Lokales vom 20.03.2017

Sindelfingen: Dr. Martin Frank feiert den Gottesdienst zur goldenen, diamantenen und Gnadenkonfirmation in der Martinskirche / Kantor Daniel Tepper dirigiert Barock-Messen

„Hoffnung auf eine offene Zukunft“

  • „Hoffnung auf eine offene Zukunft“

Diese Zahlen sprechen Bände: Dieses Jahr betreuen die evangelischen Kirchengemeinden in Sindelfingen gerade mal 80 bis 90 Konfirmanden. 1947, als die jungen Sindelfinger um Artur Stolz zum ersten Mal zum Abendmahl zugelassen wurden und in der Mehrheit ihre Schulzeit beendeten, waren es 91 Konfirmanden. Und 1967, als Winfried Zilian, der Organisator der goldenen Konfirmation gestern, in die Martinskirche zog, registrierten die Protestanten noch über 402 Konfirmanden.

„Natürlich dürfen wir zurückblicken“, sagt Dr. Martin Frank, der geschäftsführende Pfarrer der Martinskirche, am Sonntag im Festgottesdienst zu den knapp 80 Sindelfingern, die sich 50, 60 oder gar 70 Jahre nach ihrer Konfirmation wieder im romanischen Wahrzeichen der Stadt treffen: „Sie haben viele Gefühle und Erinnerungen mitgebracht, Dankbarkeit für das Leben, aber auch Trauer und Wehmut wegen des Verlusts von Weggefährten. Aber wir haben die Hoffnung auf eine offene Zukunft.“

Martin Frank stellt den Gottesdienst für die Konfirmations-Jubilare bewusst in die Veranstaltungsreihe „Davon ich singen will“ zum 500. Reformations-Jubiläum in der Martinskirche Sindelfingen. Am Samstagabend hat Bezirkskantor Daniel Tepper die Reihe mit der „Lutherischen Messe“ von Johann Sebastian Bach sowie der „Missa Votiva“ des Bach-Zeitgenossen Jan Dismas Zelenka eröffnet. Im Sonntagsgottesdienst präsentieren die Cappella Nuova der Sindelfinger Martinskirche, das Augsburger Barockorchester und Vokalsolisten erneut Auszüge aus den barocken Messen. „Manche Texte wirken heute etwas spröde“, sagt Martin Frank: „Aber der Schrei nach Erbarmen hat auch heute noch seine Berechtigung.“

1947 hat Sindelfingen noch nicht einmal 9000 Einwohner, hat 1485 Neubürger aufgenommen, obwohl fast 300 Wohnungen im Krieg beschädigt oder zerstört wurden. Die Kohlevorräte der Schulen werden für Bäckereien und Metzgereien beschlagnahmt. „Sie sind unter dem strafenden Blick Gottes aufgewachsen“, sagt Martin Frank zu den Konfirmanden wie Anne Volz, Hildegard Severin, Erich Kölle, Wilhelm Pfeffer oder Artur Stolz, die sich 70 Jahre nach ihrer Konfirmation in der Martinskirche erneut vom Pfarrer segnen lassen.

1957 sieht die Welt schon anders aus. Sindelfingen hat fast 20 000 Einwohner, das Floschenstadion ist angelegt, mit der Dreifaltigkeitskirche das erste katholische Gotteshaus nach der Notkirche im Schadenwasen geweiht. Es gibt ein Kultur- und Verkehrsamt im Rathaus, neue Löschfahrzeuge für die Feuerwehr und Pläne, das alte Rathaus an der Langen Straße zum Kulturhaus mit Stadtbücherei, Volkshochschule und Heimatmuseum umzubauen. Von den damals 188 Konfirmanden haben sich unter der Federführung von Ingrid Heidecker gut 25 Teilnehmer für den Sonntagsgottesdienst in der Martinskirche angemeldet.

1967, als die Altersgruppe um Winfried Zilian die Konfirmation feiert, zählt die evangelische Kirchengemeinde nicht nur drei Bezirke für die Martinskirche, sondern auch die Christus- und Johanneskirche sowie die Goldberggemeinde. Sindelfingen hat bereits 37 860 Einwohner und zählt 34 172 Arbeitsplätze. Die Baugrube ist ausgehoben für das neue Rathaus an der Stelle des alten Krankenhauses, das 1962 auf die Steige umgezogen ist. Das Rathaus hat den Abriss des Wurmbergquartiers begonnen, überlässt das Gelände dem staatlichen Amt für Denkmalpflege, bevor das Gemeinschaftswarenhaus Domo an der Schnittstelle von Stiftsbezirk und Altstadt gebaut wird. Winfried Zilian erinnert an den Konfirmandenunterricht für die insgesamt 402 Jugendlichen vor 50 Jahren: „Unser Selbstbewusstsein war in der damaligen Zeit nicht sehr ausgeprägt. Wir hatten sehr großen Respekt vor älteren Personen, Eltern und Funktionsträgern wie Polizei, Pädagogen und Pfarrern. Manchen war es sogar unangenehm, am Unterricht teilnehmen zu müssen und sich mit dem anderen Geschlecht in Wissen, Ausdruck, Gedanken und Kenntnis zu vergleichen. Es bestand eine große Schüchternheit.“

Die Zeiten haben sich geändert. Im Gottesdienst der Konfirmations-Jubilare war am Sonntag Claudia Mackiewiz. Die Sindelfingerin ist 1967 geboren und mit ihrer Kollegin Elke Winterfeld dabei, den


Von unserem Redaktionsmitglied Peter Bausch