Leben und Menschen vom 21.04.2017

Böblingen: Gerhard Hildenbrand wird am Samstag 90 und ist so etwas wie lebende Stadtgeschichte

Vom Brezelexport nach Barcelona

  • Vom Brezelexport nach Barcelona

Mit Gerhard Hildenbrand wird ein echter Böblinger morgen 90 Jahre alt. Einer, der Geschichten von der Konkurrenz mit der Nachbarstadt und auch von der Zerstörung der Böblinger Altstadt erzählen kann.

Sein Elternhaus steht in der Landhausstraße, und die alten Gepflogenhiten hat er noch lange nicht vergessen. „Als junger Mann konnte man nicht einfach nach Sindelfingen gehen,und es war auch unmöglich, als Böblinger eine Sindelfingerin zu heiraten“, erzählt der Jubilar.

Als Kind hatte er das Glück, mit dem Sohn eines Flugzeugbauers der Firma Klemm befreundet zu sein. So durften sie auf dem Landesflughafen spielen. „Interessant war immer der Brezelexport. Jeden Tag startete eine JU 52 um 17 Uhr nach Barcelona. Und pünktlich um 16 Uhr kam der Junge der Bäckerei Uckele in der Karlstraße mit einem Weidenkorb auf dem Rücken und lieferte Brezeln in einem Thermobehälter.“

Aber Gerhard Hildenbrand erinnert sich auch an weniger schöne Episoden. „Im Dritten Reich wurde man in die Jugendgruppen einsortiert, ob man wollte oder nicht. Es gab Denunzianten en masse. Der Bauunternehmer Ernst Lang war als Kommunist einer der Ersten im Lager Dachau. Nach seiner Rückkehr feierten sie Richtfest im Gasthaus Pflug. In der fröhlichen Stimmung sagte er, es fließe immer noch rotes Blut in seinen Adern. Wir haben ihn nie wiedergesehen.“

Nach dem Fliegerangriff im Oktober 1943, als die Altstadt zerstört wurde, mussten die Jungen, Frauen und alten Männer Gänge und Bunker in die Berge graben. „Die Sonnenhalde ist ganz unterhöhlt.


Von unserer Mitarbeiterin Renate Lück