Kultur Lokal vom 11.11.2017

Böblingen: Das Theater der Kunstschule Böblingen spielt „Das Gespenst von Canterville“ als erste Inszenierung von Prisca Maier-Nieden

Wenn ein Gespenst wahnsinnig wird

  • Wenn ein Gespenst wahnsinnig wird

Mit „Das Gespenst von Canterville“ nach einer Erzählung von Oscar Wilde präsentiert Prisca Maier-Nieden, Leiterin der Kunstschule, ihre erste Inszenierung in Böblingen. Nachdem die zehn Darsteller eine eigene Bühnenfassung des Stoffs erarbeitet haben, steuern nun die Proben auf die Premiere im Städtischen Feierraum am 17. November zu.

Eine ungewöhnliche Familie macht es sich im Schloss Canterville gemütlich: Als Mütter einer Patchwork-Familie nisten sich die Darstellerinnen Tabea Schulz und Ann-Carine Rathgeb mit ihren Kindern (Emil Beilharz, Finn Brodbeck, Valerie Hammerl) im Anwesen ein, das ein dunkles Geheimnis birgt. Denn hier treibt Sir Simon de Canterville (Julian Heinkele) seit Jahrhunderten als Gespenst sein Unwesen.

Mit dem Glauben an das Übersinnliche haben die neuen Bewohner von Schloss Canterville jedoch nichts am Hut. Anstatt sich zu gruseln, treiben sie mit ihrem sturen Pragmatismus und ihrer beharrlichen Ablehnung alles Fantastischen vielmehr das arme Gespenst in den Wahnsinn, das sich bald den hämischen Streichen von zwei Lausbuben ausgesetzt sieht.

Doch nicht nur für Sir Simon tun sich bald Risse in den eingefahrenen Traditionen und Verhaltensweisen englischen Adels auf, die er als Gespenst in übersteigerter Form repräsentiert. Auch die Neuankömmlinge müssen lernen, dass es in ihrer Familie Probleme gibt, die allzu lang unter den Tisch gekehrt wurden.

„Das Stück stellt auf ziemlich witzige Art dar, wie eine Familie in ein neues Umfeld gerät und durch die Begegnung mit dem Gespenst merkt, dass in dieser Familie etwas nicht stimmt“, sagt Tabea Schulz, die eine der beiden Mütter der Patchwork-Familie spielt. „Mir gefällt die Gesellschaftskritik, die sich aus diesem Zusammenprall zweier unterschiedlicher Kulturen ergibt“, ergänzt Julian Heinkele, der Darsteller des Gespenstes.

„Ich wollte ein Familienstück inszenieren, das sowohl Kinder ab acht Jahren unterhält als auch Erwachsenen etwas gibt“, erzählt Prisca Maier-Nieden von der Vorgehensweise bei der Auswahl des Stücks. In der näheren Auswahl standen zunächst mehrere Stoffe, etwa auch König Artus. Das Rennen machte jedoch schließlich der Oscar-Wilde-Stoff mit seiner feinen Ironie.

„Es gibt mehrere Bühnenfassungen“, erzählt Prisca Maier-Nieden, „von denen uns jedoch keine wirklich gefallen hat.“ Also erarbeitete die Kunstschul-Leiterin mit ihrem Ensemble (außerdem Selina Schambier, Sabine Bornmann, Julia Hammerl, Giuliano Ryll) eine eigene Bühnenfassung des Canterville-Stoffes. „Es kamen ein paar Figuren, eine Rahmenhandlung und einige weitere Motive hinzu“, so Prisca Maier-Nieden.

So erzählt in der Inszenierung der Kunstschule die Tochter der Familie die Geschichte rund um das Gespenst von Canterville im retrospektiv. Als ältere Virginia, die rückblickend den erzählerischen


Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber