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Davor, Tränen, Schiweli



Nein, ich mach da nicht mit. Ich war noch nie in Island, dort ist es viel zu kalt. Ich kann dieses "Huh-Huh" nicht mehr hören. Und ich finde diesen Mauerfußball furchtbar. Wenn die einzige Kunst darin besteht, gegen den Ball zu arbeiten, dann sagt das alles. Gegen den Ball! Ich spiele lieber mit ihm.

Jetzt nicht falsch verstehen: Die nördlichsten aller Wikinger leisten Bemerkenswertes mit ihren bescheidenen Mitteln. Das verdient Anerkennung und steht auch dafür, warum ich diesen Sport so sehr liebe: Man kann auf unterschiedlichste Weise erfolgreich Fußball spielen. Die Isländer erinnern mich an mein erstes Fußballposter im Kinderzimmer. Berti Vogts war darauf zu sehen. Der Terrier streichelte den WM-Pokal. Daneben stand: "Ich kann den Ball dreimal hoch halten, aber ich bin Weltmeister!"

So weit, so gut, aber jetzt habe ich genug "Huh-Huh" und drücke den Isländern nicht die Daumen, nur damit am Ende Argentinien rausfliegt. So wie es aussieht, schaffen dass die Gauchos auch so, was auf der einen Seite jammerschade ist, denn große Fußballkunst bleibt so verborgen. Andererseits ist das auch das nicht das Thema aus Gruppe D, das mich seit gestern Abend beschäftigt: Kroatien. Au weia! Was ein fettes Brett! Bestückt mit Hochkarätern, dazu noch mit einer Körpersprache, die schlichtweg furchteinflößend ist. Da rennt einer für den anderen. Die fressen Gras und stopfen Löcher. Mancher vermutet, hier schon den kommenden Weltmeister gesehen zu haben.

Aber auch das hatten wir schon einmal. 1998 zum Beispiel. Es war Straßenfest,  als ich in der Sindelfinger Alstadt im s'Café saß, Christian Wörns vom Platz flog, Goran Vlaovic schrecklich grinste und Davor den Suker mit uns machte. Au Backe, das hat weh getan. Dann kam Lilian Thuram.

2008: Wieder Straßenfest, wieder s'Café, dieses Mal EM. Ich nahm Marko Cvetnic in den Arm, er schluchzte. Kroatien war super, Klasnic traf in der 119. zum 1:0 gegen die Türkei und flog trotzdem raus. Die Tränen meines Kumpels haben mich berührt. Zuletzt 2016 war es auch nicht besser. Kein Straßenfest, dafür Ricardo Quaresma. 117. Minute, 0:1. Aus die Maus, nur Portugal im Glück.

Der gemeinsame Nenner über all die Jahre: Kroaten haben nicht nur schöne Strände, gutes Wetter und viele Karos. Sie leben und lieben das Spiel mit Herz und Sohle und sind immer für große Nummern gut. Weil heute in Sindelfingen wieder Straßenfest ist und es in der Grabenstraße dieses wunderbare Spanferkel gibt, setze ich mich da nachher hin. Dann stoße ich bestimmt mit mindestes fünf meiner kroatischen Kumpels an, denn das machen sie besonders gern. Ich bin mir sicher, sie werden sehr laut sein, auch ohne "Huh-Huh" zu grunzen. Das geht manchmal mächtig aufs Trommelfell, ist mir aber allemal lieber als die Tränen eines Marko Cvetnic. Prost heißt Živjeli, klingt wie Schiweli und ist lustig.

Um schon einmal die Laune zu heben, gibt es dieses Mal dazu alle Tore von Davor Suker von der Fußball-WM 1998 - auch das schlimme gegen Deutschland.