Sport Lokal vom 20.04.2017

Das Sportgespräch: Der Magstadter Steffen Koch kämpft als Manager des Dätzinger Motorsport-Überfliegers Tom Lautenschlager um Bestzeiten und gegen Windmühlen

„Verteufeln das Produkt, von dem wir leben“

  • Steffen Koch (links) mit Tom Lautenschlager Steffen Koch (links) mit Tom Lautenschlager

 

Tom Lautenschlager greift neue Ziele an. Der 18-Jährige aus Dätzingen gilt ab sofort im Tourenwagen von Target Competition als potenzieller Siegfahrer der TCR Germany. Sein Manager Steffen Koch weiß um die prächtigen Aussichten. Die kommende Saison ist gesichert – aber die Motorsportwelt hat nach Meinung des Magstadters ganz schön tiefe Kratzer im sonst so glänzenden Lack.

Die SZ/BZ hat sich mit der 52-Jährigen über Sport und Sponsoren unterhalten.

Letztes Jahr sorgte Tom Lautenschlager als 17-Jähriger für Furore, der privat nur in Begleitung hinters Steuer darf und auf den Rennstrecken die Tourenwagen-Szene aufmischt. Wie sieht es diese Saison aus?

Steffen Koch: „Sehr gut. Sein neues Team Target Competition hat letzte Saison die Fahrer- und die Teamwertung gewonnen. Das sind keine schlechten Voraussetzungen für eine gute Runde.“

Welches Auto fährt er?

Steffen Koch: „Einen Audi RS3 LMS. Der Hauptsponsor Wintec hat es jetzt bei einem Event in der alten Reithalle präsentiert.“

Gefällt es ihm?

Steffen Koch: „Und wie! Es sieht hervorragend aus. Schön aggressiv und bissig in der Optik, es macht auf jeden Fall etwas her.“

Der Wechsel ins neue Cockpit ist ein weiterer Schritt nach vorne. Ist Tom Lautenschlager schon so eine große Nummer, dass er von oben abgeworben wird?

Steffen Koch: „Auf der Tour gibt es ein Gentlemen-Agreement, dass man andere Fahrer nicht abwirbt. Aber wir wussten, dass Target ihn beobachtet. Daraufhin folgten Gespräche.“

Was macht das neue Team so stark?

Steffen Koch: „Vor allem die große Ingenieurleistung. So kommt ein Auto zustande mit gutem Handling, gutem Fahrwerk, guten Bremsen. Die ersten Tests sind vielversprechend. Tom hat jetzt schon großes Vertrauen in den Wagen.“

Das hört sich gut an. Was ist das Ziel?

Steffen Koch: „Platz eins bis fünf.“

Wird es eine schwere Saison?

Steffen Koch: „Ich habe gehört, dass 44 Fahrer an den Start gehen. Das Feld ist riesig. Und auch qualitativ hochwertig mit neuen Fahrern aus anderen Rennserien.“

Das hört sieht nach einer blendenden Zukunft für ihren Schützling aus.

Steffen Koch: „Rein sportlich spricht da absolut nichts dagegen. Tom hat vom Talent her alle Möglichkeiten.“

Aber?

Steffen Koch: „Die Rahmenbedingungen passen einfach hinten und vorne nicht mehr. Und das will mir nicht in den Kopf.“

Was meinen Sie damit?

Steffen Koch: „Wenn ich sagen würde, dass es keine Lobby für den Motorsport mehr gibt, wäre das stark untertrieben. Von den großen Unternehmen bis zu den kleinen Zulieferern leben bei uns so viele Menschen von der Automobilindustrie. Sie ist das Fundament unseres Wohlstands in unserer Region. Aber wir legen ihr Tausende Steine in den Weg. Da muss man sich nur einmal die Feinstaubdiskussion anschauen. Wir sprechen von Fahrverboten in Stuttgart und verteufeln unser Kernprodukt.“

Wie merken Sie das als Manager in der Motorsport-Szene?

Steffen Koch: „Zum Beispiel bei der Sponsorensuche. Ich habe bundesweit über 900 Firmen angefragt bisher nur eine Zusage, ansonsten nur Absagen bekommen, wenn überhaupt. Zum Teil musste ich mich als Bittsteller beschimpfen lassen. Besonders bitter finde ich diese Haltung gerade bei den Zulieferern. Da vermisse ich jegliches Bekenntnis zu dem Produkt, mit dem sie ihr Geld verdienen. Es heißt, der Motorsport ist nicht mehr opportun, man legt den Fokus auf Soziales und Kulturelles und so weiter. Und dann gibt es da noch das Thema Corporate Compliance, der Killer jeglicher Kunden-Kommunikation, wo doch gleich der Generalverdacht erhoben wird, bestechlich zu sein.“

Braucht es den Motorsport überhaupt?

Steffen Koch: „Wir brauchen einfach den Motorsport, das ist Teil der Unterhaltungsindustrie. Die Menschen wollen Brot und Spiele. Darüber hinaus ist der Motorsport schon immer Vorreiter für neue Technologien oder effiziente Antriebe. Natürlich kann er die Umwelt nicht retten, aber es geht immer mehr darum, mit möglichst wenig Energie möglichst effizient viel Leistung zu erzeugen.“

Sie kritisieren die Gesellschaft.

Steffen Koch: „Und die Politik. Als Freigeist und Querdenker muss ich mich einfach immer wieder wundern. Wir denken an Biodiesel und holzen deshalb Regenwälder für Palmöl ab. Wir wollen regenerativ sein, aber keine Stromtrassen, Staudämme und Windräder haben. Den Feinstaub wollen wir mit Verboten bekämpfen anstatt Konzepte für flüssigen Verkehr zu erarbeiten. Stattdessen stehen wir alle in unseren doch so geliebten Autos im Stau.“

Wo ist da die Parallele zum Rennsport?

Steffen Koch: „Eben diese eingefahrene Denkweise. Wir haben nicht das Rückgrat, dazu zu stehen, was wir wollen und mögen. Wir unterschreiben nur, was allgemein politisch für legitim gehalten wird. Dass der Motorsport auch Jugendarbeit macht, spielt keine Rolle. Fitness, Disziplin, Teamplay das ist alles extrem wichtige Komponenten.“

Vielleicht ist da der Elektro-Rennsport der Ausweg.

Steffen Koch: „Möglicherweise fährt Tom ja mal die Formel E. Aber ob der Elektro-Antrieb tatsächlich die Zukunft ist, weiß ich nicht. Auch hier gibt es eine Reihe offener Fragen. Zum Beispiel, wo der ganze Strom dafür herkommen soll oder was ich mit all den giftigen Batterien mache.“

Sie malen eine ganze Menge dunkler Wolken an den Himmel. Freuen Sie sich auf die Motorsport-Zukunft?

Steffen Koch: „Na klar, weil sie Spaß macht. Da glaube ich fest daran. Die nächste Saison ist gesichert, am 29. April geht es in Oschersleben los. Das wird super. Und hoffentlich auch sehr erfolgreich.“

Zur Person
Der 52-jährige Magstadter Steffen Koch ist in Sindelfingen geboren und gelernter Speditions-Kaufmann. 1988 eröffnete er in Magstadt den Squash-Tempel. Von 1994 bis 2008 managte er die Musikband Fools Garden aus Weil der Stadt und Pforzheim.

 

 


Von unserem Redakteur Jürgen Wegner