Kultur Lokal vom 15.11.2017

Sindelfingen: Kantatengottesdienst in der Christuskirche zum 30. Geburtstag des Sindelfinger Kammerchors unter der Leitung von Markus Nau

Rundungen mit Horn-Harakiri

  • Rundungen mit Horn-Harakiri

In der Christuskirche ging es diesmal ziemlich rund zu. Und deshalb präsentierte sich der Sindelfinger Kammerchor mit Orchester und Vokalsolisten den Besuchern im Gottesdienst mit einer Bach-Kantate.

BWV 79 lautet deren nüchterne Werkbezeichnung. Allerdings war schon die Wahl des Stücks mit Blick auf den ganz großen Anlass gewählt. „Gott der Herr ist Sonn und Schild“ hatte Johann Sebastian Bach einst für das Reformationsfest in Leipzig komponiert, mit dem Anlass entsprechender großer Besetzung mit vielen Bläsern inklusive Pauke. Dass mit deren Schlägen Bach möglicherweise einst den Anschlag der Wittenberger Thesen in ein lautmalerisches Musiksymbol gegossen hat, ließ Pfarrerin Kathrin Lichtenberger nicht unerwähnt.

Wie auch immer, die „Sonn und Schild“-Kantate ist eine der Kantaten, die ein passendes Erscheinungsbild im Jahr des diesjährigen, 500-jährigen Reformationsjubiläums hat. Aber der eigentliche Anlass, mit diesem Stück den Gottesdienst außergewöhnlich glanzvoll auszustaffieren, war doch eine Nummer kleiner als die bekannten 500 Jahre. Der an der Christuskirche beheimatete Sindelfinger Kammerchor feiert dieses Jahr einen runden Geburtstag. Stadtmusikdirektor Markus Nau, der das Konzert dirigierte und Komponist Wolfram Graf, der am Cembalo saß, gründeten das Ensemble vor 30 Jahren.

Mit der Kantate bezeugt der Kammerchor, dass er auch nach drei Jahrzehnten zu den ganz wenigen hiesigen Spitzenchören zählt. Trotz vergleichsweise kleiner, Transparenz nahezu garantierender Besetzung mit 26 Kehlen verwöhnt der Chor mit großem Klangvolumen, was nicht zuletzt Bachs Choralvertonungen entsprechenden Überzeugungsnachdruck verleiht. Die auf Innenstimmenpräsenz statt Sopran- und Bassdominanz ausgerichtete Balance passt dabei auch im einzig wirklich konzertanten Chorsatz der Kantate, dem Eingangssatz mit seinem dem Psalm 84 entlehnten Text.

Mit den Vokalsolisten Burkhard Seizer (Bass) und Christine Euchenhofer (Sopran) wurden zwei Stimmen verpflichtet, die auch schon lange Jahre den Chor begleiten. Burkhard Seizer singt seine Solo-Arie


Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden