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Die Skorbut-WM

Überfahrt

Ich glaub, ich hab 'ne 2 gekriegt. Oder 'ne 2 minus. Stimmt's, Firas? Ich weiß nicht, ob mein guter Freund das liest, aber er könnte sich vielleicht daran erinnern, denn er war dabei und kennt sich auch gut aus.

Weil heute Uruguay spielt, fällt mir die Geschichte ein. Meine Deutschlehrerin hatte das Hirngespinst, dass ich mit dem Referat dran bin. Ich glaub, sie hat mir das vorher gar nicht gesagt, auf jeden Fall hat mich das kalt erwischt. Aber weil ich mich so saumäßig gut in der Fußball-WM-Geschichte auskenne, fand ich den Weg. Er führte direkt zur Tafel. Achte Klasse oder so, Unterrieden.

Sie so: "Hast du kein Heft?" Ich so: "Kann's auswendig. Hab super gelernt." Experten kann man schon mal zuhören, deshalb gibt es an dieser Stelle jetzt für das breite Publikum meine Mini-Lektion in Sachen WM-Geschichte. Gratis!

Es ist kurz vor 1930, als Uruguay die Welt zu sich nach Hause einlädt. Fußball im südamerikanischen Dschungel, ein Abenteuer. Wilde Zeiten damals. Auch die Fliegerei ist noch nicht soweit, um ganze Mannschaften quer über die Weltmeere zu bringen. Da hilft nur der Seeweg.

Die Anreise ist beschwerlich, denn der Wert der Kartoffeln ist nicht entdeckt. Weil die Menschen nur die Blätter statt der Knolle essen, bleibt jeder Nährwert ungenutzt, was auf den großen Schiffen für noch größere Not sorgt. Ohne Kartoffeln grassiert eine schlimme Krankheit: Skorbut. Etliche überleben die Überfahrt nicht, aber darauf haben sich die Fußballverbände eingestellt. Die Mannschaften aus Europa brechen mit riesigen Kadern auf. 40 bis 50 Spieler stehen auf dem Bogen in der Hoffnung, dass genug Überlebende das Ziel erreichen. Das muss man wissen um zu verstehen, warum die erste Weltmeisterschaft in Fußballerkreisen "Skorbut-WM" heißt.

Auf dem Platz geht es zur Sache. Weltmeister wird Uruguay im eigene Land. Torschützenkönig jedoch ein Italiener: Der legendäre Bonieki, wieselflink mit hartem Schuss.

Dieser Bonieki ist nicht zu verwechseln mit dem Polen "Zibi" Boniek, der zu meinen Schulzeiten für Juve Tore schoss. Ja, so war das. Kein Wort ist unwahr, wenn man mal den Inhalt des Referats ausblendet. Es ist eine Geschichte, die Mut macht. Oder so. Und ich bin gespannt, was ich mir vom heutigen Viertelfinale alles merken kann.