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Ich bin doch nicht der Grinch



Ich habe mir das Loch so unendlich fett riesengroß vorgestellt. Größer als die dicksten Löcher in den Socken meiner Kinder. Größer als die in der deutschen Abwehr. Größer als Loch Ness. Der WM-Kalender bringt den ersten fußballfreien Tag. Und was passiert? Ich spüre nicht den Hauch von Leere.

So fühlt sich das also an, wenn man in der Vorrunde ausgeschieden ist. Der Hunger auf das nächste Spiel ist gegessen, ich betrachte die Angelegenheit nüchtern. Und ich denke nach, viel nach. Das geht, weil das Blut aus dem Herzen wieder ins Hirn geflossen ist. Ich überlege mir, wer Weltmeister wird und erwische mich dabei mit meiner unfassbaren Gleichgültigkeit. Es ist mir Wurst. S'isch mir wurscht. Schmierwurscht.

Ich habe genug Zeit, mir die Frage zu beantworten, die jetzt viele andere auch umtreibt: Für wen bin ich denn jetzt? Ich könnte für Belgien sein, weil die flaggentechnisch so ähnlich aussehen wie wir. Die waren auch echt gut bis jetzt. Vielleicht auch für Uruguay, weil diese Chorizo auf dem internationalen Straßenfest so lecker schmeckt. Portugiesische Tintenfische in Olivenöl aber auch, und wenn jemand meiner hochverehrten italienischen Küche am nächsten kommt, dann ist es die spanische. Argentinier können gut grillen. Brasilianer auch. Japan wäre ein klasse Außenseiter, mit dem man mitfiebern könnte. Oder ich könnte für Kroatien sein, weil das für mich bisher die Mannschaft ist, die wirklich als Mannschaft auftritt. Die Mannschaft, da war doch was...  Ernsthaft jetzt? So ein Blödsinn! Ach, es gibt so viele Möglichkeiten, aber keine Alternative. Es klappt halt nicht. Nach dem deutschen Aus würde ich am ehesten noch einem Afrikaner die Daumen drücken. Doch dieser Kontinent hat komplett die Segel gestrichen.

Es gibt da auch noch die andere Möglichkeit. Ich könnte ja auch einfach gegen irgendwelche Teams sein, um Spannung aufzubauen. Das hat auch seinen Reiz. So wie es der Grinch praktiziert, der Weihnachten nicht mag und deshalb die Geschenke klaut. Der Grinch mag auch nicht, wenn einer gewinnt - aber er freut sich, dass in der Konsequenz einer verliert. Doch ich bin nicht der Grinch. Irgendwie schade eigentlich, vielleicht aber auch gut so. Was weiß denn ich! Ich geh jetzt schaukeln.