharing-Angebote und eine Verkehrsfüh- rung, die die umliegenden Wohngebiete nicht zusätzlich belastet. Ist auf dem Areal auch Wohnraum geplant oder ausschließlich Wirt- schaft, Wissenschaft und Technologie? Nicole Frasch: Im Mittelpunkt steht ein- deutig der Technologie- und Innovations- campus. Wohnraum ist für das Kranken- haus-Areal nur in Kombination mit der Hauptnutzung vorgesehen. Temporäre Wohnformen für Studierende oder Dokto- randen sind sogar Teil der Überlegungen. Was haben die Böblingerinnen und Böblinger konkret von diesem Campus? Dominic Schaudt: Im besten Fall bringt der Campus neue Arbeitsplätze, zusätzliche Steuereinnahmen, mehr Gründungen, bes- sere Kooperationen mit Forschung und Bildung und ein stärkeres Standortprofil für Böblingen. Was wäre für Sie persönlich im Jahr 2035 ein Erfolg dieses Projekts? Dominic Schaudt: Ein Erfolg wäre, wenn das ehemalige Krankenhaus-Areal ein leben- diger Ort ist: mit Unternehmen, Start-ups, Forschungspartnern, jungen Fachkräften und guten Arbeitsplätzen. Ein Standort, der Böblingen sichtbar nach vorne bringt. Nicole Frasch: Böblingen soll als bedeuten- der Technologiestandort möglichst weit über die Region hinaus wahrgenommen werden. Idealerweise profitiert die ganze Stadt von diesem Campus. Wenn dort zu- kunftsfähige Arbeitsplätze entstehen und daraus Impulse für das Umland hervorge- hen, wäre das ein großer Erfolg. Daniel Krauter Nicole Frasch und Dominic Schaudt vor dem Böblinger Krankenhaus. Bild: Dettenmeyer Klinikum verzögern, würde sich auch die Entwicklung des Campus verschieben. Wann sollen Bürgerinnen und Bürger erstmals konkrete Pläne sehen können? Nicole Frasch: Einen festen Termin gibt es dafür noch nicht. Konkreter wird es in den nächsten Planungsschritten, wenn städ- tebauliche Konzepte und Nutzungsideen vorliegen und das Bebauungsplanverfah- ren fortgeführt wird. Dann wird auch die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger wichtig sein. Wie fügt sich der geplante Campus in das Integrierte Stadtentwick- lungskonzept Böblingens ein? Dominic Schaudt: Der Campus ist eines der zentralen Zukunftsprojekte im Stadtent- wicklungskonzept. Böblingen kann sich dadurch als Wirtschaftsstandort weiter- entwickeln. Das Krankenhaus-Areal ist dafür eine der wichtigsten Flächen. Es geht also nicht nur um ein einzelnes Grund- stück, sondern um die Frage, welches wirt- schaftliche Profil Böblingen in den nächs- ten zehn bis 15 Jahren haben will. Welche Auswirkungen hat das Projekt auf Verkehr, ÖPNV, Radverkehr und Parkraum rund um die Bunsenstraße? Dominic Schaudt: Ein Verkehrskonzept Beitrag von Dr. iur. Alexander Sommer, Rechtsanwalt/Fachanwalt für Steuerrecht bei KMZ Kullen Müller Zinser in Sindelfingen Noch ist die steuerliche Selbstanzeige uneingeschränkt möglich Seit Jahrzehnten sichert die strafbefreiende steuerliche Selbstanzeige dem Fiskus entsprechend ihrem Sinn und Zweck neue Steuerquellen in Milliar- denhöhe. Gleichzeitig ist sie für Bürger und Unternehmen, vom Einzel- unternehmen bis zum DAX-Unternehmen, ein äußerst wichtiges Institut, um steuerliche Fehler ohne strafrechtliches Risiko zu berichtigen. Darüber informiert Dr. iur. Alexander Sommer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht bei KMZ Kullen Müller Zinser in Sindelfingen. Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler – auch und gerade im kom- plizierten deutschen Steuerrecht. Entgegen dem etwas naiven Blickwinkel der Politik ist die Selbstanzeige nicht nur etwas für reiche Kapitalanleger im Aus- land, sondern wird tagtäglich auch in Rechts- und Steuerabteilungen von Unter- nehmen dringend benötigt. Ihre Mitarbei- ter stünden ansonsten, häufig unverschul- det, oftmals mit einem Bein im Gefängnis. In der Praxis hat sich ihre Bedeutung in den vergangenen Jahren als gleichbleibend hoch erwiesen. Gleichwohl hat die SPD aktuell in Ge- stalt von Bundesfinanzminister Lars Kling- beil, der am 27.04.2026 einen „Aktionsplan gegen Steuerkriminalität“ medienwirksam vorgestellt hat, die Selbstanzeige wie- der an den Pranger gestellt. Ganz nach dem Motto der Linken: „Tax the rich“. Auf einen Blick KMZ Kullen Müller Zinser zählt mit 150 Mitarbeitern und Partnern zu den größten unabhängigen Kanzleien/ Beratungsunternehmen in Deutsch- land. Seit über 40 Jahren betreuen Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater der KMZ-Gruppe inter- disziplinär mittelständische private und kommunale Unternehmen aller Rechtsformen, Stiftungen und vermö- gende Privatpersonen. Weitere Informationen: www.k-m-z.de Offenbar möchte Klingbeil damit Punk- te und Wählerstimmen sammeln, obwohl das Institut der Selbstanzeige ihm, gera- de durch die Unternehmen, viel Geld ein- bringt. Gleichwohl hat die SPD bereits zu Beginn des letzten Jahrzehnts in Gestalt des damaligen Finanzministers Borjans in NRW mit dem Schwarzgeldbekämpfungs- gesetz 2011 und dem Jahressteuergesetz 2015 schon einmal versucht, die Selbstan- zeige abzuschaffen. Sie konnte nur durch erhebliche Verschärfungen und Verteue- rungen zulasten der Bürger und Unter- nehmen gerettet werden. Beispiels- weise wurden Zu- schläge zu den eigentlichen Steu- ern und Zinsen „systemwidrig er- funden“, um doch noch die begehrte Straffreiheit zu er- langen. Ferner seinerzeit, Dr. iur. Alexander Sommer wurde auch im Zusammenhang mit dem davon recht- lich komplett zu unterscheidenden „Cum- Ex“-System der Banken, das mit dem The- ma Selbstanzeige an sich nichts zu tun hat, die Verfolgungsverjährung auf 15 Jahre, letztlich aber auf 37,5 Jahre, verlängert. Mehr als ein Berufsleben! Häufig werden Steuerpflichtige und Verfolger in diesem Zeitraum auch nicht mehr leben. Daher sollten alle, die über die Not- wendigkeit einer solchen strafbefreienden Selbstanzeige nachdenken, nunmehr vor etwaigen Gesetzesänderungen durch das Das Firmengebäude von KMZ Kullen Müller Zinser im Sindelfinger Mittelpfad. Bilder: Dettenmeyer Bundeskabinett beziehungsweise Finanz- minister Klingbeil die Chance noch ergrei- fen. Viele haben im Jahr 2005 die äußerst entgegenkommende Steueramnestie ver- säumt. Aber im gegenwärtigen bundeswei- ten Klima, 20 Jahre später, kann es auch einem so bewährten Institut sprichwört- lich „an den Kragen gehen“. Dies wäre im Übrigen auch im Zusammenhang mit der Verpflichtung des Steuerpflichtigen zur Anzeige beim Erkennen von Fehlern in der Steuererklärung ohne vorherige Hinterzie- hung zu sehen. Deutliche Verschärfung Auch diese gesetzliche Möglichkeit ist seit dem 01.01.2025 gerade nach Betriebs- prüfungen – der Verfasser hat darauf im vergangenen Jahr aufmerksam gemacht – deutlich verschärft worden. Nach Betriebs- prüfungen wird nunmehr dem Steuer- pflichtigen und seinem Berater auferlegt, bestandskräftige Feststellungen auch für die Folgejahre selbst schon quasi in vo- rauseilendem Gehorsam zu korrigieren. Eine Aufgabe, die in der Vergangenheit zutreffenderweise allein die Finanzverwal- tung erfüllt hat. Aber im Zusammenhang mit der Be- triebsprüfung gibt es von den deutschen Finanzgerichten, genauer gesagt vom Bundesfinanzhof in München, auch gute Nachrichten: Er hat Mitte des vergangenen Jahres die Richtsatzsammlung des Bundes- finanzministeriums, die Schätzungsgrund- lagen beziehungsweise Richtsatzwerte für nahezu sämtliche Branchen beinhaltet, insbesondere auch für Gastronomie oder Handel, aufgrund schwerwiegender Fehler bei ihrem Zustandekommen gewisserma- ßen abgeschafft. Dies geschah aufgrund der Tatsache, dass keine echte Stichpro- benauswahl vonseiten der Finanzbehörden über alle Bundesländer gewährleistet war, sondern sich die Finanzverwaltung gewis- sermaßen die besten Betriebe ausgesucht hat. Verlustbetriebe waren gar nicht be- rücksichtigt. Aufgrund dieser unerwarteten, stets spannenden Ereignisse im Steuerrecht sollte derjenige, der eine Selbstanzeige, aus welchem Grund auch immer, erwägt, diese zeitnah vornehmen. Immerhin be- ruhen 10 Prozent aller steuerlichen Straf- verfahren pro Jahr statistisch gesehen auf einer Selbstanzeige und damit auf freiwil- liger Mitwirkung des Steuerpflichtigen. Die dadurch entstehenden Mehrsteuern liegen im Milliardenbereich. Also für den Staat etwas durchaus Positives, was vielleicht auch Herr Finanzminister Klingbeil bei nä- herer Befassung mit dem Thema erkennen könnte. Dr. iur. Alexander Sommer