Kultur Lokal vom 15.04.2017

Böblingen: Trio mit Horn, Violine und Klavier beim Musikfrühling von „Pro Arte“ in der Aula am Murkenbach

Herrliches Beziehungsdreieck

  • Herrliches Beziehungsdreieck

agio-Satz ist unbestritten ein Trauerstück und Erinnerung an die Mutter. Möglicherweise ist aber die völlig vorbildlose Besetzungswahl überhaupt von diesem Kindheits-Mutter-Tod-Kontext inspiriert.

Wie auch immer, es lässt sich nicht leicht ein Stück finden, das mit dem tiefschwarzen Trauer-Adagio einerseits und dem anschließenden, jovialen Jagd-Finalsatz andererseits solche Stimmungsextreme zusammenbringt. Wie in einer Nussschale werden diese Stimmungsgegensätze in Miniatur vereint bereits in den Kopfsatz gepackt, der eine seltsame Atmosphäre verströmt, als ob da eine Idylle von ihrem dämonischen Unterbewussten unterwandert sei, das sich rein nur in wenigen Leidenschaftsausbrüchen manifestiert.

Alle Musiker des „Trio Opus 40“ haben das Format, um dieses Ausnahmewerk zu seinem mal magischen, mal schlicht hochvitalen Leben zu erwecken. Wie erwähnt, am Ende steht die Frage, warum nur Brahms und sonst keiner. Denn klar wird auch: Das Horn ist das ideale Verbindungsglied zwischen Tasten- und Streichinstrument, die ansonsten klanglich weit entfernt sind. Denn Violine klingt nur gezupft entfernt nach einem miserablen Klavier. Klavier wiederum, auf dem kein Legato möglich, nur simulierbar ist, klingt dagegen nie wie eine Violine. Viele Stellen der Klavierliteratur beschwören dagegen kaum umsonst Assoziationen an Hörnerklang.

Dieses herrliche Beziehungsdreieck einer auf den ersten Blick kuriosen Besetzung zeigt sich auch mit dem modernen, aber eher der Spätromantik verpflichteten und mit Jazzharmonik vertrauten Trio op. 110 des 1940 geborenen Norwegers Trygve Madsen. Die Konzertouvertüre mit dem Vorspiel aus Richard Strauss’ „Der Rosenkavalier“, die turbulent beginnt und sich immer mehr beruhigt, beschwört mit dem präsenten Horn unweigerlich Erinnerungen an die Alpensinfonie.

Dass das „Trio Opus 40“ beschlossen hat, den Flügel erst für die letzten beiden Original-Triokompositionen ganz zu öffnen, führt bei Strauss zu einem deutlich zu schwachen Klavieranteil. Schade. Mit zwei Duos, einem impressionistisch eingefärbten Jagdstück für Horn und Klavier von Alan Abbott und dem merklich von Paganinis Saitenhexereien inspirierten Introduktion und Rondo-Capriccioso für Violine und Klavier von Camille Saint-Saëns belegen die Trio-Herren, dass sie auch in den verkleinerten Besetzungsvarianten sehr formidabel aufzuspielen verstehen.

Das „Trio Opus 40“ mit Reimer Kühn, Michael Kuhn und Evgeny Popov. Bild: z


Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden