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Stepi hat recht



Tränen habe ich gestern kaum gesehen. Die Leute schienen mir im Bootshaus in Böblingen eher stinkig als traurig, eher enttäuscht als geknickt und haben keinen Bock mehr. Einige waren sauer, dass ihr Party-Ticket bis zum Finale furioso die Gültigkeit verloren hat. Das war einfach ein bisschen viel Korea in der Nachmittagssonne, da kriegt man schnell den Kater. Also: Deutschland ist raus, die schönen Fußballtage zusammen vor der Videowand, im Biergarten vor dem Fernseher und daheim mit Freunden nach dem Grillen sind vorbei. Aber sind sie das wirklich?

Oje, was für ein furchtbarer Gedanke. Ich ahne mich in die Köpfe der anderen Nationen hinein. Diejenigen, die nicht ständig bis zum Schluss dabei sind. Man muss sich das nur mal vor Augen halten: 2014, 2010, 2006, 2002: immer im Endspiel oder wenigstens im kleinen Finale. Immer sieben Spiele. Da ist es ein Leichtes, den Grill und die Stimmung anzuheizen, Freunde zu treffen und Spaß am Spiel zu haben.

Um eins mal klar festzuhalten: Auch ich bin enttäuscht, geknickt und sauer. Aber worauf eigentlich? Mats Hummels hat die Murmel halt aus fünf Metern nicht reingeköpft, obwohl sich nach so einer Szene jeder Kreisligakicker am liebsten vergraben würde. Timo Werner hat eine Hunderprozentige verballert, Thomas Müller hat die Bälle reihenweise verdackelt, Mario Gomez hat ein Luftloch geschlagen, Joshua Kimmich ist in der Soße rumgelaufen und sogar Manuel Neuer hat erst einen Ball fallen lassen und dann auf dem Platz Fange gespielt. Wahrscheinlich kann man es nicht besser zusammenfassen als Andreas Brehme: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß." Jeder Sportler kennt das.

Ich frage mich ernsthaft, warum ich mir die Laune verderben lassen sollte, nur weil jetzt andere gegeneinander kicken. Meine Grillkohle glüht auch für den Senegal. Und das bisschen Frotzelei muss ich ertragen. Nachdem wir fragten, ob es das Billy-Regal auch in Kroos gibt, wissen wir, dass der Toni unterm Strich gar nicht so kroosartig war. So nah liegt das eben alles zusammen. Oder um es mit den Mai-Worten 1992 von Dragoslav Stepanovic zu sagen: "Lebbe geht weider."  Auch wenn es sich gerade gar nicht so anfühlt.