Leben und Menschen vom 25.02.2016

Kreis Böblingen: SZ/BZ-Serie zum VHS-Schwerpunktthema „Vertrauen“ / Folge 12 und Schluss

Worte schützen das Vertrauen

  • Worte schützen das Vertrauen

Der Video- und Fotokünstler Ralf Kopp hat in Frankfurt am Main und Jever das Wort „Vertrauen“ als Plastik mit 54 000 Ein-Cent-Münzen auf die Straße gelegt, um die Reaktionen der Passanten zu beobachten. Es gab Überraschungen.

Ralf Kopp (Bild: Ralf Kopp), Jahrgang 1973, ging nach einer Ausbildung zum Physiklaboranten als Quereinsteiger in die Werbebranche – anfangs als Grafiker, später als Art Director – in der er heute als Freiberufler tätig ist. Seit 1999 arbeitet er als Video- und Fotokünstler. Die VHS hat sich mit ihm über seine Erfahrungen mit dem Projekt „Gier frisst Vertrauen“ unterhalten. Wir bringen einen Auszug des Interviews aus der aktuellen Programmzeitschrift der VHS Böblingen-Sindelfingen.

Wie sind Sie auf die Projektidee gekommen und was war Ihre Intention?

Ralf Kopp: „Ich beschäftige mich schon eine ganze Weile damit, wie unsere Gesellschaft funktioniert, wie Geld uns beeinflusst und wie wir damit umgehen. Was unterstütze ich zum Beispiel über mein Geld indirekt, was ich über Zahlungen direkt nie unterstützen würde. Durch diese Gedanken kam mir dann irgendwann die Idee – und mit Sicherheit aus Neugier.“

Was hat Sie am meisten berührt?

Ralf Kopp: „Spannend war die Feststellung, dass ein Wort herumliegendes Geld beschützt. Zumindest eine Zeit lang. Schön war es zu sehen, dass Menschen eigenes Geld dazulegen, um Teil des Projektes zu sein oder die Idee zu unterstützen. Spannend war auch, dass die Presse hauptsächlich das Negative verschlagwortet – weitaus mehr Menschen haben das Geld liegengelassen als die paar, die es letztendlich mitnahmen. Auch wichtig war, dass Menschen die Buchstaben wieder gerade rücken, um die Lesbarkeit zu verbessern (nachdem jemand achtlos darüber gelaufen war oder ein Hund oder Radfahrer die Buchstaben durcheinander brachte).

Viele Besucher waren sich sicher, dass Jugendliche oder Obdachlose sich das ‘Geld unter den Nagel reißen’ oder die Installation zerstören würden – in Berlin durfte ich einige bedürftige Menschen beobachten, die an der Installation vorbeigelaufen sind ohne Geld zu nehmen. Am meisten berührt haben mich die Jugendlichen in Frankfurt: Diese haben einen Obdachlosen spät in der Nacht (da war der Schriftzug schon nicht mehr lesbar) geholt und ihm beim Einpacken des Geldes geholfen – selbstlos.

Es ist doch faszinierend, wie stark Worte wirken: Je schlechter der Schriftzug zu lesen war, desto eher haben Leute Geld mitgenommen.“


Von Eva Klotmann*